Deutsche Vereinsmeisterschaft 2019, AKu12 (30.12.)

Der dritte Tag, 29.12.2019

Nur mal noch etwas am Rande: gestern gab es zwischen den Landesmannschaftsmeistern der Altersklasse u12 USV TU Dresden und SV Roter Turm Halle ein 2:2.

SKSZM - SVRT

SKSZM – SVRT

Heute gab es „nur“ das Duell Landesmannschaftsmeister gegen Vizelandesmannschaftsmeister: SV Roter Turm Halle gegen die Schachzwerge Magdeburg. Um es vorweg zu nehmen: auch dieses Landesduell hielt, was es versprach. Spannung an allen Brettern bei einer Gesamtspielzeit von fast 5 Stunde.
Unser Plan war es, an den hinteren Brettern zu punkten und an den Spitzenbrettern mindestens ein Remis zu schaffen. Eine Strategie, die letztlich theoretisch und praktisch aufging.
Vor allem am ersten Brett, zwischen Valentin Udelnow und Anton ging es gleich mächtig zur Sache, es wurde um Bauern gekämpft. Nelly, von Beginn an am Drücker mit Schwarz und auch Georg eröffnete stark und stand zunächst sehr aktiv. Jaron hingegen geriet gegen Arne Herter gleich unter Druck. Besonders Nelly, mit vielen Ideen, ließ Johannes Petzold keine Zeit zu eigenen Angriffen. Schließlich gewann sie eine Figur, auch Georg hatte zu dieser einen Bauern mehr.
Doch plötzlich riss am 4. Brett der „rote Faden“ bei Georg. Probleme tauchten auf, die keine waren, für einfache Züge brauchte er viel Zeit, dann wollte er Remis. Doch auch sein Gegner, Maurice Knoche, spielte nicht fehlerfrei und wohl viel zu schnell. Plötzlich war ein Doppelturmendspiel auf dem Brett, Georg hatte durch ängstliche Züge längst die Initiative verloren. Sein Gegner nutzte das geschickt, Doch mit der Zeitkontrolle fing sich Georg. Türme wurden getauscht, der Freibauer geschlagen und zwei verbundene weiße Freibauern blieben. Turmtausch, wie gewünscht und der ständige Vormarsch des Bauernpaares mit leichter Pattangst. Im 66. Zug hieß es g8D. Doch Georg holte eine schwarze Dame hervor und wollte sie auf g8 stellen, hatte sie aber noch in der Hand und bemerkte den Irrtum und bekam von seinem Gegner seine weiße. Regeltechnisch wäre es interessant gewesen, wenn er die Dame wirklich los gelassen hätte. Will ich jetzt gar nicht ausmalen. Am Ende natürlich der Punkt für Georg. Doch zuvor hatte bereits die Dame im Team wieder mal zugeschlagen und vor allem deshalb, weil sie, mit Figur mehr, auch auf die wütenden Angriffe von Johannes Petzold, besonders auf der f- Linie immer eine Antwort fand. Im 42. Zug erzwang sie den Dametausch und danach gab ihr Gegner sofort auf. Es stand 2:0. An Brett 2 spielte Jaron, mit Figur weniger weiter, aber ohne Chance. Im 47. Zug durfte er aufgeben und Anton am Spitzenbrett musste zu wiederholten Male um den Sieg kämpfen. Unterschiedliche Meldungen kamen: Bauer weniger, Bauer mehr, Freibauer bei Valentin. Doch im sicheren Wissen, dass ein Remis reichen würde machte Anton nach 5 Stunden sogar mit Matt den Sieg klar: 3:1 gegen die Schachzwerge.

Matti und das Team

Matti und das Team

Nun konnten die an Nummer 1 gesetzte Mannschaft von Empor Berlin kommen und sie kam auch. Die Runde begann allerdings mit über 39 Minuten Verspätung, an Tisch 2 LIVE! Und wieder Farbwechsel. Und die Berliner doch ohne ihren stärksten Spieler Nicolai Nitsche (DWZ: 1912!) Viel Vorbereitung war ohnehin nicht. Im vergangenen Jahr hatten wir in der u10 und in der u12 klar verloren. Damals erkämpfte nur Jaron, übrigens gegen Paul Freude, ein Remis.
Aber all das störte unsere Kinder nicht, auch nicht die krasse Außenseiterrolle. Und dieses großartige Quartett leistete auch gegen die Berliner fast 5 Stunden Widerstand. Ich weiß nicht mehr, wie oft mir Trainer und mir bekannte Spieler anerkennend auf die Schulter geklopft haben heute Abend und irgendwann muss man mich auch mal piksen, ob ich das nicht alles träume. Alles hatte ich vor dieser DVM erwartet, aber nicht dass wir auch gegen Empor Berlin fast gewonnen hätten und es ist einfach erstaunlich, was unser Team hier zu leisten vermag. Aber nun der Reihe nach.
Unsere Kinder sprachen nach der Partie von „komischen Eröffnungen, die keiner kennt“… Besonders Nellys Gegner, Tobias Spranger, begann mit 1. c4 c5 2. Sc3 Sc6 3. g3 … (Englisch Symmetrische Variante) und gewann dadurch, im 9. Zug einen Bauern. Doch Nelly schaltete schnell in den Angriffsmodus und ärgerte ihren Gegner, besonders mit dem weißfeldrigen Läufer. Den Minderbauern merkte man kaum, ständig fielen ihr neue schöne, interessante und fiese Dinge ein. Machte Spaß, sie hier zusehen!
Noch stärker zu Beginn spielte Georg, vielleicht die stärkste Partie von ihm hier. Tatjana Melamed fragte nach unserem 4. Brett und sagte: „Er steht richtig gut!“ Und sie hatte recht! Georg öffnete früh wieder die h- Linie, stellte seine Figuren sehr aktiv und marschierte mit dem h- Bauern los. Ohnehin braucht Georg scheinbar nur den Königsflügel vom Schachbrett wie es scheint. Der Gegner konnte wenig bis gar nichts tun. Leider vergaß er rechtzeitig (lang) zu rochieren.

