Landesfinale u12

Finale der Landesjugendmannschaftsmeisterschaft u12 2017/ 2018

Unglaubliches u12- Finale

Ich habe in den letzten 20 Jahren schon so einige u12 Landesfinals erlebt, das von 2018 würde ich, sagen wir mal, als außergewöhnlich, bezeichnen. Einige meinten sogar, ein so spannendes Finale in Sachsen-Anhalt habe es noch nie gegeben. Ein Herzschlagfinale mit überraschendem Ausgang eben.

Unsere Ausgangposition war nach der verdienten 1:3- Niederlage gegen die Schachzwerge Magdeburg I im November 2017 mehr als bescheiden. In einer Mannschaftsbesprechung hatte jedes der 5 Kinder einen Auftrag bekommen und die Zielstellung: Medaille. Am Spieltag traf ich dann 5 hochmotivierte Kinder, die zudem alle „sehr gut drauf waren“, wie man so sagt. Und ist es nicht schön für einen Trainer, wenn geschmiedete Pläne aufgehen und Kinder tun, was man ihnen sagt! Und dann gab es noch Erdbeertorte!

Aber nun genug der Vorrede.

Wir waren ja mit dem Zug unterwegs und so trafen wir unseren ersten Gegner, den 1. SC Anhalt schon auf dem Bahnsteig in Magdeburg-Buckau. Ian erkannte gleich messerscharf: „Sie kommen ohne Luke!“ Das muss ich nochmal kurz erklären: kurz vor dem Finale hatte sich der u10- Landesmeister von 2017, Luke Fathke, von SK Dessau 93 zu 1. SC Anhalt umgemeldet. Mitten in der Saison! Extra für das Landesfinale?

Doch eine wirkliche Schwächung war das Fehlen des neuen Vereinsmitgliedes für die Dessauer nicht, immerhin hatten die Dessauer überlegen die Vorrunde gewonnen.

Anton

Anton

In der ersten Stunde war deshalb an allen vier Brettern zunächst Ausgeglichenheit Trumpf. Dann startete Anton Kageler einen Superangriff auf der offenen c- Linie, mit dem er immerhin vier Bauern und geschickt auch noch einen Springer gewann, den sein Dessauer Gegner, Florian Schwerdtfeger, alle Felder genommen hatte. Übrig blieb ein hilfloser Läufer und König, der gegen Freibauern von beiden Flügeln nichts machen konnte. Anton konnte schließlich mit der Dame Matt setzen, wählte aber den h- Bauern, weil „das schöner aussieht“. Auch an den anderen Brettern sah es überraschend gut aus. Nelly hatte alle Angriffsversuche abgewehrt und bestrafte mit Freibauer die Wirkungslosigkeit. Stark auch Eugen, der mit Friedrich Lautenschläger kaum Probleme hatte und jeden Fehler konsequent bestrafte. Mit Turm mehr kam er zum Erfolg am 1. Brett. Ich konnte nicht glauben, was ich von unserer Mannschaft zu sehen bekam und bekam, nach der 3:0- Führung, nach etwas mehr aus 90 Minuten, das erste Stückchen Erdbeertorte!

Charlotte

Charlotte

Blieb Charlotte an Brett 2 gegen Christopher Schröter. Schon klopften die Dessauer Mannschaftskollegen Christopher, nach einer Bauerngabel, auf die Schulter. Doch wirklich in Nachteil kam Charlotte nicht. Im weißen Nebel tauchten auf einmal vier verbundene Bauern am Königsflügel auf. Auch hier versuchte ein weißfeldriger Läufer zu retten, was nicht mehr zu retten war. Charlotte erkämpfte, durch mutiges Offensivspiel, die offene Linie und quälte dann gnadenlos den armen Christopher. Schlusspunkt mit Dameopfer (natürlich!) zum Matt nach zweieinhalb Stunden zum sensationellen 4:0, dass hier viel Beachtung fand. Und nicht nur das: unsere Mannschaft führte nun, nach Runde 2!! Nach dem 3:1- Sieg des USC Magdeburg im Magdeburger Derby hatten alle vier Teams nun 2 Mannschaftspunkte, wir aber 5 Brettpunkte.

