Deutsche Vereinsmeisterschaft 2019, AKu12 (30.12.)

Der zweite Tag, 28.12.2019

Nachzutragen vom gestrigen Tag ist noch, dass um 15 Uhr auch das Turnier der u10 mit 40 Mannschaften begonnen hat. Weiterhin läuft ein Mannschaftsopen u8/u10 mit 18 Teams und ein Ersatzspielerturnier. Ein Riesenevent.
Der Hamburger SK gegen den wir gestern verloren haben ist übrigens an Nummer 3 gesetzt und wir sind, nach zwei Runden, nun Elfter.

Georg

Georg

Nun war das ja durchaus ein aufregender erster Tag, aber Runde 3 heute Morgen toppte nochmal alles.
Unser Gegner war der SC Ostfildern 1952, Dritter in Baden-Württemberg, ein weiterer starker Gegner. Es entwickelte sich ein spannender Kampf an fast allen Brettern, nur nicht an Brett 4. Georg war klarer Favorit gegen Christian Kasperovich und gewann im 14. Zug erstmal einen Springer. Er spielte danach total überlegen, ohne alle Chancen zu nutzen.
An Brett 3 merkte man Nelly die Freude an, endlich mal Weiß zu haben. Natürlich mit Colle-System! Stark, angriffslustig und Bauerngewinn im 18. Zug. Doch dem Gegner gelang es durch den Abtausch beider Türme die Situation zu entspannen. Nelly tauschte wenig später die Dame, der Mehrbauer war geblieben, aber der Gegner besaß ein starkes Läuferpaar. Nelly bekam im 37. Zug ein Remisangebot, musste aber zunächst ablehnen. Das lag vor allen an beiden Spitzenbrettern. Anton war bereits zu Beginn in eine schwierige Lage geraten. Er entschloss sich nach langem Nachdenken, einen Läufer gegen zwei Bauern zu tauschen und bekam danach Spiel und Initiative, hatte aber fast 20 Minuten weniger Zeit.

