Norddeutsche Vereinsmeisterschaft u12w und u16w in Arendsee
Nach der NDVM u12 und u14 in Magdeburg startete ganz im hohen Norden von Sachsen-Anhalt nun Teil 3 und 4 der NDVM 2026. Der SV Rote Turm Halle ist mit zwei Mannschaften dabei. Für mich sind es zwei Wunschteams, zusammengestellt mit Hettsteder Hilfe und Unterstützung der DSJ, durchaus mit Chancen nach dem guten Abschneiden bei der LMM im eigenen Bundesland.
Allerdings: optimal ist die Vorbereitung nicht gelaufen und auch die Organisation des Transports der immerhin 14 Mitglieder starken Delegation war gar nicht so einfach. Zum ersten Mal gelang es uns, mit der Initiative von Floras Eltern, einen Bus vom halleschen Stadtsportbund auszuleihen. Ein gute Laune Bus, indem auch entsprechende Lieder gesungen wurden: „Wir haben vorn gute Laune, wir haben hinten gute Laune…“ mit den entsprechenden Handbewegungen. Gute Stimmung also und eine perfekte Anreise. Bungalow Nr. 16 stand für uns bereit, die Zimmeraufteilung der Mädchen und Muttis ging überraschend schnell und nach dem Abendessen folgte eine Mannschaftsbesprechung und eine ziemlich lange Besprechung der Mannschaftsleiter. Es ging wieder Mal ums Remisanbieten, die Mannschaftsleiter und um regelwidrige Züge. Das größte Problem hier sind aber „Herr Wlan“ und „Frau Internet“. Ich kann jetzt den kleinen Außerirdischen verstehen, der nicht „nach Hause telefonieren“ konnte. Kein Zustand in der Altmark!
Ich besichtigte noch den Spielsaal. Sehr gute Bedingungen.
Unsere u12w ist, zu meiner Überraschung, an Nummer 2 gesetzt und beginnt in Runde 1 gegen den SV Werder Bremen live!
Live ist unsere u16w! Sie hat den Setzlistenplatz Nr. 9 und spielt gegen Blankenese.
Der 1. Tag, 19. September 2026
„Forever Altmarkliebe“ heißt es hier auf einem Banner. Ist Liebe mit schlechtem Internet überhaupt möglich? Für die Arbeit im Turnier ist es jedenfalls schlecht und nicht jeder hat einen „hauseigenen Router“ von der LSJ.
Unsere Routerin, mit viel Routine, und absolute Technikexpertin hier ist Sariana. Ohne sie würde ich hier immer noch in der Internetsteinzeit leben.
Zum schachlichen: Nach umfänglichen Infos vom Hauptschiedsrichter, Roland Katz, für die Spielerinnen begann die Runde in beiden AKs und im Ersatzspielerturnier. Dort spielten früh Sariana Hesse und Mathilda Ganssmüller und dies sehr stark. Sariana gewann, nach nur einer halben Stunde, durch Matt mit Läufer und Dame nach nur 12 Zügen! Und auch Mathilda gewann, nach 90 Minuten, mit vielen interessanten Ideen, ihre Partie gegen Henriette Fissler (SAV Torgelow).
In der u12w sah es bei meinem ersten Besuch gegen SV Werder Bremen (an den Livebrettern) eher nach einer 1:3 Niederlage aus. Lor Rached, viel zu schnell unterwegs, hatte im 27. Zug einen Turm einzügig eingestellt und spielte seitdem Läufer (Lor) gegen Turm, mit deutlich schlechterer Stellung. Auch Luisa Winkler hatte, mit zwei Bauern weniger und so ihre Probleme, spielte aber aktiv dagegen. Doch die Weißbretter veränderten, mit wachsender Spielzeit, alles. Bei Martha Börner half sehr aktives Spiel am Königsflügel und ein grober Patzer ihrer Gegnerin 20. …Kf8?? schließlich zu einem schnellen Matt und dem 1:1. Gleichzeitig hatte sich aber die Lage an Brett 2 weiter verschlechtert (30. Zug -3,0 bei shredder). Selbst als Luisa im 34. Zug Remis anbieten durfte, betrug das Minus noch 2,9. Doch richtige Lösungen fand ihre Gegnerin im Endspiel ungleichfarbiger Läufer mit je einem Turm auch nicht.
