Landesjugendeinzelmeisterschaft in Magdeburg, 11.-15.02.2020 (15.02.)

Der letzte Tag:

Gestern Abend gab es noch die Versammlung der Landeschachjugend. Es ging ums Ehrenamt, Landesligen, Schulschach, zu vergebene Posten (Rüdiger Schneidewind als Mädchenreferent?? Nein!), die laufende LEM und den Austragungsort der nächsten LEM. Über letzteres wollte man lieber in der „geschlossenen Sitzung“ weiterdiskutieren. Ich beschwerte mich über den Austragungsmodus des gemeinsamen Mädchenturniers, lobte aber, wie viele andere, die angenehme Atmosphäre im Turniersaal.
Diese herrschte auch am alles entscheidenden letzten Tag der Meisterschaft. Unsere Kinder standen vor der letzten Runde in drei Turnieren auf Platz 1, gleich drei Titel?? Doch wie so oft lagen Freude und Leid an diesem letzten Tag eng bei einander.

Sieger u8

Sieger u8

Schnelle Freude um die jüngste Altersklasse u8. Denn hier erlebte ich live im Turniersaal den ersten Titelgewinn für unseren Verein. Um 8.45 Uhr setzte ein strahlender David Fritzsche Long Nguyen (USC Magdeburg) nach einer schönen Kombination mit Läufer, Turm und Dame nach 15 Zügen auf h2 Matt. Ich trug unseren Landesmeister aus dem Spielsaal. „David ist ein verdienter Sieger“, meinte ein Betreuer der Schachzwerge kurz danach. Julian benötigte gegen die schon feststehende Landesmeisterin bei den Mädchen, Lotte Nönnig (Schachzwerge Magdeburg), nur 11 Züge bis zum Matt. Den Doppelerfolg unseres Vereins verhinderte Sonneborn-Berger. Hier hatte Jeremias Schlange 1,5 Punkte mehr, obwohl er den direkten Vergleich gegen Julian verloren hatte. Julian war etwas enttäuscht, muss er aber nicht. Dieser 3. Platz ist Riesenerfolg. Unser Verein war seit den Titelgewinnen von Johann Pietsch und Nelly Adelmeyer 2015 hier nicht mehr so erfolgreich. Bei der vorgezogenen Siegerehrung gab es dann Medaillen für unsere beiden und einen großen Pokal für David. Beide sind ja erst relativ kurz im Verein. Es ist ein kleines Märchen und die Freude war groß. Und: unser Maskottchen hat wieder Glück gebracht!
Auch Sariana Hesse beendete ihre letzte Partie gegen Erika Ebers nach, 18 Zügen, siegreich. Klasse Mattplan, sehr gute Partie. Doch nun wurde es tragisch. Helen Lischka schaffte nur ein Remis gegen Jasmin Schmegel und damit waren Sariana und Helen tatsächlich punktgleich (5,5). Genau 0,25 Sonneborn-Berger-Punkte fehlten an der erhofften Bronzemedaille, obwohl auch hier der direkte Vergleich gewonnen wurde. Und nur ein halber Punkt fehlte an der Qualifikation für die DEM. Wieder verpasste Sariana äußerst knapp dieses große Ziel, sehr sehr schade.
Tessa Meurers Partie gegen die Vizelandesmeisterin , Ritaj Mamous (SV Merseburg) in der Altersklasse u12w, kann ich nur schwer einschätzen. Mit einem Turm weniger gab es am Ende die 6. Niederlage und bittere Enttäuschung. Doch Tessa kann viel an Erfahrungen mitnehmen.
2,5/3 Punkte gab es zum Abschluss in der Altersklasse u12m. Jaron Rumpold und Carlo Patzschke trennten sich in einer ereignislosen Partie nach nur 19 Zügen Remis. Jaron, meist leicht im Vorteil, musste, spätestens nach dem Dametausch im 13. Zug das Remisangebot von Carlo akzeptieren. Am Ende wurde er ausgezeichneter Fünfter. Georg Spinka, bei der Siegerehrung fast vergessen, hatte nur wenig Probleme mit Theodor Durban (1. SC Anhalt). Auch sein 7. Platz ist sehr gut. Und auch Marek kann mit seinem Abschneiden sehr zufrieden sein. Sein Partie in der Schlussrunde gegen Leon Elias Schambier (SG Einheit Staßfurt) gehört ohne Zweifel zu seinen besten hier. Zuerst verteidigte er sehr aufmerksam, dann nutzte er die kleinen Fehler seines Gegners und setzte sogar im 28. Zug noch Matt. In der Analyse konnte er alles begründen. Ich hatte sogar den Eindruck, dass das Turnier für ihn hätte noch weiter gehen können.
Den Rechenschieber musste man in der Altersklasse u14 herausholen. Anton, vor der Runde noch auf Titelkurs, hatte Arne Herter (Schachzwerge Magdeburg) zum Gegner und von Beginn an lief es nicht gut. Arne riss die Initiative und gab sie nicht mehr ab. Anton unterlag enttäuscht und Michael Pikalow zog noch an ihm vorbei. Aber wer würde Zweiter werden und zur DEM fahren? Steffen rechnete ständig die Buchholzwertung hoch und runter und es war wirklich knapp. Doch hier gab es dann die frohe Meldung: (wieder) Vizelandesmeister Anton Kageler mit einem Buchholzpunkt Vorsprung vor Arne Herter.
Große Freude auch im u14 OPEN. Mit einer starken Abschlusspartie beendete Friedrich Boye sein erfolgreichstes Turnier und dies gleich auf Landesebene. Darius Frank (USC Magdeburg) wurde nach 42 Zügen Matt gesetzt. Und da Johannes Knüpfer (USV) nur Remis spielte zog Friedrich noch an ihm vorbei. Statt erhoffter Bronze gab es hier also einen weiteren unerwarteten Vizelandesmeistertitel!

