Landeseinzelmeisterschaft in Naumburg vom 12.- 16.02.2019 (Tag 5)

Der vierte Tag

Einen „entscheidenden Tag“ nannte Steffen Kageler den heutigen vorletzten und dies zu recht. In der u10w gab es Beispiel die wichtige Partie Anna Dornheim gegen Sariana Hesse. Sariana geriet von Anfang an mit Schwarz schwer unter Druck und gab, nach 21 Zügen schließlich, einen Zug vor dem Matt, auf. Bei den Jungs in dieser Altersklasse hatte Till in der Frührunde mit Arvid Rieke (USC Magdeburg) einen relativ unbekannten Gegner und musste trotzdem hart kämpfen, um seinen zweiten Sieg „einzufahren“. Entscheidend war ein Frei(Rand)bauer und die neue Dame.

Jaron

Jaron

Dramatische Meldungen kamen zu dieser Zeit aus der Altersklasse u12m. Anton stand, nach gutem Beginn, etwas schlechter gegen Jonathan Rabenstein (USC Magdeburg), der scheinbar das Turnier seines Lebens spielt. Bei Jaron gegen Johannes Knüpfer (USV Halle) war nach 25 Zügen überhaupt noch keine Entscheidung gefallen. Jaron hatte sehr gut gegen das Moragambit gespielt und war jetzt in der Offensive. Sehr erfreulich sah es zu dieser Zeit bei Nelly gegen Elina Heutling (Schachzwerge Magdeburg) aus. Nelly, mit gutem Beginn und immer im Plus, machte ein starkes Spiel. Doch es wurde in allen drei Partien noch einmal dramatisch! Jaron erzwang mit einem Bauerndurchbruch am Dameflügel (31. c4) die Vorentscheidung. Die Entscheidung fiel dann am Königsflügel 30 Züge später, wo einer der beiden g- Bauern zur Dame kam. Bittere Tränen dann bei Nelly bei einem wirklich unglücklichen Ende mit schwerem Fehler. Sie hatte es versäumt, Remis anzubieten und zog dann unüberlegt 33. Td6. Es folgte der Schachspieß 33. …Le5+ mit Turmverlust und Nelly gab auf. Mein Lob für eine wirklich starke Partie hat sie wohl gar nicht wahrgenommen, sie war, im wahrsten Sinne des Wortes untröstlich.
Viereinhalb Stunden dauerte Antons Partie gegen Jonathan Rabenstein! Die Nachrichten zwischendurch wurden immer schlechter. Als ich Michael Pikalow traf sagte er: „Anton verliert jetzt!“
Und auch sein Vati wurde immer pessimistischer. In diesem Sport bleibt man aber nur mit Positivdenken und Glaube an seine Kinder am Leben. Ich glaubte an Anton und seine Endspielstärke und behielt diese mal Recht. Wir erlebten das spannende Finale „live“. Auf dem Brett waren: 1 x schwarzfeldriger Läufer + König von Anton. 2 x schwarze Bauern und Springer und auch noch ein König von Jonathan. Die beiden weißen Figuren teilten sich einfach die „Arbeit“! Der Läufer kümmerte sich um den c- Bauern, der erfreulicherweise noch über ein schwarzes Feld musste und der König um den g- Bauern, Den Springer beachtete eigentlich keiner. Der König gewann den g- Bauern und der Läufer hätte sich gegen den c- Bauern geopfert und das schwarze Pferdchen hätte den schwarzen König höchsten noch zum Remis geritten. Ein Angebot lehnte Jonathan noch ab, doch das Remis, nach 83 Zügen, war unvermeidlich. Mal sehen, wem es mehr nutzt, Anton blieb zunächst in Führung!

