Deutsche Jugendeinzelmeisterschaft in Willingen 2026

Die Eröffnung, 23. Mai 2026

Mit einer stimmungsvollen Eröffnungsfeier ist die Deutsche Jugend-Einzelmeisterschaft 2026 in Willingen offiziell gestartet. Nach vielen Ehrungen wurde die Meisterschaft, nach etwas mehr als einer Stunde, eröffnet.
Während der Eröffnungsfeier kam 20.13 Uhr die Auslosung der 1. Runde: Luisa traf auf Aria Kraft (VfL 1990 Gera). Luisa ist an Nummer 8 gesetzt. Oh weh, sie hat ja jetzt mehr DWZ wie ich. Und ihre Gegnerin ist die aktuelle Landesmeisterin u10w von Thüringen und will, laut „Ostthüringer Zeitung“: „… ganz Deutschland mattsetzen!“

Der 1. Tag 24. Mai 2026

Nun geht es also richtig los und ich werde, so gut es geht, aus 300 Kilometer Entfernung, über Luisa, Ali und Greta zu berichten.

Analyse

Analyse

Luisa gewann gegen Aria Kraft bereits im 12. Zug einen Bauern und verpasste im 22. Zug die Chance, die gewonnene Mehrfigur zu verteidigen, stand aber immer im Plus. Ihre Gegnerin verteidigte sehr aggressiv, doch Luisa hielt konzentriert und ideenreich immer dagegen und fand nach 32 Zügen eine tolle Abwicklung bis zum Matt in 3. Ihre Gegnerin gab vorher, nach 39 Zügen und zweieinhalb Stunden, auf. Und die Partie wurde sofort analysiert (Foto: Jessica Winkler). Was für ein Auftakt!
Greta traf in der AK u12w auf Isabella Artemenko (FC Bayern München) unterlag leider, nach 26 Zügen, einem starken weißen Angriff.
In der Partie von Ali gegen Jakob Ensslen (Karlsruher SF 1853) entwickelte sich von Beginn an ein verbissener Kampf. Ali ging mit der Öffnung der Königsstellung hohes Risiko, verbesserte mit zunehmender Spielzeit aber seine Stellung. Beide spielten sehr langsam und hatten, nach vier Stunden, gerade mal 26 Züge mit Vorteil für Ali. Am Ende hatte er eine Leichtfigur mehr und sein Gegner (DWZ: 1841) gab auf. Es gab aber wohl auch Probleme mit dem Livebrett?!

In der 2. Runde traf Luisa auf Sofi Lytvynenko (Münchener SC 1836). Die Presseberichte zu Luisas Gegnerin machten mir etwas Angst. Der „Schachkicker“ berichtete am 12.September 2025: „Achtjährige Münchnerin wird Europameisterin!“, im Schnellschach in Thessaloniki (Griechenland). Bei der WM war sie auch. Für die DEM u10w wird sie wohl vorberechtigt sein.
„…Man wird sicher noch viel von ihr hören!“ Ein Fidemeister ist ihr Trainer. Und eine verdächtig niedrige DWZ? (Wegen Schnellschach).
Im „normalen“ Schach konnte Luisa erstmal spielerisch 30 Züge sehr gut mithalten. Aaron hatte sie auf d4 und c4 vorbereitet und trotz 1. e4 kam sie damit gut zurecht, vielleicht etwas zu schnell. Schnell wurde auch viel abgetauscht. Sie geriet in ein Endspiel mit je einem Turm und je 5 Bauern, sogar mit eigenem Freibauern. Der wollte sehr schnell sein, dafür gab Luisa aber den a- Bauern. Erst mal mit kleinem Vorteil ausgestattet, gab ihre Gegnerin den nicht mehr aus der Hand. Im 45. Zug musste Luisa die Türme tauschen und die weißen Bauern am Königsflügel machten das „Rennen“ bis zur neuen Dame und dem Matt im 66. Zug. Von außen sah es auch so aus, als wenn sie sich vom Tempo der Gegnerin anstecken ließ.
Und trotzdem gab es auch wieder einen Mädchensieg in Runde 2. Greta Müller dominierte im „Skandinavier“ deutlich gegen Amelie Meiyan Hirtzel (Elmshorner SC von 1896), eine Eröffnung, die Gretas Spielweise vielleicht sogar entgegenkommt. Sehr aggressiv am Königsflügel, zunächst ohne Rochade, aber mit Qualitätsgewinn durch indirekten „Spieß“ und langer Rochade machte es viele Freude, den Angriffsplänen von ihr zuzuschauen. Ab dem 31. Zug hatte sie einen Turm mehr und im 54. Zug setzte sie, mit einem verwandelten Turm, Matt. Sehr unterhaltsam.

Ebenfalls unterhaltsam und geplant war vor allem der Schluss der Partie Elia Schönrock (Lübecker SV von 1873/ DWZ: 1829) gegen Ali. Ali, recht aktiv, mit Läuferpaar, tat viel fürs Spiel. Trotzdem war die Partie immer ausgeglichen. Ein Problem: Ali verbrauchte unglaublich viel Zeit. Für die letzten Züge bis zur Zeitkontrolle hatte er unter zwei Minuten, in jedemfall aber 40 Minuten weniger Zeit als sein Gegner. Im 37. Zug startete er einen erfolgreichen Angriff und ging mit zwei Mehrbauern ins Endspiel. Kurz vor der Verwandlung eines Freibauern gab sein Gegner auf und 19.22 Uhr meldet sich Ali: „Ich habe gegen 1900 Elo gewonnen.“ Sehr starker Schluss eines langen Tages. Allerdings: das Livebrett muss eine andere Partie gesehen haben. Da hat nämlich Ali die Dame eingestellt.