Dafür fand jetzt Greta Müller am Spitzenbrett starke Züge und Luisa durfte ein zweites Mal Remis anbieten. Luisa hatte inzwischen Gegenspiel am Königsflügel bekommen. Doch noch lehnte ihre Gegnerin ein zweites Mal ab, mit der Hoffnung auf einen weißen Freibauern. Aber Luisa hatte inzwischen alles im Griff. Weiß bot dann, im 53. Zug, selbst Remis (der Computer zeigt tatsächlich 0.00!) und natürlich nahm Luisa jetzt an. Und Greta führte das Quartett zum ersten, etwas glücklichen Sieg unserer u12w mit 2,5:1,5. Ein hartes Stück Arbeit gegen starke Bremer die wir in Prora noch 4:0 besiegt hatten.
Noch schwerer war die Aufgabe in der u16w gegen SchVgg Blankenese (was das erste auch immer heißen mag?), besonders nach den schnellen und deutlichen Niederlagen einer zu ängstlichen Mona Römmisch und einer zu aufgeregten Frieda Behr. Malak und Flora kämpften zwar, aber Flora stand mit ständig wachsendem Druck gegen Martha Polster eigentlich, mit Minderbauern, auf verlorenem Posten und gab, nach 70 Zügen und über drei Stunden auf. Außerdem, behaupte ich mal, hatte sie erhebliche Probleme mit der Notation am Livebrett, weil in der u16w die Ränder nicht beschriftet sind!? In Malaks Partie gegen Lara Sophie Busch hatten wir den Mehrbauern. Und Malak, in der Analyse mit vielen Computerzügen, spielte ein fehlerfreies Bauernendspiel und erkämpfte, nach viereinhalb Stunden, den Ehrenpunkt und wurde entsprechend jubelnd empfangen. Aber keine „Polonaise Blankenese“!
Eine schwere Aufgabe gab es für unsere u12w- Mannschaft in Runde 2. Mit der TSG Oberschöneweide trafen wir auf ein starkes Berliner Team. Und den ersten Fehler machte der Trainer/ Mannschaftsleiter, der vergaß die Mannschaftsaufstellung pünktlich abzugeben (Entschuldige bitte Mathilda!) und so saß plötzlich eine sichtlich überraschte Lor wieder an Brett 4. Aber Lor nutzte ihre zweite Chance im Team und kam nach 50 Minuten, nach einer turbulenten Partie mit „Skandinavisch“ zu Beginn, zum Erfolg. Übrigens sieht man hier sehr vielfältige Eröffnungen. Zurück zu Lors Partie. Sie verlor bereits im 9, Zug einen Springer, gewann die Figur aber im 13. Zug zurück. Im Turmendspiel entschied der c- Bauer, der ohne große Gegenwehr, bis auf die 7. Reihe vorrückte. Um die Verwandlung zu verhindern, musste Lors Gegnerin ihren Turm geben und gab drei Züge später auf.
Das Quartett lag in Führung, aber gefühlt sah es nicht gut aus. „Ich habe nicht gut gespielt“, resümierte Martha und dies schon in der Eröffnung mit Bauern weniger. Beim Kampf gegen einen weißen Freibauern verlor sie einen Turm. Im 46. Zug stellte sie noch einen Springer ein und wurde im 65. Zug Matt gesetzt (1:1).
Auch Greta geriet bereits in der Eröffnung, durch den aggressiven Beginn von Olena Altshuler in Rückstand und war, nach eingestellter Qualität, im 19. Zug, eigentlich ohne Chance. Sie kämpfte, aber im Endspiel fand auch sie keine Lösung gegen einen Freibauern und gab im 56. Zug, auf. Luisas Partie war eigentlich schon nach der Eröffnung Remis. Luisa wollte mehrfach Remis anbieten, doch angesichts des Zwischenstandes, lehnte Greta jedes Mal ab, um die Hoffnungen auf ein 2:2 zu erhalten. Doch es gab wohl keine Gewinnwege für Luisa. Im ausgeglichenen Turmendspiel mit je drei Bauern am Königsflügel musste Luisa zu viel riskieren und durfte schließlich, im 67. Zug, gegen eine unaufhaltsamen schwarzen Freibauern von Frieda Helbig, aufgeben. Eine wohl verdiente 1:3- Niederlage unserer Mädchen.
