Der 4. Tag 27. Mai 2026
Heute ist ja sozusagen Halbzeit in Willingen. Und die zweite und letzte Doppelrunde.
Gestern waren unsere Kinder, unter anderen mit Aaron und Lotte Nönnig, noch im Tierpark (Foto).
Ich musste am Vorabend Luisa mit einer Brettnachricht motivieren. Sie wird früh am Brett nur zugestellt, wenn man sie bis 22.00 Uhr abschickt. Und ich bat sie, cool zu bleiben.
Luisa spielte gegen Nika Kotliarova (SK Bad Homburg 1927). Luisa begann sehr gut, gewann bereits im 8. Zug einen Bauern und spielte so, wie der Herr Schneidewind, sie sehen möchte, aktiv, mit interessanten Angriffsideen und endlich cool. Und nach dem Superzug 25. f4 hätte sie einen Springer gewonnen und plötzlich, nach knapp drei Stunden, gab die Deutsche Vereinsmeisterin auf und der zweite Punkt war da! Endlich! Manchmal hören Mädchen auch auf mich!
Ihre Mutti schrieb nach der Partie: „Sie hat diesen Sieg jetzt gebraucht und ist wieder etwas fröhlicher…“
Und: Luisa hat jetzt genau so viele Punkte, wie ihre Mutti! Jessica schaffte im „Mutti Dabei Turnier“ 2 aus 3. Die Runden der Muttis beginnen unmittelbar nach denen der Kinder.
In der Partie von Greta gegen Sarah Ito (SK Wasserburg) schien unsere Gastspielerin alles im Griff zu haben. Ihre Gegnerin aus Bayern wollte scheinbar nur ins Remis, viel wurde abgetauscht. Greta hatte, im 31. Zug eine Mattidee, stellte aber dabei einfach einen Turm ein. Da traut sie sich nun mal was und dann kam das bittere Ende – ihre Aufgabe nach 40 Zügen. Sehr schade!
Eine interessante Partie war bei Ali zu sehen, gegen Alexander Hoffmann (Karlsruher SF 1853). Wieder ein Gegner aus Baden und wieder ein 1800er, 50 Plätze vor Ali gesetzt! Und trotzdem: Ali machte das Spiel, stand immer gefühlt etwas besser, hatte, nach 30 Zügen, einen Bauern mehr und mit einem weißfeldrigen Läufer die bessere Leichtfigur. Im 38. Zug startete Ali, unter Zeitdruck, einen Superangriff mit Turm- und Bauerngewinn und konnte, bei +14,8, im 42. Zug, die Damen tauschen und sein Gegner gab, nach 4 Stunden, auf. Beide waren in die Zeitkontrolle mit wenig Restzeit gekommen.
In der zweiten Runde des Tages traf Luisa auf Marianna Maya Caber (SC Kreuzberg) mit Farbwechsel, zum zweiten Mal mit Weiß heute. Mit der Mutti war ich einig, dass bei den drei Niederlagen die Gegnerinnen „ein klein wenig besser waren…“. Vor allem im Endspiel. Auch die Nachmittagspartie der 6. Runde zeigte das. Es war eine wechselvolle Partie, in der der Vorteil ständig wechselte. Sie ging in ein Doppelturmendspiel mit gleichfarbigen Läufern über und das spielte die Berlinerin eben besser. Es reichte zwei, drei Ungenauigkeiten und falsche Entscheidungen und Luisa hatte einen Bauern weniger. Im Nachhinein bezeichnete Luisa das Spiel ihrer Gegnerin als „komisch“ auf „das sie keine Lust mehr hatte…“ So kann man es auch sehen.
Im weiteren Verlauf musste sie den Läufer für einen Freibauern geben und bei Bauern an beiden Flügeln war die Stellung, ohne Leichtfigur, nicht zu halten. Im 64. Zug kam das Treppenmatt mit der Erkenntnis, dass man im Training solche Endspiele mehr trainieren sollte.
Greta Müller bekam gegen Adrina Biglari (SC Schachelschweine), aus Hamburg, zur Abwechslung mal Caro-Kann, die Abtauschvariante. Sie schien aber vorbereitet. Und obwohl sie einige Chancen ausließ war sie, nach 25 Zügen, mit zwei Mehrbauern, klar im Vorteil (+ 2,8)! Im Endspiel, und das hatten wir doch schon ein paarmal: ein Turmendspiel mit zwei Mehrbauern tat sich Greta, ohne Mut und ihre Gegnerin fand dagegen die besten Züge, gewann einen Bauern zurück (44.) und nahm dann faktisch, durch dreifache Zugwiederholung, das Remisangebot von Greta, nach 52. Zügen, an.
Die Holländische Verteidigung kam in Alis Partie gegen Alwin Elias Schwerdt (SV Bad Schwartau von 1930), aus Schleswig-Holstein, aufs Brett. Zu Beginn kam Ali damit auch gut zurecht. Sein Gegner griff seit dem 20. Zug mit 5 Figuren am Königsflügel an. Ali stand trotzdem immer im Plus und sein König marschierte, zur Sicherheit, erstmal um Dameflügel. Und trotzdem unterschätzte Ali wohl die Gefahr und man musste sich berechtigte Sorgen machen. Dazu kam manch falsche Entscheidung, kein wirkliches Gegenspiel, überhaupt wenig Aktives und wieder etwas Zeitnot. Keine gute Mischung und damit Alis Aufgabe nach 41 Zügen und mit Sicherheit wenig Spaß.
Wenig Spaß hatte auch Jessica in der 4. Runde im „Mutti Dabei Turnier“ allerdings unter unfairen Umständen. Wie sie berichtete, hatte ihre Gegnerin in der 4. Runde eine ELO von 1474 und spielt DSAM. Das ist in diesem Turnier schon in der Ausschreibung eigentlich ausgeschlossen. Wahrscheinlich hat sie sich, aus Versehen (Scherz), im falschen Turnier angemeldet. Jessica hielt lange mit, verzichtete auf den Protest, ärgerte sich aber trotzdem und dies zurecht!
Keine Punkte also am Nachmittag für die Roten Turm.

