Deutsche Vereinsmeisterschaft 2019, AKu12 (30.12.)

Der vierte Tag, 30.12.2019

Ich hatte fast die ganze Nacht von Springer e6 Schach geträumt und dann klingelte auch noch 6.20 Uhr der Wecker. Frühstück, kurze Vorbereitung, dann ging es los. Vieles war möglich vor dieser Runde, es war deshalb nicht zu erwarten, dass diese 7. Runde langweilig sein würde, schon gar nicht für unser Quartett.

Runde 7

Runde 7

Am ersten Brett wurden relativ schnell 5 Figuren getauscht, darunter die Damen. Ansonsten war wenig los. Jona Bungarten und Anton warteten ab. Ganz anders am Brett 4. Ersatzspieler Andrius Skolnik suchte sein Heil im Angriff. Doch Georg, dieses Mal mit Maskottchen, nahm es gelassen, trotz der hohen Verantwortung, die er in dieser Partie für das Team hatte. Im 19. Zug fand er das von Matti mir zugeflüsterte Dxf3!! Und die gefährliche weiße Dame und der Angriff verschwanden vom Brett. Ideenreich, zunächst nur mit leichten Vorteilen für Georg, ging es weiter. Ein übersehener Spieß kostete Andrius Skolnik einen Turm und Georgs Vorteil wuchs weiter, einfache Abwicklung mit Turm mehr. Genau nach 40. Zügen gab Georgs Gegner auf. Und mit diesem wichtigen Sieg wich viel Anspannung. Vor allem wenn man auf das Brett von Nelly schaute. Der Angriffsmotor war längst angeworfen und begann nun, nach bekanntem Muster, Uri Römer zu überrollen. Im 21. Zug fand sie einen Spieß mit Figurengewinn. Ab dem 30. Zug lief der Königsangriff wie immer mit allen Figuren, zunächst aber auf g7. „Es drohte jetzt so viel…“, meinte sie zu recht in der Analyse. Innerhalb von acht Zügen verlor Nellys Gegner Bauer, Dame, Springer, Turm und Bauer (in dieser Reihenfolge), spielte aber tatsächlich noch neun Züge auf Patt. Nach dreieinhalb Stunden führte unser Team 2:0, ein halber Punkt noch! Ein kurzer Blick auf Antons Brett mit der Erkenntnis: das ist der halbe Punkt! Inzwischen spielten auch der Hamburger SK und SV Empor Berlin mit klaren Siegen gegen unsere Verfolger für uns. Der Kampf um Platz drei war eröffnet zwischen folgenden Vereinen: SF Brackel 1930, SV Roter Turm Halle und USV TU Dresden. Keiner dachte jetzt an Mittagessen, wieder war es unglaublich spannend. Dann wurden unsere Hoffnungen etwas getrübt. Anton kämpfte im Endspiel einen aussichtlosen Kampf gleichfarbiger Läufer und drei Bauern weniger. Sein Gegner Jona Bungarten, später knapp Brettbester an Brett 1, verdiente sich diesen Titel gegen Anton. Doch 40 Züge war es wirklich sehr langweilig. Gleichfarbige schwarzfeldrige Läufer, je sechs Bauern, Null Aktionen. Die Entscheidung fiel letztlich durch ungenaue Bauernzüge von Anton am Dameflügel. Jona Bungarten gewann die entscheidenden zwei Bauern und im 55. Zug gab Anton auf. Die Blicke aller richteten sich nun auf Jarons Partie gegen Samuel Tomasjan (DWZ: 1680). Und die war erst recht nichts für schwache Nerven, zumal es um so viel ging. Zwar erhielten wir schon erste Glückwünsche: „Er steht doch sehr gut!“, aber Jarons Partie ging in die 5. Stunde. Nach 41 Zügen stand Jaron sogar mit 1,4 im Plus, das Remis war eigentlich sicher. Aber die Stellung war kompliziert und mit der Bildung eines weißen Freibauern wurde die Verteidigung für Jaron immer schwerer. Jaron tat wirklich alles, doch am Ende musste er, nach über fünf Stunden aufgeben. Ein 2:2, Aber was war es wert? Der erste Gedanke: es reicht nicht. Ich war allerdings der Meinung, dass das Errechnen der entscheidenden Zweitwertung einer Lotterie gleicht. Alles war möglich. Dann erhielt Steffen Kageler eine Info von seiner Frau: „Super, Platz 3…“ Die schon gesunkene Hoffnung wuchs wieder, sogar Tatjana wollte sich „als Schiedsrichterin“ erkundigen. Dann kamen die Meldungen von allen Seiten: der SV Rote Turm ist Dritter! Ich wollte es nicht glauben, aber der rote Zettel an der Infotafel war eindeutig:
SV Roter Turm Halle 9:5 129,0 SonnenbornBerger
USV TU Dresden 9:5 125,0
SF Brackel 1930 9:5 123,0
Gratulationen von überall im maritim Hotel. Mit diesem Erfolg konnte niemand rechnen. Für mich ist es wohl der größte Erfolg in einer 22- jährigen Trainerlaufbahn. Und das Team mit dem unglaublichen Willen zum Sieg. Einer der Betreuer aus Dresden sagte: „Ihr habt tolles Schach gespielt, vor allem du, Nelly…“ Aber es ist ein Gesamterfolg der Mannschaft, eine Sensation am Ende eines erfolgreichen Jahres 2019. Es hat einfach alles gepasst und ein wenig Glück braucht man eben auch.

Siegerehrung

Siegerehrung

Bei der Siegerehrung auf der C- Etage war die u12 als zweites dran. Unsere Mannschaft nahm den Pokal für Platz 3 und die Bronzemedaillen entgegen, auch Matti Adelmeyer bekam eine, und jeder einen kleinen Pokal. Gefeiert wurde auch der Deutsche Vereinsmeister Hamburger SK und am Ende alle Trainer. Bei den Brettbesten verpasste Nelly leider den Sieg (an Brett 3) um einen halben Punkt. Aber auch das ist natürlich ein unglaublicher Erfolg.
Und vielleicht kommt da sogar noch mehr.
Danke an das Team, danke an alle für unvergessliche Tage aus der „Partnerstadt von Magdeburg“.
Allen einen schönen Jahreswechsel, jetzt rutscht es sich noch besser. Das Team bekommt die Runde Eis erst 2020, versprochen. Und: wir brauchen eine Glasvitrine!
Bis in ein paar Tagen!

Platz 3

Platz 3

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