Deutsche Vereinsmeisterschaften u10 und u12 (Tag 4)

Der zweite Tag, 28.12.2018

u12

u12

Für unsere Jüngsten begann der Tag eine Stunde früher. Scheinbar waren unsere Vier aber trotzdem hellwach, denn der Auftakt gegen die Berliner war recht gut, wenn auch wieder etwas zu schnell. Auch unsere Gegner in der u12 waren bereits lange an den Brettern während ich mich, vor allem mit Nelly und Ian mit der Vorbereitung auf teils etwas merkwürdige Eröffnungen herumschlagen musste. Beispiel gefällig? Der Gegner von Nelly spielte in der 1. Runde mit Weiß: 1. d4 d5 2. Lg5 Lg4 3. Dd3… Ist gewöhnungsbedürftig. Außerdem saß am 4. Brett ein Kind aus Fürth, als ich meine Mannschaftsmeldung abgab. Auf meine Frage erhielt ich die lakonische Antwort: „Den könnse haben…“ Ganz schön fies die Bayern! Und: ich nehme ja nicht jeden!
Zurück zur u10: Marek, mit Turm mehr, brachte unser Quartett, nach etwa einer Stunde in Front. Doch an den drei anderen Brettern war nichts entschieden und zum Schluss wurde es dramatisch und tragisch. Frederik war in ein Endspiel Läufer und Springer gegen seinen Turm geraten. Er tauschte im Endspiel den Turm gegen Freibauern und Läufer, was aber letztlich die Partie entschied. Der Springer gewann am Königsflügel zwei Bauern und nach 90 Minuten stand es 1:1. Am 2. Brett hatte sich Georg einen Vorteil erarbeitet. Dieser bestand in einem Mehrbauern und vor allem fast 10 Minuten mehr Zeit. Eigentlich spielte er das Endspiel mit gleichfarbigen Läufern langsam und stark, hatte am Ende sogar eine Figur mehr, doch drei Sekunden vor Blättchenfall seines Gegners war es tatsächlich Patt. Ein schmerzlicher halber Punktverlust mit Folgen. Das Leichtfigurenendspiel mit ständig wechselnden Vorteilen bei Jaron war eigentlich Remis, doch Jaron hatte mit Georgs Sieg gerechnet und stand nun selbst unter Druck, spielte plötzlich auch ungewöhnlich schnell, stellte eine Leichtfigur ein und gab schließlich entnervt auf. Diese unverdiente 1,5:2,5 Niederlage war absolut unnötig, musste die Mannschaft aber schnell verkraften. Und noch eine Randbemerkung: genervt hat mich, während die am 1. Brett noch lief, dass ein Betreuer, Elternteil oder Trainer der Berliner ?? ständig vor dem Brett stand und auf dem laufenden Handy, was auch immer, getippt hat.

