Deutsche Vereinsmeisterschaften u10 und u12 (Tag 4)

Der dritte Tag, 29.12.2018

Der Tag begann mit Vorbereitung unserer u12 Begegnung mit dem Schachverein unserer Partnerstadt, dem Karlsruher SF aus Baden und einer kurzen Nachauswertung der gestrigen Niederlage. „Heute ist unser Tag…“, meinte Steffen Kageler. Mal sehen.
Doch da saßen unsere „Frühaufsteher“ schon am Brett, die u10- Mannschaft traf in der 6. Runde auf SV Hellas Nauen aus Brandenburg. Und dort begann es schlecht. Ganz schnell unterlag Marek und Frederik meldete, nach 50 Minuten, ein Remis. Wieder wuchs der Druck auf die Spitzenbretter.

Jaron

Jaron

Doch dieses Mal hielten Georg und Jaron mit starken Partien dem Druck stand. Georg fand im Endspiel eine starke Lösung für seinen Freibauer, profitierte von einem falschen Königszug seines Gegners (in Zeitnot), reklamierte dann den regelwidrigen Zug und gewann schnell zum 1,5:1,5. Jaron sorgte, nach 80 Minuten, nach Damegewinn nach Abzugsschach, für den knappen, aber verdienten Erfolg. Nach kurzer Analyse und Hinweisen hinsichtlich Remisangebote ging es in die letzte Runde gegen SV Empor Berlin.

Marek

Marek

Doch auch dieser so entscheidende Wettkampf für die Endplatzierung begann schlecht. Nach nur 15 Zügen übersah Frederik eine Mattdrohung. Das Team lag zurück und Marek musste Remisangebote von Jona van Zyl ablehnen. Er stand leicht besser, mit Läufer mehr, in einem komplizierten Schwerfigurenendspiel, musste einen Freibauern bekämpfen. Doch dann lief er plötzlich mit seinem König los. Doch die eigene Mattidee war viel zu optimistisch, das Risiko zu groß. Schließlich wurde sein schwarzer König auf h3 (!!) Matt gesetzt. Ein Sieg war nicht mehr möglich und Jaron nahm, mit Blick auf Georgs Partie, das Remisangebot von Paul Freude (DWZ: 1445) an. Als letzter spielte Georg bis zum bitteren Ende. Also zum Schluss eine hohe 0,5:3,5 Niederlage. Trotzdem bin ich eigentlich zufrieden, Matti „halbwegs…“. Ein Platz unter den ersten 20 wäre schön gewesen. In einer langen Siegerehrung wurden alle 63 u10 Teams nach vorn gerufen und auch traditionell die Trainer auf der Bühne bejubelt und geehrt. Für unser Quartett Platz 31, eine gute Meisterschaft.

Ian

Ian

Erfreuliche Realität dann bei unserer u12 im Spiel gegen die SF Karlsruhe. Da dreht zunächst Ian eine völlig verlorene Partie. Bei konsequentem Spiel seines Gegners, Leon Liu, hätten drei verbundene Bauern, ein Riesenläufer und zwei Türme Ian am Dameflügel einfach überrollen müssen. Doch Ian kämpfte, sein Gegner blieb zu passiv und gruppierte zudem Dame und Turm zum Königsflügel um. Und Ian nutzte seine Chance, entschärfte einen Freibauern nach dem anderen und gewann eine Qualität. Und auch im Endspiel war Ian klar besser, er zauberte sogar ein bischen, als er seinen Turm im richtigen Moment gegen Läufer und Bauern tauschte. Sein Gegner ließ sich das Endspiel mit zwei verbundenen Bauern gegen den König, später Dame gegen König tatsächlich bis einem Zug vor dem Matt zeigen. Kurz zuvor hatte es etwas Verstimmung am 1. Brett gegeben. Anton hatte, in besserer Stellung, eine dreifache Zugwiederholung übersehen und „nur“ Remis gespielt. Doch dieser halbe Punkt des Kapitäns sollte nachher noch ganz wichtig werden. Nach einem Fehler im Mittelspiel durfte Nelly, nach dem Sieg von Ian aufgeben. Es stand 1,5:1,5 und Charlotte rückte wieder in den Mittelpunkt. Schon vorher hatte sie sich, im Spiel auf die lange Rochade, einen Stellungsvorteil erarbeitet. Im 29. Zug verrechnete sich ihr Gegner, Julius Kiefhaber (DWZ: 1436) bei einem Läuferopfer. So blieb ein Endspiel: je zwei Bauern und ein Turm und eben Charlottes Läufer. Charlotte spielte das sehr stark und konzentriert und fand haargenau die richtigen letzten Züge und behielt die Nerven auch zum Schluss mit ihrem perfekten Turmgewinn. Freude und Stolz über den 2,5:1,5 Sieg gegen die Badener, zwischenzeitlich Platz 14 in der Tabelle und der nächste schwere Gegner mit dem SC Turm Lüneburg, fast genau 200 DWZ-Punkte im Durchschnitt mehr als wir.