Ian

Ian

Nach 50 Minuten Pause begann Runde 2. Jeder konnte noch Landesmeister werden. Zunächst wurde aber zu schnell gespielt. Unser (Angst)-gegner, der USC Magdeburg, freute sich an allen Brettern auf unsere Kinder. Ian Fiedler hatte sich eine Wiederholung seiner LEM- Partie gegen Jonathan Rabenstein gewünscht. Und tatsächlich, bei diesem Landesfinale wurde auch dieser Wunsch erfüllt. Ich bekam ein neues Doppelstück Erdbeertorte (mit Kaffee) und dann konnte es losgehen.

Anton, jetzt an Brett 3, wieder mit Weiß, hatte schnell einen Bauern mehr und Nelly Adelmeyer, jetzt an Brett 2, einen Läufer weniger. Ian Fiedler reklamierte nach etwa 60 Minuten einen regelwidrigen Zug und bekam für seinen Läufer immerhin einen Turm. So sah es an den Brettern 3 und 4, nach 90 Minuten sehr gut aus. Nelly stand, durch ein starkes Läuferpaar, weiter unter hohem Druck, versuchte verzweifelt Gegenspiel zu organisieren. Eugen Kuppe, der gegen Michael Pikalow gut mitgehalten hatte, stand zu dieser Zeit kurz vor einem Bauernendspiel, noch ohne materiellen Nachteil. Ich bekam das zweite Doppelstück Erdbeertorte, dann war das 1. Brett verloren, Eugen gab gegen zwei Freibauern auf. Wenig später war auch das 2. Brett zu Ende. Nelly musste gegen Arne Herter kapitulieren, am Ende mit zwei Läufern weniger. Also 0:2. Das Ende aller Träume? Sicher, Landesmeister konnten wir nicht mehr werden, weil die Dessauer auf 3:0 gegen die Schachzwerge erhöhen konnten. Doch noch liefen drei Partien. Und diese waren dann wirklich nichts für schwache Nerven. Während Carl-Friedrich Dornheim gegen Friedrich Lautenschläger für die Schachzwerge den Ehrenpunkt erkämpfte, versuchte Ian mit Mehrturm und gegen eine eingesperrte Dame von Jonathan, Matt zu setzen. Er hatte dazu verschiedene Pläne, wollte aber den Sieg richtig auskosten und nicht mal einen eingestellten Turm haben. Doch nach zweieinhalb Stunden war das 2:1 da und wir hatten die sichere Medaille. Ich bekam noch ein Stückchen Erdbeertorte und einen strafenden Blick der spielfreien Charlotte. Dann aber richtete sich der Blick aller nun zur letzten Partie des Finals: Anton Kageler gegen Robin Schiffner. Ein wichtiges Spiel für die Plätze 1-3. Ein Remis und der USC Magdeburg wäre Landesmeister, vor Dessau. Ein Sieg Antons und Dessau wäre Sieger und wir Vize. Ständig kamen die Dessauer schauen. Doch die Konstellation war schwierig. Robin verteidigte umsichtig, tauschte schließlich die Damen. Folgendes war auf dem Brett: Anton mit T + L + 3 Bauern, Robin mit T + 4 Bauern und doppelter Zeit. Robin begann sich unverständlicherweise einzuigeln, doch eigentlich schienen Anton die Ideen langsam auszugehen. Ab und zu war bei Robin auch schon ein Lächeln zu sehen. Doch Anton gab nie auf, er glaubte an sich und kämpfte immer weiter, auch nach über 3 Stunden nicht auf. Plötzlich konnte der Läufer überraschend den Turm schlagen und das entstandene Turmendspiel dauerte nur 5 Minuten dann war das 2:2 und unser Vizelandesmeistertitel perfekt. Die ganze Mannschaft gratulierte Anton. Noch etwas lauter jubelten im Nebenzimmer die Dessauer mit ihrem Trainer Michael Oswald, die wir, ganz nebenbei, zum „überraschenden Landesmeister“ gemacht hatten, wie Staffelleiter Florian Heyder, zur Siegerehrung sagte. Er sprach auch von „heißen Partien“ und lud die ersten Drei zur Norddeutschen Meisterschaft nach Magdeburg im September.

Mannschaft

Mannschaft

Landesmeister und Vizelandesmeister fuhren dann, gutgelaunt, wieder mit dem Zug zurück. Nach einem Finaltag, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Ich erkläre diesen 9. Juni für den u12- Tag des Jahres, weil, wir haben tatsächlich zeitgleich auch den Bezirkspokal u12 gewonnen. Was für ein schöner Tag!

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