Bezirksoberliga, Runde 6

Fünf Stunden Kampf und Reklamationen

Also langweilig war das Duell der beiden Aufsteiger in die Bezirksoberliga jedenfalls nicht. „Ihr habt aber eine sehr junge Mannschaft…“

meinte kurz nach Beginn einer der mitgereisten Gäste. Komplimente werden immer gern genommen, nur: man kann sich dafür nichts kaufen. Zum Spiel selbst:

SV Roter Turm

SV Roter Turm

Nach über drei Stunden war noch keine Partie zu Ende. Das sagt schon einiges über den sehr ausgeglichenen und harten Kampf an allen Brettern. Allerdings reiften nun erste Entscheidungen und diese, fast ausnahmslos, gegen uns. Zunächst unterlag Frank Pietsch in einer für ihn hoffnungslosen Stellung. Charlotte Derling spielte gegen Gerhard Riemer eine sehr gute Partie, stand ausgeglichen. Neben dem aggressiven Spiel ihres Gegners hatte sie nur ein Problem: die Zeit. Im Mittelspiel brauchte sie beim Rechnen sehr viel Zeit und war von der Zeitkontrolle und den nötigen 40 Zügen weit entfernt. Ihre Zeit lief ab, doch die Partie ging trotzdem weiter. Blättchenfall muss eben reklamiert werden! Nach weiteren 14 Minuten kam es den älteren Gegner dann doch „komisch“ vor, er bat um ein Gespräch mit dem Hettstedter Mannschaftsleiter. Charlotte hatte inzwischen, stark unter Druck, 39 Züge geschafft, da kam endlich so etwas Ähnliches wie eine Gewinnreklamation, die die Partie beendete. Also 0:2 nach dreieinhalb Stunden. Zwar schaffte Lars, mit sehr guter Partie, den Anschluss, die die nächsten Rückschläge folgten. Yury, bis zum 30. Zug zum Teil deutlich im Plus (30. +4,6!), schlug einen „falschen Bauern“ und gab, nach Dameverlust und hohem Druck am Königsflügel auf.

Nelly - Franziska

Nelly – Franziska

Und auch Nelly musste, in einer „feurigen“ Partie gegen Franziska Becker, mit Turm weniger, kurz vor dem Matt, aufgeben. 1:4, eine hohe Bürde für unsere drei Spieler. Doch es gab durchaus Hoffnung. Julius Pietsch hatte schnell eine Figur mehr (schwarzfeldriger Läufer) und wickelte das sehr gut ab. 2:4. Matti Adelmeyer stand am dritten Brett, mit Mehrbauer im Turmendspiel, leicht besser.

Markus - Detlef

Markus – Detlef

So konzentrierte sich das Hauptinteresse, nach vier Stunden, auf die Partie Detlef Friedrich gegen Markus Wähler. Markus versuchte alles, aber Detlef Friedrich verteidigte sich gut, setzte immer wieder „Nadelstiche“ und sorgte am Ende für den Mannschaftssieg. „Das hätte auch ganz anders ausgehen können…“, meinte ein fairer Sieger nach der Partie.

Doch, das war es noch lange nicht. Obwohl unsere dritte Niederlage in Folge feststand, kämpften Frank Kuberkiewicz und Matti Adelmeyer, beide mit sehr wenig Zeit, immer noch verbissen. Hier gab es schon im 51. Zug etwas Ärger. Sein Gegner hatte den König nicht angefasst, aber berührt und Matti reklamierte das, als sein Gegner doch den Turm zog. Doch es gab widersprüchliche Zeugenaussagen und so ging die Partie weiter. Trotz zweier verbundener Freibauern kam Matti, der im 47. Zug ein Remisangebot ablehnen musste, plötzlich nicht mehr weiter. Der gegnerische Freibauer und der bewegliche Turm erforderten höchste Konzentration und vor allem kostbare Bedenkzeit. Doch plötzlich wich sein Gegner von seiner Taktik ab. 53 Sekunden vor Schluss startete Matti seinen letzten Angriff. Es gelang ihm die Türme zu tauschen und 14 Sekunden vor Schluss war sie da: die neue Dame. Mattsetzen in 14 Sekunden? Wohl nicht möglich bei weißer König e3 schwarzer König h2 und schwarze Dame f1? Doch dann passierte es! Sein Gegner blitzte mit und zog ins Schach, Matti reklamierte, Gegner zog woanders hin (übrigens mit Mattis Zeit). Noch 5 Sekunden …De1 / Ke3??? Matti reklamierte nun in aller Ruhe, mit 4 Sekunden auf der Uhr (gegen 1.25) den regelwidrigen Zug Nr. 2 und hielt dieses Mal die Uhr sofort an. Der Gegner wollte „einfach zurechtrücken, den Zug zurücknehmen und dann könnte es weitergehen… Er könne sowieso, in vier Sekunden nicht mehr Matt setzen…“ (aber auch nicht mehr verlieren! Denn Remis ist es sowieso!). Doch so einfach ist das eben nicht. Unsere Gäste haben durchaus einen Grund, etwas Regelkunde zu betreiben. Ich vertrat sofort die Meinung, dass der zweite regelwidrige Zug verliert. Hier die entsprechende Regel dazu: Artikel 7: Regelverstöße: Artikel 7.5.3 „Nachdem die Erfordernisse des Artikels 7.5.1 oder 7.5.2 erfüllt worden sind, fügt der Schiedsrichter für den ersten abgeschlossenen regelwidrigen Zug eines Spielers zwei zusätzliche Minuten zur Bedenkzeit des Gegners hinzu; nach dem zweiten abgeschlossenen regelwidrigen Zug desselben Spielers erklärt der Schiedsrichter die Partie für diesen Spieler für verloren. Die Partie ist jedoch remis, wenn eine Stellung entstanden ist, in der es dem Gegner nicht möglich ist, den König des Spielers durch irgendeine Folge regelgemäßer Zügen matt zu setzen…“ Da keine Mannschaft nachgeben wollte, wurde ein Protokoll aufgesetzt und die Partie zunächst nicht gewertet. Ich bin aber ziemlich sicher, dass die Entscheidung nur Sieg für Matti und damit 3:5 lauten muss. Auf jedenfall dürfte diese Partie, auch wenn sie ohne Bedeutung war, zu denen zählen wird, an die sich alle erinnern. Noch einmal sein Gegner: „Da sitzt man 5 Stunden am Brett und dann so was…“ Eben unvergesslich.

Nachtrag:
Die Entscheidung vom Staffelleiter folgte kurz nach meinem Protokollbericht: „Ich habe ihrer Bitte entsprochen und eine Entscheidung getroffen, welche auf der online Seite des Schachbezirkes ersichtlich ist. Und dort steht: Matti hat gewonnen und wir 3:5 verloren, na also, warum nicht gleich.

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