22. Internationalen Offenen Deutschen Fraueneinzelmeisterschaft 2022 in Darmstadt

Von Anfang an war ich von Nelly Adelmeyers Idee begeistert, dass sie im „Jahr des Frauenschachs“ bei der Internationalen Offenen Deutschen Fraueneinzelmeisterschaft zu spielen. Das Teilnehmerfeld mit 15 Teilnehmerinnen klein aber fein, sogar mit 5 Spielerinnen aus der Ukraine. Allerdings ist aller Anfang schwer und scheinbar
schien uns Darmstadt gar nicht zu mögen. Sowohl mit der Deutschen Bahn als auch mit dem Einchecken im Best(?) Western Plus gab es Probleme und nach der Eröffnung des Turnierleiters Roland Katz (aus Dessau), der sich auch über Nellys Teilnahme freute, wurde klar: Nelly hatte spielfrei und musste in Runde 1 zuschauen.
Die Folge: Nelly bekam in der 2. Runde Irina Barchuk (Ukraine) zugelost, mehrfache Jugend-WM-Teilnehmerin ihres Landes (ELO: 2009). Kurz nach 9.30 Uhr begann dann auch für Nelly das Turnier. Die Vorbereitung kam allerdings nicht ganz so aufs Brett. Trotzdem war Nelly absolut gleichwertig. Vom 600 Elopunkte Unterschied war nichts zu sehen und selbst Roland Katz meinte: „Sie spielt gut.“ Im 39. Zug verpasste sie, wahrscheinlich um erst mal in die Zeitkontrolle zu kommen, mit dem Dametausch den vermeintlichen Gewinnzug (+2,8!). Im Hessischen Rundfunk lief inzwischen „Lebt denn der alte Holzmichel noch?“ Nelly „lebte“ in jedemfall, nach über 4 Stunden noch, als letztes Paar im Turniersaal. Und wie. Im entstandenen Doppelturmendspiel hatte sie sogar einen Bauern mehr! Aber wenig immer noch wenig Zeit! Und ihre Gegnerin hat schon an Blitzweltmeisterschaften teilgenommen! Im packenden Endspiel mit Freibauer (Nelly) fand die Ukrainerin die dreifache Zugwiederholung. Nelly riskierte nichts mehr und feierte mit diesem Remis einen unerwarteten halben Punkt nach viereinhalb Stunden. Sehr stark!
Gegnerin in der 3. Runde war Marina Heil (SF Wetzisreute). Wieder eine schwere Aufgabe gegen die bestgesetzte deutsche Spielerin. Der Start wieder gut (gegen Englisch). Nellys Gegnerin kam nicht zur Rochade und nach einem ausgeglichenen Mittelspiel bot Nelly im 33. Zug Remis. Ein berechtigtes Angebot bei -0,5 laut Computer. Doch Nellys Gegnerin hatte eine Idee im Bauernendspiel mit jeweils einen Turm und gewann die Partie wohl vor allem am Königsflügel und dort zwei schwächere Bauern. Nelly traf, kurz vor der Zeitkontrolle, eine falsche Entscheidung, die Stellung von Schwarz war dann nicht mehr zu halten und nach dreieinhalb Stunden gab Nelly, im 64. Zug auf. Dennoch ein guter Tag, „leichte Tage“ gibt es hier ohnehin nicht.

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