In Spiel unser u16 Mädchen gegen den Hamburger SK von 1830 war dieses Mal Mona die erste Siegerin nach 50 Minuten. Wenig bekam Malak ein Remisangebot und fragte Mona, die Mannschaftsleiter war. „Entscheide selbst“, sagte Mona und Malak nahm, nach 27 Zügen, an. Es stand 1,5:0,5. Das war natürlich nur möglich durch Floras starkes Spiel an Brett 1. Ihre Gegnerin hätte, zur Verhinderung des Matts die Dame geben müssen. Aufgabe der Hamburgerin nach 39 Zügen und Mannschaftssieg! Und auch Sariana am 4. Brett konnte nun, in aller Ruhe, ihren Erfolg feiern. Zunächst im Doppelturmendspiel mit zwei Mehrbauern schaffte sie den Turmtausch und den Bauerndurchbruch zur neuen Dame und sogar das Matt nach 45 Zügen. Das stärkste, was ich von Sariana seit längerer Zeit gesehen habe! Endlich! Und ein überraschend klarer 3,5:0,5 Erfolg gegen die Hamburger Mädchen. Stark!
Im Ersatzspielerturnier gewann eine total überlegene Frieda gegen Hanna Lippok (SV Eintracht Tangerhütte I) ihre Schwarzpartie während Mathilda ihre Partie, nach 90 Minuten, gegen einen Jungen, Steffen Bols, verlor.
Und: unsere u12w dürfen sich morgen auf ein Landesduell gegen die Schachzwerge Magdeburg freuen!
Doch zunächst ging es mit viel Spaß bowlen. Muss ja auch mal sein. Man gönnt sich ja sonst nichts!
Der 2. Tag, 20. September 2026
Man darf hier keine Mannschaft unterschätzen. Das war der prägende Satz heute Morgen. Denn so interessant das Landesduell auch ist. Am 2. Brett sitzt eine Gastspielerin vom SC Kreuzberg aus Berlin. Gegen sie hat Luisa bei der DEM mit Weiß verloren. Also aufpassen. Das galt auch für unsere „großen Mädchen“. Der SAV Torgelow ist an Nummer 7 (vor uns) gesetzt.
Als erste gewann Lor ihre Angriffspartie im Ersatzspielerturnier gegen Ida Mörig (SV Eintracht Tangerhütte II) nach nur 19 Zügen und vielen Fehlern ihrer Gegnerin.
Fast genauso schnell, nach knapp einer Stunde, gewann Greta ihre Partie gegen Helene Alhaj Ali durch Aufgabe. Greta hätte im nächsten Zug die Dame gewonnen.
Zu dieser Zeit sah es in der u12w auch an den anderen Brettern gut aus. Mathilda hatte durch eine Springergabel einen Turm gewonnen, war sich aber ihrer Sache wohl zu sicher. Nur wenige Züge später „spießte“ Luise Stübig Mathildas Dame auf und es wurde wieder spannend. Aber „unsere“ Mathilda ist eine Kämpferin! Mit einem Freibauern gewann sie einen Turm und bekam ein Remisangebot von Luise Stübig, das Greta ablehnte.
Mathilda hatte praktisch zwei Figuren (Läufer) mehr und eine hilflose weiße Dame musste zuschauen, wie Mathilda sich nach 43 Zügen, mit Superzusammenspiel aller Figuren, zum Matt kombinierte. 2:0 Führung, dann aber der Rückschlag: Martha hatte verloren.