SVRT - Lüneburg

SVRT – Lüneburg

Doch, nach verspätetem Rundenbeginn in den Räumlichkeiten der u10, merkte man zunächst wenig davon. Nur Charlotte hatte, gleich zu Beginn, eine Bauerngabel übersehen und verlor eine Leichtfigur.
Doch sie kämpfte, wie die anderen großartig. Nach über drei Stunden war noch keine Partie beendet. Besonders dramatisch ging es am Brett 4 zu. Hier traf Janosch Berger mit Weiß und seiner Lieblingseröffnung auf David Rennkamp (DWZ: 1223). Es war einer jenen Partien hier, die mich faszinierten und fesselten. Janosch, materiell unterlegen, startete mit 29. Lxh6 einen unwiderstehlichen Angriff auf den nun freistehenden schwarzen König. Sein Gegner, in zunehmender Zeitnot, musste genau spielen, um schließlich dem Matt zu entgehen und vor allem in die Zeitkontrolle (40 Züge) zu kommen. Fast hätte Janosch die Partie mit seinen starken Zügen und tollen Ideen komplett gekippt.
Zur gleichen Zeit musste Nelly in einer spaßfreien Schwarzpartie gegen Finn Helms (DWZ: 1671) ohne jegliche Chance, aufgeben. Charlotte kämpfte im Bauernendspiel gegen einen weißfeldrigen Läufer und vor allem gegen die schwarzen Bauern. Doch ein Bauer blieb übrig und der reichte zum Sieg für Emilia Bildat (DWZ: 1638/ 12. der DEM u12w 2018, Remis unter anderen gegen Saskia Pohle, Svenja Butenandt und Margarethe Wagner!). Die Lüneburger führten mit 2:0 und der Wettkampf lief immer noch. Janosch Gegner war inzwischen in die Zeitkontrolle gekommen und hatte Remis angeboten. Janosch ging fragen, musste aber weiterspielen. In der Analyse erkannte er die verpasste Siegchance im 35. Zug. Danach gab es insgesamt 10 Schachs und das nächste Remisangebot. Noch einmal ließ Anton Janosch weiterspielen und Janosch gewann prompt einen Bauer und „entschärfte“ auch einen gefährlichen Freibauer. Anton selbst war gegen Jeremy Hommer (DWZ: 1972) in ein Bauernendspiel geraten. Auch dieses war nicht zu gewinnen „wenn er keine Dummheiten macht…“, wie Tatjana Melamed meinte. Anton macht natürlich keine Dummheiten, sondern nahm das Remisangebot seines Gegners an. Nach vier Stunden endete auch das Schach sagen von Janosch. Auch er durfte, im 58. Zug Remis anbieten und sein Gegner nahm sofort. „Wir toll stolz auf euch beide…“ zitiere ich schon wieder Steffen Kageler. So kann auch eine 1:3 Niederlage zufrieden und stolz machen!
Wegen Nieselregen fiel dann der Weihnachtsmarktbesuch ins Wasser. Und was machen Schachspieler aus Langerweile? Sie analysieren!
Der letzte Gegner heißt: Düsseldorfer SV. Mal sehen, ob es da noch Punkte gibt!

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