Till

Till

Ein weiteres noch erfreulicheres Remis bekam ich als Vorspeise zum späten Mittagessen serviert. Matti hatte tatsächlich gegen Hugo Post in einer wechselvollen Partie ein Remis erkämpft! Matti kämpft damit überraschend weiter um eine Medaille. Zweiter Punkt auch für Calvin Meurer in der AK u14m gegen Thaddeus Mirschel!
In der Nachmittagsrunde stieg die Spannung und Dramatik in den meisten Altersklassen weiter. Und eine gefährliche Tendenz: Geht den Kindern aus unserem Verein zum Ende „die Puste aus“??
In der AK u10w verpasste Sariana wahrscheinlich ihre letzte Chance um Platz 4 zu verbessern. In der Partie gegen Anna Elisabeth Dornheim wurde sie am Königsflügel von Bauern, Läufer, Dame und Springer regelrecht überrannt (nach langer weißer Rochade) und gab einen Zug vor dem Matt auf. Auch Till Baude hatte von Anfang an gegen Marius Conrad (Schachzwerge Magdeburg) Probleme und im Endspiel einen Turm weniger. Da nützten auch zwei starke Springer nichts mehr. Ich habe mir aber auch den Stand an den Uhren gemerkt. Till hatte, nach einer Stunde reine Spielzeit noch 56 Minuten, sein Gegner noch 27 Minuten auf der Uhr. Zu schnell gespielt und irgendwie unruhig unser Till heute und das gab er in der Analyse auch ehrlich zu.

Calvin & Michael

Calvin & Michael

Niederlagen auch für Calvin Meurer gegen Karl Friedrich Dornheim und für Matti gegen Marvin Henning (Reideburger SV 1990) auch hier nach guter Partie.
Im großen Saal ging das Bangen um Anton, Jaron und Nelly dann im wahrsten Sinne des Wortes in eine neue Runde. Anton hatte, erwartungsgemäß, Alexander Walter (SF Bad Schmiedeberg) als Gegner bekommen. Doch die lange Partie am Vormittag hatte „Körner“ gekostet und bald sagte Herr Kageler: „Das wird nichts mehr!“ Da nützte dieses Mal auch fester Glaube nichts. Das Bauerendspiel (4 Bauern gegen 6 von Alexander) war klar verloren (-4,4) und Anton gab im 43. Zug auf. Anders bei Jaron. Wir hatte, wie in „alten u10- Zeiten“, Benoni vorbereitet und Anton setzte das toll um. Vor allem verbrauchte sein Gegner Hieu Tran Minh viel Zeit. Er hatte am Ende noch 36 !!! Sekunden für sage und schreibe 27 !!! Züge, als Jaron Remis anbot. Hieu war am Ende sehr gut gelaunt und froh, aber das Remis nützt wohl keinem von beiden. Sie brachte vor allem nun doch das Vereinsduell in der letzten Runde. Aber wenigstens ein Punk am Nachmittag! Den zweiten wichtigen halben steuerte Nelly bei. Sie hatte mit Tina Kümmel (Cöthener FC Germania 03/ AK u18) erneut eine schwierige Aufgabe, zumal die Verfolger in der u12w, Nare Khanbeykan und Mia Schwenke punkten konnten und nun punktgleich waren. Zwei Tische weiter lief die Partie zwischen Kristin Dietz und Anastasia Voigt (beide USV Halle). Kristin setzte sich durch. Blieb die Vierstundenpartie von Nelly mit Nelly immer im Nachteil. Nach dem Tausch der letzten Türme blieb ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern und einem Minder(Rand)bauern. Nelly machte dass aber gut, übernahm sogar die Initiative und rechnete richtig, als sie rechtzeitig mit ihrem König loslief, um gemeinsam mit dem weißfeldrigen Läufer den Randbauern zu stoppen. Am Ende reichte ihr Tina fair die Hand zum verdienten Remis. Doch die nächste Hiobsbotschaft folgte etwas später als der „böse Computer“ die Ansetzungen der letzten Runde freigab: Nelly gegen Kristin und auch noch mit Schwarz. Man, ist der Schachgott ungerecht zu uns, dann Anastasia darf gegen Mia Schwenke in einer reinen u12 Partie (SG Einheit Staßfurt) ran und sich vor dem Titeljubel etwas entspannen. Doch noch führt Nelly der u12w!! Mit einem halben Bucholzpunkt Vorsprung.
Das scheint diese Landeseinzelmeisterschaft zu prägen: fast überall ist es sehr knapp, eng und sehr spannend. Doch Bange machen gilt nicht. Morgen wird abgerechnet. Gute Nerven sind gefragt.

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