Deutsche Vereinsmeisterschaft 2019, AKu12 (30.12.)

Der erste Tag, 27.12.2019

Sehr pünktlich eröffnete der Präsident unseres Landesschachverbandes, Andreas Domaske, diese DVM für die Altersklassen u12, u14 und u16 und bereits 9.05 Uhr starteten alle Teams in Runde 1. Ich hatte gleich die Meldezettel für alle 7 Runden abgegeben und doch gab es etwas Merkwürdiges. In den ausgedruckten Mannschaftslisten war unsere Mannschaft nach DWZ- Zahlen sortiert. Gemeldet war es eigentlich anders und dennoch wurde es während der Runde plötzlich zum Problem. Auf der gestern abend von mir unterschriebenen Meldeliste stand Nelly an Brett 3 und Jaron an Brett 2. Michael Zeuner wies mich daraufhin. Dieser unverzeihliche Fehler könnte Folgen haben, so den Verlust von Brett 3 in Runde 1.

SVRT - Kerpen

SVRT – Kerpen

Zum schachlichen gibt es ähnliches zu sagen wie im vorigen Jahr. Der SK Kerpen 64 erwies sich als starker Gegner und nach 90 Minuten war nur sehr wenig passiert, es wurde sehr langsam gespielt, die erwarteten Eröffnungen kamen aufs Brett. Am meisten los war von Beginn an am 2. Brett. Dort spielte Nelly mit den drei Schwerfiguren gegen Dame, Turm, Läufer und Springer. Doch das Drama um die falsche Aufstellung überschattete diese Runde. Nach über zwei Stunden wurde es Gewissheit, wir würden Brett 3 verlieren. Die sehr strenge Turnierleitung nahm meine leichtgläubige Unterschrift auf dem Meldebogen sehr genau (unabhängig von aktuellen Wettkampfzettel).
Nach knapp drei Stunden fielen erste Entscheidungen an den hinteren Brettern. Georg verfolgte im Sizilianer einen ganz klaren Plan und hatte am Ende zahlreiche Möglichkeiten. Er wählte den Damegewinn und sein Gegner gab danach sofort auf.
Aber das war nur der Anfang eines dramatischen und wahrscheinlich unvergessenen Vormittags. Nach drei Stunden kam ein strahlender Jaron ins Zimmer. Er hatte klare Vorteile in ein schnelles Matt nach 30 Zügen umgewandelt. Georg freute sich zwar, dass er 8 Züge weniger gebraucht hätte, dennoch muss man beiden einen sehr starken Auftakt bescheinigen. Die Stimmung änderte sich allerdings, als ich Jaron sagen musste, dass das dritte Brett als verloren gewertet würde. Zu dieser Zeit hätten wir durchaus auch den gesamten Wettkampf verlieren können. Unfair fand ich, dass kurz vor Ende der Partie am 3. Brett die Betreuer des SK Kerpen eindringlich ihren spielenden Kindern am Brett die Lage erläutert haben. Es gab eine klare Anweisung der Turnierleiterin, die Kinder einfach zu Ende spielen zu lassen, ohne sie zu informieren, dass es eigentlich 1:1 stand. Zu dieser Zeit sah es bestenfalls nach einem 2:2 aus. Nelly, mit unglaublich vielen Ideen, sah sich plötzlich einem angreifenden Efecan Atar gegenüber, der zweimal Remis anbot. Die beweglichen Leichtfiguren waren stark, einen Freibauern gab es auch noch. Doch Nelly lehnte mutig auch das zweite (berechtigte) Angebot im 36. Zug ab und kämpfte weiter. Sie und Anton waren zu dieser Zeit nicht im Bilde und so ging diese unglaubliche Partie weiter. Nelly verwandelte, im 54. Zug einen Freibauern zum Springer! Schon das war kurios, aber klug. Der Springer sagte nämlich Schach und spielte dann praktisch wirkungsvoll wie eine Dame. Der weiße König verfing sich praktisch im eigenen Mattnetz und im 64. Zug gab Nellys Gegner auf. Unglaubliches Schach! Doch was machte Anton? Zunächst war er geradeso in die Zeitkontrolle gekommen, die Partie lief schon über 4 Stunden. Entstanden war ein komisches Endspiel mit jeweils Dame und Springer und Bauern auf beiden Flügeln. Allerdings hatte Anton einen weniger und sein Gegner spielte das relativ geschickt, im Kampf um das Mannschaftsunentschieden. Anton bot, nach viereinhalb Stunden Remis, das wurde, nach dem Dametausch, noch abgelehnt. Doch wenige Minuten später war es dann soweit. Alle Bauern waren durch Springer oder Antons König blockiert, es ging wirklich nichts mehr – endlich Remis an Brett 1 und der doch noch erhoffte Mannschaftssieg mit 2,5:1,5. Nelly und Anton haben mich quasi gerettet, danke dafür. Und dabei war es doch erst die erste Runde.
Dass es der Computer nicht gut mit uns meint, zeigte sich in der späten Auslosung (14.40 Uhr) für Runde 2. Unsere Mannschaft spielte an den Live-Brettern gegen den Hamburger SK von 1830!

Jaron & Anton

Jaron & Anton

Und es begann nicht gut. Nach etwas mehr als einer Stunde musste Anton kapitulieren. Ich habe das Ende gegen Bahne Fuhrmann gar nicht richtig mitbekommen. Denn ich hatte wenig später schon das nächste Problem. Am Brett drei waren rasch viele Figuren getauscht wurden. Gegen einen immer offensiven, aber zu schnell spielenden Zion Malchereck hatte Nelly viel Mühe alle Drohungen zu parieren. Kurz vor Ende hatte sie eine Bauerneinheit mehr (Springer gegen zwei Bauern), aber ihr Gegner war mit einer sehr aktiven Dame in Nellys Stellung eingedrungen, zudem machte ein Freibauern Sorge. Es half alles nichts, Nelly bat mich, Remis anbieten zu dürfen und ich hatte eine sehr schwere Entscheidung zu treffen, stimmte aber letztlich zu. Am 4. Brett hatte Georg gerade einen Bauern verloren. Sein Gegner war aktiver und dann öffneten sich Linien. Durch einen Abtausch verlor Georg einen weiteren Bauern und der Druck wuchs.
Wenig ging zu Beginn an Brett 2 in einer durchaus interessanten Partie zwischen Jaron und Arthur Krüger. Doch irgendwann bekam Jaron am Dameflügel mit zwei verbundenen Freibauern und Dame Spiel und gewann einen Bauern. Doch mit dem Dametausch und dem Rückzug von Jarons aktivem Springer endete der Angriff. Jaron fand jedenfalls keine guten Züge mehr und bat mich mehrfach, Remis anbieten zu dürfen. Ich lehnte zunächst ab. Doch dann fiel die Entscheidung an Brett 4. Georg hätte seinen Turm verloren und so setzte ich zunächst dem Spiel an Brett 4 ein Ende, der Wettkampf war verloren. Jaron versuchte noch einiges, doch dann gestattete ich auch ihm Remis anzubieten, was sein Gegner, nach einigem Nachdenken annahm. Eine wohl verdient 1:3 Niederlage gegen die Hamburger nach etwas mehr als dreieinhalb Stunden.
Ein Weihnachtsmarktbummel war dann der Höhepunkt des Abends, viel Gedränge, viel zu futtern, Schmalzgebäck war der Renner, vor allem für unsere Kinder.

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