Nelly

Nelly

Noch problematischer sah es bei Jaron aus. Er hatte, nach Fehler am Anfang, zwischenzeitlich drei Bauerneinheiten weniger, kam nicht zur Rochade und stand eigentlich auf Verlust. Auch seine Stellung war schlechter. Dennoch hatte ich mich speziell auf diese Partie Jaron gegen Ivan Chugunow schon heute Morgen gefreut. Die Partie zweier sehr spielstarker Spieler, mit vielen Ideen, hielt, was sie versprach!
Nach knapp drei Stunden war der Ausgang auch weiterhin völlig offen. Doch zunehmend verbesserte sich die Lage an allen Brettern zu unseren Gunsten. Nelly hatte weiterhin viele Ideen, musste aber beim 2. Remisangebot im 45. Zug, kurz nach dem Abtausch der weißfeldrigen Läufer, Anton fragen. Sie war etwas wütend, als er zustimmte. Doch Anton entschied aus dem sicheren Gefühl eines möglichen Mannschaftserfolges jedoch völlig richtig. Er selbst spielte ein Damenendspiel mit einigen Bauern inzwischen aggressiv, offensiv und einfach stark. Verbundene Bauern kamen dazu und sein Gegner, Oliver Schwartz, musste aufgeben. Georg machte den Mannschaftserfolg mit dem Treppenmatt mit zwei Türmen schließlich perfekt. Doch der Höhepunkt des Vormittags stand noch an: der Kampf von Jaron gegen eine („Fastdame“) und einen Turm. Zunächst war es eine Partie mit ständig wechselnden Vorteilen. Jaron gelang es, alle seine Figuren zu aktivieren. Hauptproblem war der h- Bauer, ein weißer Freibauer auf h7. Doch Jaron gab nie auf, auch als alle Umstehenden für ihn kein Cent mehr gewettet hätten, Jaron fand immer neue Züge und Auswege. Der Springer, ein Bauer und der Turm gaben immer Schach. Schließlich opferte sein Gegner sogar den Turm, um endlich zur Dame zu kommen. Doch jetzt war plötzlich ein Endspiel schwarzer Turm+Springer+Bauer gegen eine neue weiße Dame auf dem Brett! Mit welcher Farbe möchte Sie denn gern spielen?? „Jaron hat nichts weniger…“, meinte Nelly weise. Allerdings hatte er wesentlich weniger Zeit (nach eigener Aussage noch 41 Sekunden!!). Doch sein Gegner war ratlos, fragte nach Remis und erhielt die Genehmigung. Die Gegner und Mannschaftsleiter reichten sich fair die Hand. Jarons großer und eben nicht aussichtloser Kampf, seine ständige Suche nach Lösungen, war mit einem halben Punkt belohnt wurden, großartig! Was für eine Runde und ein toller und verdienter 3:1 Erfolg.
Aber eine Nachmittagsrunde gab es ja auch noch! Der Gegner hieß USV TU Dresden! Sind ja „nur“ an Nummer 2 gesetzt! Und wieder LIVE! Und mit Farbwechsel!
Unsere Mannschaft ging überraschend locker und trotzdem mit starken Siegeswillen an diese Aufgabe. Und das merkte man dann auch in den Partien. Außer bei Georg. Er hatte gut begonnen, doch drei schwächere Züge sorgten für einen starken Dameangriff auf e6. Der Computer nahm diesen starken Angriff zunächst noch gelassen, dann kamen schwache Königszüge von Georg dazu und die Partie war, nach 25 Zügen, wohl verloren. Zunächst wehrte Georg allerdings eine Mattdrohung ab. Doch plötzlich wusste sein Gegner nicht weiter und stellte sogar einen Springer ein. Am Ende musste der Dresdener froh sein, mit seiner starken Dame ins Remis gekommen zu sein, was Georg dann auch annehmen durfte. An den anderen Brettern war allerdings, nach über zwei Stunden, nichts entschieden.
Ich war gerade beim Analysieren, da kam Nelly mit einer Überraschung: „Ich habe gewonnen!“ Was war geschehen? Nelly hatte, zum zweiten Mal hintereinander mit Weiß, sehr offensiv begonnen. Den Ärger über den verlorenen halben Punkt aus der 3. Runde ließ sie nun an Nicholas Richter aus. Bei einem Läuferopferangebot im 19. Zug bewies sie auch noch viel Mut (19. Dxg6!) und wurde spät belohnt. Wieder war es ein Mehrbauer. Doch ihr Gegner hielt (übrigens wieder nach dem Tausch der Damen) dagegen und so entstand ein Doppelturmendspiel mit jeweils 5 Bauern, jetzt sogar mit leichten Vorteilen für den Dresdener. Doch Nelly gab nie auf. Schon gab es ein (berechtigtes) Remisangebot im 31. Zug, doch auch dieses Mal ließ Anton Nelly zunächst weiterspielen und dieses Mal kam die Erleuchtung (wie es gehen könnte…) etwas früher. Der Fehlgriff 47. …Kd4?? brachte die völlig überraschende Wende und die 1,5:0,5 Führung. Dazu kam, dass Anton und Jaron ebenfalls recht gut standen. Sollten wir den hohen Favoriten jetzt sogar schlagen können? Fast sah es so aus. Anton lehnte sogar ein Remisangebot eiskalt ab und stand, laut Aussage von Steffen zeitweise deutlich im Plus, hatte allerdings weniger Zeit. Durch einen Fehler bei Abtausch unterlag leider Jaron gegen Nils Espig in einer erneut guten Partie.

Anton

Anton

Er ärgerte sich, weil er wohl ein sicheres Remis verschenkt hatte. Doch Anton kämpfte noch weiter. Der Vorteil war nicht mehr so groß, aber Remis war es allemal und das wurde, nach über dreieinhalb Stunden auch zwischen ihm und Caius Emilian Kempe besiegelt. Ich lobte den großen Kampfgeist von Anton und der gesamten Mannschaft um dieses tolle 2:2 und ich weiß, dass sich viele mit uns freuen: Markus Wähler, Frank Pietsch, Joachim Donath, die Leipziger von Grün-Weiß…
Morgen gibt es auch wieder was Tolles! Das Landesduell gegen die Schachzwerge!

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