Sieger u14w

Sieger u14w

Am spannendsten war es wohl in der Altersklasse u14w. Ich lasse jetzt mal jegliche Emotionen weg. Die Aufgabe für unsere Mädchen war, mit Blick auf die DWZ-Unterschiede im Kampf gegen die Deutschen Meisterinnen vom USV einfach nicht lösbar. Nelly war dem Remis gegen Kristin Dietz zwar nah und doch am Ende weit weg. Das Remisangebot im 18. Zug war korrekt. Doch Kristin spielte natürlich auf Sieg. Ein Freibauer zwang Nelly zur Aufgabe. Nach anfänglich ernsthaftem Widerstand gewann Anastasia Voigt sicher gegen Vanessa Hoffmann. Doch die Spitzenreiterin vor der letzten Runde, Charlotte Derling, wollte sich gegen Yara Mathilda Stowicek einfach nicht fügen und kämpfte viereinhalb Stunden in einem komplizierten Endspiel mit Springer und Bauer gegen Springer und zwei verbundene Bauern um das Remis, was wahrscheinlich durch die dritte Wertung gereicht hätte. Verschiedene Beobachter waren der Meinung, dass man das Remis halten kann. Doch Yara spielte das Endspiel stark und gewann zu recht. Natürlich habe ich Yara und Anastasia gratuliert. Für unsere Mädchen bleiben Silber und Bronze, nicht das ganze große Traumergebnis. Trotzdem haben unsere Mädchen ihre Spitzenposition im Land untermauert und das Turnier bis zur letzten Sekunde spannend und offen gehalten. Viel Glück, Anastasia bei der DEM in Willingen.
Kommen wir noch zum kuriosesten Open 2020, dem OPEN u16-u18 der LEM. Alexander Iziumschi war plötzlich doch nicht spielfrei sondern durfte wirklich zum zweiten Mal gegen den gleichen Gegner spielen. Unter dem Motto „gestern warst Du nicht da und heute gewinne ich auch gegen Dich“ schaffte Alexander tatsächlich gegen Mahmoud Almeri (USC Magdeburg) seinen ersten „richtigen“ und schnellen Erfolg (nach knapp zwei Stunden) durch Aufgabe nach 40 Zügen und erkämpfte gegen ein und denselben Spieler zwei Punkte!

Matti

Matti

Die allerletzte Partie des Gesamtturniers war Matti Adelmeyer (gegen Niclas Rohde vom 1. SC Anhalt) vorbehalten. Über 5 Stunden dauerte diese Partie mit Vorteilen für Matti (Mehrbauer). Doch der Dessauer verteidigte sich sehr geschickt und konnte das Endspiel, trotz zwei Minusbauern (allerdings f und h) Remis halten. Für Matti reichte das Unentschieden zum Vizelandesmeistertitel in der AK u18m, ein toller Erfolg. Zur Siegerehrung wurde er noch für sein Engagement als Nachwuchstrainer gelobt, übrigens wie der neue Landesmeister (u18) Florian Dietz vom Reideburger SV 1990.
Die Gesamtbilanz für den SV Roter Turm Halle ist toll und liegt weit über den Erwartungen. 1 x Gold, 4 x Silber und zweimal Bronze übersteigen die Bilanz des Vorjahres (2 x Silber, 1 x Bronze) bei weitem. Mit Anton Kageler haben wir einen Spieler im Kader und einen Vertreter bei der DEM in Willingen 2020.
Ein Dankeschön an alle die an diesem Erfolg einen großen Anteil haben. Ein Dank auch an die Organisatoren für eine angenehme gutklassige Meisterschaft.

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