Charlotte

Charlotte

Unsere Mannschaft steckte diese unglückliche erste Niederlage in der Tat weg. Gegen den Gegner der 4. Runde, SV Dresden-Leuben, war die Mannschaft Favorit und Marek machte, im überlegenen Bauernendspiel mit seinem Sieg den Anfang. Dann gab es eine Remisvereinbarung an Brett 2. Georg durfte bei einem fast vollem Brett, im 16. Zug, anbieten. Vor allem deshalb, weil am Nebenbrett Frederik mit offenen Linien und drei Schwerfiguren dieses Mal ohne Gnade auf Matt spielte! So war der Mannschaftswettkampf gewonnen (2,5:0,5) und Jaron durfte gegen Angelos Anagostoudis (Griechenland!)- was für ein Name! noch weiterspielen. Langezeit stand Jaron, mit Schwarz, nicht gerade komfortabel, doch er konnte sich befreien und seine Figuren und Stellung gegen einen sehr guten Gegner stetig verbessern. Im Endspiel seiner zwei Türme gegen Läufer+Turm+Freibauer spielte er sehr konzentriert, fand starke Züge bis zur Aufgabe seines Gegners im 50. Zug. Unser u10 Team liegt mit 5:3 Punkten, nach vier Runden auf Platz 17.
Ich bin im Tagesbericht etwas u10 lastig, deshalb nun ausführlich zur 3. Runde der u12: Hier zahlte sich zunächst die ausführliche Vorbereitung mit Nelly aus (Siehe oben). Mit vielen Ideen machte sie zunächst jegliche weiße Angriffshoffnungen zunichte und spielte dann stark auf die lange weiße Rochade. Nach der Verdopplung der Türme auf der a-Linie gab ihr Gegner, Philipp Lentski, im 35. Zug schließlich auf. Von Anfang kämpfen musste Ian an Brett 4, mit Bauern weniger. Doch Ian setzte auf das weiße Läuferpaar und ständige Initiative. Turm auf der vorletzten Reihe, ständig neue Ideen und am Ende ein verdienter halber Punkt für ihn. Ähnliches gilt für Charlottes relativ ruhiger Partie an Brett 2. So stand es 2:1 mit der Hoffnung auf den 2. Sieg. Auf Antons erstem Brett war von Anfang an eine Menge los. Antons Gegner, Said Habieb Haschemi (DWZ: 1571) leitete in ein Endspiel 2 Türme und (Riesen)Läufer gegen Antons Dame und schwachen Läufer über und hatte damit Erfolg. „Das wird nichts mehr,“ meinte Steffen Kageler und er behielt schnell recht. Der Angriff der drei Figuren, plus gebildeten Freibauer, überrollte Anton, der schließlich aufgab. Doch das 2:2 gegen Fürth geht in Ordnung, ist leistungsgerecht.
Aber für beide Mannschaften stand noch eine Runde an. Die u12 traf auf VSG 1880 Offenbach. Das ist insofern ein interessanter Gegner, weil sie gleich drei junge Damen im Team haben. Interessant auch die Partie Rosalie Werner – Charlotte Derling.
Zunächst aber wieder zu Runde 5 in der u10: Unser Quartett traf auf PSV Dorfen (Bayern). Spaß gemacht hat die Begegnung mit den bayrischen Kindern (Dorfen liegt zwischen Landshut und München) nicht, zumal wir gleich durch zwei „Geister“ besiegt wurden. Es begann schon schlecht: Frederik übersah ein Matt nach 16 Zügen und auch bei Georg lief es von Beginn an, gegen Tim Geist nicht o gut. Und Jaron hatte mit seiner Eröffnung, gleich zu Beginn, gegen Denis Geist, eine Leichtfigur verloren. Nur Marek, immer ein Siegerlächeln im Gesicht, bekam wieder ein Bauernendspiel, mit Mehrbauern natürlich, aber nicht so einfach. Zuvor hatten beide alles abgetauscht und Marek schob die schwarzen Bauern nach vorn. Selbst ein weißer Freibauer am anderen Flügel (drei Felder vor der Dame) störte ihn nicht, weil: Marek verwandelt die Bauern nicht mehr, sondern spielte mit verbundenen Bauern (durchgerechnet auf Matt!) und strahlte dann zurecht über seinen Sieg zum 1:1. Doch die Stellungen der anderen beiden waren nicht zu halten. Jaron forcierte noch den Abtausch des letzten Turms und sein Gegner (übrigens kadergeschult und Teilnehmer mehrerer Schachlager) spielte das, mit weißfeldrigen Läufer als Mehrfigur erbarmungslos bis zu Jarons Aufgabe im 40. Zug. Georg, am 2. Brett, hatte keine Freude am Spiel, keine offenen Linien, keine offenen Diagonalen, keinen Angriff und vor allem keine Zeit. Sein Gegner tat in den letzten 10 Zügen nichts mehr, außer Warten auf Georgs Blättchenfall. Dieses Warten hatte letztlich Erfolg und unsere Mannschaft verlor, nach 95 Minuten, verdient mit 1:3. Somit weiß ich nicht, wie ich das Kompliment vom PSV Dorfen: „Ihr habt aber auch eine gute Mannschaft…“ werten soll. Und dann habe ich zum ersten Mal die Eltern bedauert, die speziell in dieser Runde sehr gelitten haben, speziell Herr Mischkewitz, obwohl Marek, der bei uns jetzt Matti heißt, doch gewonnen hat. Apropos Marek: er ist als Neuling derzeit unser fleißigster Punktsammler mit 4 aus 5! Für unser u10- Team trotzdem wohl kein guter Tag mit 2:4 Punkten.
Das gilt letztlich auch für unser u12- Quartett. Die VSG 1880 Offenbach erwies sich zu stark für unser Team, eigentlich sogar eine andere Liga, zu mindestens heute. Janosch hatte in der Partie gegen eine aggressiv spielende Josefin Hentschker schon in der Eröffnung Probleme bekommen und zwei Bauern verloren und fand nie zum eigenen Spiel. Opfer, Fesselungen, alles was Angriffsschach so zu bieten hat, brach über Janosch herein. Mit einer Kombination gewann die Offenbacherin einen Turm, es folgten sogar zwei regelwidrige Züge (einmal mit Zeitabzug) und die viel zu späte Aufgabe von Janosch nach 54 Zügen. Dann gab es sogar Tränen. Nelly hatte in einer ausgeglichen Stellung von ihrem Gegner, Lennart Bergmann (DWZ: 1341) ein Remisangebot erhalten. Ihr Problem: nur noch wenig Zeit auf der Uhr und noch 10 Züge bis zur Zeitkontrolle. Anton überlies ihr die schwere Entscheidung und Nelly entschloss sich, im Interesse der Mannschaft, weiter zuspielen. Ein Fehler, denn im 32. Zug reklamierte ihr Gegner Blättchenfall und Nelly stand plötzlich mit völlig „leeren Händen“ da. Trösten half da wenig, war aber auch ärgerlich. Auch Anton verlor eine gute Partie letztlich gegen Dominik Laux (DWZ: 2037) nach Leichtfigurenverlust. Charlotte spielte fast vier Stunden gegen Rosalie Werner. Doch nach 59. Zügen gab auch sie auf. Das klare 0:4 war perfekt und damit auch nur ein Punkt an diesem Tag für die u12.
Und dann gab es für den Trainer noch die Härte: Analyse mit Janosch und dazu „3 Haselnüsse für Aschenbrödel“! Kommentiere ich heute Nacht nicht mehr!

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