Das zweite Brett musste nun entscheiden: Luisa gegen die Gastspielerin Marianna Caber. Beide waren nach zwei Stunden, Gott sei Dank, noch nicht eingeschlafen. Auch Greta nicht, die das Brett beobachtete. Denn dann ging plötzlich die Post ab. Die Gastschachzwergin begann Luisa mit durchdachten Angriffszügen zu nerven. Fehler waren natürlich verboten. Luisa spielte sehr umsichtig, verteidigte alles. Allerdings rutschte sie, nach einem Läuferzug im 27. Zug, stark ins Minus, bot aber trotzdem, im 30. Zug, Remis an. Doch ihre Gegnerin lehnte ab.
Aber Luisa gewann einen Freibauer, tauschte Türme, gewann einen weiteren Bauern am Dameflügel und stand, beim zweiten Remisangebot, sogar selbst mit 1,2 im Plus! Ihre Gegnerin nahm das Angebot an und der zweite, knappe 2,5:1,5 Sieg war perfekt. Vorläufig Platz 5 in der Tabelle.
Für unsere u16 Mädchen hieß der Gegner in Runde 3: SAV Torgelow. Ein Wettkampf durchaus auf Augenhöhe, dachte ich eigentlich. War aber nicht so. Es wurde zwar lange gespielt, aber es waren die kleinen Ungenauigkeiten die eine deutliche Niederlag brachten. Sariana begann stark und hatte nach 25 Zügen ein deutliches Plus. Dann gingen ihr aber die Ideen aus. Mit einer Bauerngabel glaubte sie einen Springer zu gewinnen, leitete aber den schwarzen Mattangriff ein. Drei Züge nach dem Springergewinn wurde sie Matt gesetzt. Ähnlich erging es Mona. Bis zum 35. Zug mit starken Angriffsideen. Dann bekam sie Gegendrohungen und übersah sie eine einfache Springergabel mit Turmverlust. Die gegnerischen Bauern a, b, c, d und zwei starke Leichtfiguren erledigten den Rest. Es stand 0:2 und man konnte über den Wettkampfverlauf nur mit dem Kopf schütteln. Und dann patzte auch noch ausgerechnet Malak. Sie musste nun mehr riskieren, verrechnete sich aber bei der Abwehr des gegnerischen Angriffs. Ihre Gegnerin, Sophie Briese opferte geschickt ihre Dame um Grundreihenmatt zu setzen. Flora kämpfte noch lange weiter. Doch im Bauernendspiel mit gleichfarbigen Läufern konnte niemand Vorteile erzielen und somit Remis. Ein wichtiges Spiel ging also 0,5:3,5 verloren.
Aber es stand noch Runde 4 an. Gegner für die u12w war SV Glück auf Rüdersdorf aus Brandenburg, einen Platz hinter uns gesetzt. Das versprach Spannung und die gab es auch fast 5 Stunden lang. Nach einer Stunde war ich eigentlich recht optimistisch. Luisa hatte eine Figur mehr, Martha und Greta standen gut. Nur Mathilda hatte einige Sorgen, weil ihre Gegnerin mit dem Läuferpaar, zwei Türmen und der Dame die Königsstellung angriff und ständig Mattdrohungen aufstellte. Im 18. Zug verlor sie so einen gefesselten Läufer und ihre Gegnerin fand dann auch das Matt in 4 mit Dame und den beiden Läufern. Sehr stark. Martha spielte mit Figur mehr aktiv auf Angriff und beherrschte ihre Gegnerin, Anahi Wagenschütz eigentlich (+17,0 nach 29 Zügen). Doch plötzlich stockte ihr Angriff, im 31. Zug war es schon Remis (Dauerschach) und als sie dem entgehen wollte, fand ihre Gegnerin auch noch das Matt in 2! Unglaublich! Ein sicher geglaubter Punkt war weg und damit drohte nun sogar eine Niederlage. Doch die Spitzenbretter kämpften großartig. Luisa spielte ihre wohl beste Partie hier gegen Victoria Knetsch, die vielleicht zu aggressiv begann. Luisa gewann im 14. Zug einen Läufer und kam klar in Vorteil (+3,0). Beide setzten voll auf Angriff und Luisa erzwang, im 26. Zug, den gewünschten Dametausch und spielte weiter auf Abtausch und Bauerngewinne. Ihre Gegnerin