Jugend-BEM Halle 2020 in Heldrungen (04.01.)

Der dritte Tag, das Finale:

An diesem Finaltag standen noch zahlreiche wichtige Entscheidungen an. Fast überall waren unsere Kinder unmittelbar beteiligt. Und immer stand die Frage: wohin neigt sich die Waage des Glücks am Ende? Geht es gut aus? Um es vorweg zu nehmen: die Enttäuschungen überwogen, es war nicht das erhoffte Ende in einigen Altersklassen.
Nicht in der Altersklasse u8. Hier waren die Entscheidungen im wesentlichen gefallen und trotzdem waren unsere Jüngsten sehr aufgeregt. Und David wusste es schon vorher: „Ich bekomme eine Medaille.“ Er benötigten dann nur eine Minute und vier Züge! Schäfermatt gegen David Rogoshin vom USV Halle. Doch diese Runde wurde eindeutig von unserem Allerjüngsten geprägt: von Knut Meurer! Er musste ja „nur“ gegen den verlustpunktfreien neuen Bezirksmeister spielen und bot eine tolle Vorstellung! Langsam, ruhig, aggressiv und einfach stark, die beste Partie von Knut. Ich geriet beim Zuschauen ins Staunen, er hatte zwischenzeitlich eine Figur mehr! Leider stellte er dann wohl einen Turm ein und verlor schnell. Dennoch ein starker Abschluss auch für Knut. Um Julian Brückner musste man in der Schlussrunde etwas bangen. Er ließ viel zu und hat es wohl seinem Gegner, Oskar Möller (SF Hettstedt) zu verdanken, der seine Chance nicht nutzte. Im 12. Zug stellte Julian einzügig einen Turm ein. Doch wie er dann mit Springer und Dame konterte und den unrochierten König Matt setzte war schon sehenswert. Zwischendurch hatte auch Ezzedin, nach 18 Minuten, klar überlegen, mit Dame und Turm Matt gesetzt. Zwischen Silber und Bronze entschied letztlich die Buchholzwertung für den glücklichen David und unsere Kinder belegen die Plätze 2-5, Klasse für die Zukunft!
Gegen 10.30 Uhr gab es dann, kurz hintereinander zwei bittere Enttäuschungen. Zunächst kam Jaron:„Ich habe verloren.“ Auf meinen fragenden Blick sagte der Beinahebezirksmeister noch: „Ich habe eine Springergabel übersehen…“ Aber das konnte doch nicht sein! Jaron hatte im Vereinsduell gegen Till Baude gut begonnen. Doch Till bot eine starke Leistung, hielt von Anfang an gut dagegen und nutzte dann gnadenlos seine Chance im 26. Zug mit einer Springergabel auf f2. Zweimal bot Jaron noch verzweifelt Remis, doch er hatte jetzt eine ganze Figur weniger (-5,27) und merkte wohl schon, dass der Titel weg war. Im 41.Zug gab er auf.
Nur wenig später das tragische Ende in der AK u12w. Maria Seibicke hatte gegen eine am Anfang viel zu passive Alyson Kniesche einen Superstart und zu dieser Zeit sogar eine Titelchance. Nach 20 Zügen lief ein starker Angriff auf die lange Rochade mit vielen tollen Zügen (+1,5), Maria hatte alles im Griff, verdreifachte ihre Schwerfiguren. Nach 32. …Tc5?? gab es die Riesensiegchance für Maria mit 33. Dxc5! Der Computer weist dann ein Plus von 8,44 aus und Maria hätte, nach dem Abtausch mindestens einen Turm mehr gehabt. Doch Maria fand leider nicht diese Fortsetzung und traute sich wohl das Opfer auch nicht zu. Innerhalb von 7 Zügen konnte Alyson sich befreien und drohte nun selbst Matt. Nach dem Matt im 40. Zug gab es furchtbare Mädchentränen, untröstlich. Übrigens: bei einem Sieg von Maria gegen Alyson hätten Maria 0,5 Buchholzpunkte am Titel gefehlt und es hätte zwei Medaillen gegeben. Also auch diese Entscheidung leider gegen uns.
Zwischendurch kam Marek mal im Analyseraum vorbei (darf er eigentlich gar nicht?!): „Ich stehe richtig gut!“ Er wird noch nicht wirklich? Doch er wird! Wenig später verkündete er mir den Sieg gegen Alexander Haase (SG 2011 Sennewitz), den er, nach groben Fehlern des Sennewitzers, völlig überspielt hatte. Im 31. Zug setzte er sogar Matt. Damit war Marek plötzlich sogar Zweiter! Dirk Michael bezeichnete das zur Siegerehrung als „kleine Sensation“. Für Jaron blieb Platz 3 mit der höchsten Buchholzwertung.