Jaron&Anton

Jaron&Anton

Interessant auch die Partie von Jaron. Er bekam Budapester Gambit, sicher vorbereitet mit Yari Monnighoff. Obwohl er die Varianten nicht kannte, machte er es eigentlich richtig gut: 1. d4 Sf6 2. c4 e5 3. d5 Lc5… Fast die gesamte Partie über stand er im Plus, überstand auch geschickt den Ansturm der Bauern am Königsflügel und hatte am Ende auch noch etwas Glück. Hätte sein Gegner im 33. Zug Te1+ gefunden, wäre die Partie wohl verloren gewesen. Jaron bot zwei Züge später Remis, was nach fast drei Stunden angenommen wurde und ich trug das erste Ergebnis ( ½ : ½ ) ins Spielprotokoll ein. Doch längst gab es wichtigeres. Nelly hatte inzwischen ihren Gegner und die weißen Figuren faktisch völlig ausgeschaltet. Alles was Tobias Spranger tat, wurde mit starken Gegenzügen beantwortet. Mattdrohungen, ständige Angriffe auf die Dame und vor allem alle Figuren von Nelly beteiligten sich am bösen Spiel: wie quäle ich einen Berliner! Dieser stellte plötzlich, im 40. Zug, einen ganzen Turm ein. 10 Züge später kam die viel zu späte Aufgabe und ich trug stolz den Sieg von Nelly in den Meldebogen. Und das Auswerten machte erst Spaß! Und sogar die Berliner und Tatjana Melamed gratulierten Nelly zu dieser Partie. Gut wenn man so ein Mädchen im Team hat. Es ist ihr Turnier!!
Der Kampf von Georg und Anton ging aber weiter – viereinhalb Stunden. Beide Partien gingen fast gleichzeitig zu Ende. Gerecht das Remis an Brett 1 zwischen Anton und Max Freude (DWZ: 1889), weil kaum noch etwas ging. Auch Anton hatte eine wenig bekannte Eröffnung bekommen: 1. b3 Sf6 2. Lb2 g6 3. e3 Lg7 4. Sf3 0-0… Mein Computer nennt das zuerst Nimzowitsch-Larsen-Angriff und etwas später einfach „Englisch“. Doch am Ende, mit jeweils drei Leichtfiguren und je 7 Bauern, sieht selbst der Computer keinen Vorteil mehr, nur 0.00.
Doch zu Georg und seiner Partie gegen Paul Freude. Er bot im 32. Zug (nicht am Zug und deshalb eigentlich ungültig) Remis an, dass nun aber abgelehnt werden musste. Zwar spielte er mit zwei Bauern weniger nun aktiv mit zwei Türmen und Springer, doch sein Gegner wehrte alles ab. Richtig kam aber auch er nicht voran. Georg tauschte dann einen Turm ab und erhielt im 49. Zug tatsächlich noch die Chance zum Partiegewinn! Eine Springergabel mit reinen Turmgewinn! 49. Se6+ und wir hätten 3:1 gegen Empor Berlin gewonnen (Computer: +3,6!). Fünf Züge später gab er auf, weil der g- Bauer nicht zu halten gewesen wäre. Dieser eine Zug wäre das Sahnehäubchen einer großen Mannschaftsleistung gewesen.
Bis zum Schlafengehen rätselten wir, wer der Gegner sein würde. Die Partie Hamburg gegen Dresden (2,5:1,5) dauerte bis nach 21.00 Uhr. Dann stand der Deutsche Meistertitel für Hamburg (Freiplatz!!) fest. Der SV Rote Turm Halle, derzeit Vierter, spielt morgen gegen SF Brackel 1930 aus Nordrhein-Westfalen (LIVE) um die Medaillen. Schon das ist eine Sensation. Und: wir sind nicht ohne Chancen!
Daumendrücken, alle die ihr habt.

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