kämpfte mit Freibauern und starkem Turm. Doch Luisas Konzept ging letztlich auf und im 72. Zug setzte sie mit zwei Türmen Matt. Bei der Analyse konnte sie alles begründen. Es hat viel Spaß gemacht. Nun hofften wir alle auf Greta. In ihrer Partie wurde zu Beginn viel getauscht, dann kam, im 23. Zug das erste Remisangebot der Rüdersdorfer. Greta stand zu dieser Zeit, bei gleichem Material, schon deutlich besser und lehnte ab. Zweites Remisangebot nach 41 Zügen. Gretas Figuren im Vormarsch, Dametausch, Ablehnung von Greta. Die Meldungen, die aus dem Spielsaal kamen, waren durchweg optimistisch. Und dazu gab es auch gute Gründe. Im Spiel der ungleichfarbigen Läufer hatte Greta zunächst einen Mehrbauern, später dann sogar drei. So lehnte Greta auch das 3. Remisangebot im 49. Zug ab. Verbundene Bauern entschieden dann das Rennen. Allerdings gab es zunächst noch zwei weitere Remisangebote der Rüdersdorfer Kapitänin. Greta opferte geschickt den c- Bauern und endlich, nach 74. Zügen gab Gretas Gegnerin auf. Nach viereinhalb Stunden hatten war es geschafft, das 2:2! Eine tolle Partie und ein toller Tag für die u12w.
Interessante Partien gab es in der 4. Runde auch im Ersatzspielerturnier. Sariana gewann eine starke Partie gegen Sama Tindong (SC Borussia Lichtenberg). „Sie hat zu schnell gespielt…“ kommentierte sie.
Unsere u16w traf auf den Elmshorner SC, den 14. und letzten in der Setzliste und kamen zum klaren Erfolg.
Am Ende hieß es 3,5:0,5. Flora gewann bereits in der Eröffnung einen Turm. In der Folge spielte sie überlegen und startete im 40. Zug ihren Mattangriff mit starken weißen Schwerfiguren auf der 7. Reihe bis zum Matt. Nach nur 19. Zügen durfte Frieda Behr, nach nur einer Stunde, Remis anbieten und ihre Gegnerin nahm an. Ich war in der Analyse zwar der Meinung, dass es eine am 4. Brett war, die gerade erst interessant wurde. Zudem stand Frieda im Plus. Doch angesichts einer, besonders im Endspiel, stark spielenden Mona war es vielleicht sogar richtig. Mona hatte im Mittelspiel einige Probleme (zwei Bauern weniger). Doch im 29. Zug, nach einem Fehler ihrer Gegnerin, bildete sie einen starken Zentrumsfreibauer. Im Endspiel war es ein Turm mehr, der entfernte a- Bauer marschierte zur Dame und nach mehr als zwei Stunden stand der Sieg fest. Malak hatte, im 22. Zug, einen Läufer gefangen, stand aber etwas passiv. Malak tauschte dann zielgerichtet vieles ab, spielte mit der Mehrfigur und Turm sehr aktiv (+4,1). Ihre Gegnerin gab im 37. Zug auf und der klare 3,5:0,5 war perfekt.
Dann war Demokratie beim Roten Turm angesagt. Es tagte der Mannschaftsrat mit der Tagesordnung: wie spielt morgen an Brett 4 in den Mannschaften? Die Mehrheit entschied für Los (u12w) und für Sariana (u16w). Und eine frühe Nachtruhe.
Der 3. Tag, 21. September 2026:
„…dahinter wird sich noch fleißig um die Qualifikationsplätze zur DVM gestritten. Rechnerisch hätte in der u12w auch Platz 9, in der u16w sogar Platz 12 (!) noch theoretische Chancen auf die DVM- Quali. Das zeigt, wie eng die Unterschiede sind…“, war auf der Seite der LSJ zu lesen.
Schon vor Beginn der letzten alles entscheidenden Runde herrschte im Bungalow 16 unserer Mädchen eine tolle Stimmung. Mindestens 6 mal wurde „Wir haben vorne gute Laune, hinten gute Laune, links gute Laune…“ von einem Mädchenchor angestimmt (da gibt es sogar ein Video – für die Ewigkeit). War es eine gewisse Vorfreude, gar Optimismus? Kann da noch etwas schief gehen?