Plötzlich gab es in der u12 eine völlig neue Konstellation: die Partie Georg gegen Marten Lischka wurde plötzlich zum Finale! Georg hätte mit einem Sieg für einen Dreifacherfolg des SV Roter Turm gesorgt und wäre selbst, mit drei Buchholzpunkten vor Marek, Bezirksmeister gewesen. Doch Georg hatte einen Bauern weniger. Marten tauschte alles ab und besonders den Dametausch im 43. Zug fanden nur die Trainer des USV gut. Spätestens jetzt war abzusehen, dass auch diese Entscheidung gegen uns fallen würde. Mehr noch: Georg eben noch im Kampf um den Titel, verlor vorerst sogar den Qualifikationsplatz für die LEM, weil ihm in der 3. Wertung (SonnebornBerger) 0,5 Punkte gegen Carlo Patzschke fehlten! Was für ein verrücktes Turnier! Nach der Siegerehrung wurde bekannt, dass Hieu Tran Minh nicht zur LEM fahren wird und damit Georg nachrücken kann. Und, kein Witz, damit hat plötzlich auch Till Baude wieder eine kleine Chance, wenn noch einer verzichtet!
Aber mit dem Sieg von Marten war die BEM noch nicht zu Ende. In der allerletzten Partie des gesamten Turniers kämpften Ian Fiedler und Friedrich Boye in der AK u14 erbittert um den Sieg. Nach fast vier Stunden gab Friedrich schließlich auf. In der starken Partie von Ian entschied ein Mehrbauer für ihn.
Nun zur AK u10. Hier spielte Frederik als Letzter gegen Ben Tietze (Naumburger SV 1951). Deutlich überlegen stellte er im 15. Zug die Dame ein und bekam danach einige Probleme (35. Zug: -2,3). Frederik bot im 42. Zug Remis (mit -2,4) das angenommen wurde. Durch die etwas überraschende Niederlage von Gustav Polzin gegen Henrik Ehrath (SG 2011 Sennewitz) wurde Frederik, mit drei Buchholzpunkten mehr noch Vizebezirksmeister! Tragik hier: Frederik wird erneut nicht zur LEM fahren. Unser zweiter Starter, Matteo Bormann unterlag auch in Runde 7 gegen Benjamin Marx (SG 2011 Sennewitz) und fährt sehr enttäuscht zurück nach Halle, hat aber hoffentlich viele Erfahrungen gesammelt.
Bei den Mädchen (dieser Altersklasse) war fast alles schon vor der Runde entschieden. Helen Lischka (USV) sicherte sich durch ein Remis im Finale der beiden Bezirksmeisterinnen gegen Ritaj Mamous souverän den Titel. Erfreulich, dass sie dieses Mal unbedingt zur LEM möchte. Sariana Hesse gewann das letzte (weibliche) Vereinsduell gegen Marina Wand.
In der AK u12w nutzte Tessa Meurer ihre Chance. In einer guten Partie gegen Lina Honigmann kam sie zu einem leichten Sieg. Höhepunkt war allerdings die Kombination zum Matt nach 28 Zügen.
Überraschend erfreuliches gab es in der letzten Runde bei der AK u16. Neben dem spielfreien Calvin kam Karl-Josef Mielewsky gegen Florian Grüger (SG 2011 Sennewitz) zum ersten Sieg. Noch erfreulicher ist das Remis zwischen Alexander Iziumschi gegen Stefan Neuber (DWZ 1433) und der 5. Platz von Alexander. Und das Sensationelle zum Schluss: trotz der Schlussrundenniederlage gegen Matti Adelmeyer machte ein u16- Mädchen die Jungs „nass“! Elisa Prudlik (GW Granschütz) gewann die u16 und hätte eigentlich zwei Pokale bekommen müssen. Ich gratulierte aus vollem Herzen!
Damit bin ich bei unserem einzigen Titelgewinner: Matti Adelmeyer! Zur Siegerehrung der AK u18 brachte Dirk Michael wieder den alten Spruch: „Adel verpflichtet.“ Mit 5 aus 5 ein souveräner Erfolg. Doch in dieser Altersklasse gab es eine weitere erfreuliche Kunde. Am Morgen hatte ich Eric Koch auf seine Medaillenchance hingewiesen. Zwei Stunden nach Rundenbeginn verkündete er mir den Sieg gegen Paul Kullmann (SF Hettstedt) und damit einen unerwarteten 3. Platz.
Damit bin ich schon bei einer Bilanz. Silber (David Fritsche) und Bronze (Julian Brückner) in der AK u8, zweimal Silber (Frederik und Sariana) in der AKu10, Silber (Marek) und zweimal Bronze (Tessa und Jaron) in der AK u12, ein 4. Platz in der AK u14 (Ian) und Gold (Matti) und Bronze (Eric) in der AK u18. Das sind 10 Medaillen, auch wenn es wieder keine selbige gab. Eine würdige Siegerehrung sieht etwas anders aus. Spielerisch gab es viel positives (Marek, Maria, Julian), die Zusammenarbeit im Team, mit den Eltern war sehr gut. Vielen Dank für die Unterstützung.
Bleiben die Überlegungen wegen der Teilnehmer an der Landeseinzelmeisterschaft in Magdeburg vom 09.- 16. Februar in Magdeburg. Wer begleitet Charlotte, Nelly und Anton. Sicher sind Marek, Jaron und Matti, wahrscheinlich Maria, David und Julian. Überlegungen wegen Sariana, Tessa, Alexander und Eric, Zittern und jede Menge Hoffnung für Georg und Ian.
Es bleibt spannend, auch danach.

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