Auf jedenfall waren unsere Kinder sehr motiviert.
Nach nur einer halben Stunde hatte Frieda ihre Partie gegen Sama Tindong im Ersatzspielerturnier hoch überlegen gewonnen. „Sie hat mir viele Figuren geschenkt.“ Ein sehr wichtiger Sieg, wie sich später noch zeigen sollte.
Unsere u12w hatte etwas Losglück mit dem Hamburger SK von 1830, war leichter Favorit und begann stark. Nur Lor, am 4. Brett, hatte früh eine Leichtfigur verloren. Nach exakt 100 Minuten gewann Luisa ihre Partie durch Aufgabe. Sie hatte bei ihrem Angriff am Dameflügel zwei Bauern gewonnen und tauschte nun gnadenlos ab. Zwar kämpfte sich ihre Gegnerin kurzzeitig zurück, doch dann trat der weiße König eine merkwürdige Wanderung bis zum Feld c8 an. Dazu kam eine schlechte Bauernstruktur und Luisa nutzte diese Schwächen effektiv. Für einen Bauerngewinn tauschte Weiß auch noch die Türme und dann hatte Luisa gerechnet: „Der König war ja nicht mehr im Quadrat!“ begründete sie den Start ihres f- Bauern zur Dame. Das Matt ließ sich die Hamburgerin nicht mehr zeigen und nach 100 Minuten führte unsere Mannschaft. Allerdings nicht lange. Lor hatte gebeten, aufgeben zu dürfen, aber Greta untersagte das zunächst. Doch irgendwann war das 4. Brett nicht zu halten und Lor war sehr traurig. Doch zu was hat man eine Mannschaft?! Martha hatte einen Bauern mehr und vor allem zwei starke weiße Türme auf der 7. Reihe und löste die Stellung mit Läufer- und Turmgewinn auf. Mit zwei Türmen setzte sie schließlich im 55. Zug Matt zur 2:1 Führung.
Auch Greta hatte in der Eröffnung einen Bauern gewonnen und war immer leicht im Vorteil. Mit einem Bauer auf f6 und Lh6 sperrte sie den schwarzen König ein (34. Lg7+) und hatte weitere schöne fiese Ideen in dieser Partie, achtete aber auch auf Drohungen. Das „Sahnehäubchen“ war aber das Turmopfer auf h7 (38.), dass ihre Gegnerin dankenswerterweise auch noch annahm. Matt im 40. mit dem zweiten Turm – sehr stark gespielt und der 3:1 Sieg. Zu was würde das reichen?
Unsere u16w hatte da, mit dem SV Empor Berlin, die wesentlich schwerere Aufgabe. Lange Zeit passierte wenig, dann gewann Malak durch Zeit! Es war eine Partie, in der Malak meist schlechter stand und nur verteidigen musste. Doch ihre Gegnerin schaffte am Ende nur 36 Züge in 90 Minuten. Die Mannschaft führte plötzlich und ich erhielt immer wieder gegensätzliche Information: „Sariana hat einen Bauern weniger…“ oder „Und Sariana steht sehr gut…“ Mal ganz ehrlich: Sariana hat mich bei dieser Meisterschaft nicht mit ihrem hohen Wissen und Tipps überzeugt sondern auch schachlich! In dieser 5. Runde übernahm sie Verantwortung für die Mannschaft und rechtfertigte das Vertrauen. Denn an den beiden Schwarzbrettern sah es nicht ganz so gut aus. Sowohl Flora als auch Mona hatten einen Bauern (2 Bauern gegen Figur, Flora) bzw. sogar zwei Bauern weniger. Mona versuchte im Springerendspiel alles, aber der f-Bauer wurde zum Freibauer, der nicht zu stoppen war. Nach 50 Zügen, drei Züge vor der Verwandlung durfte sie aufgeben. Da dann kam der überlegene Sieg von Sariana gerade recht. Und der war hart erkämpft. Mit starken Zügen und einer mächtigen Dame verteidigte sie einen Freibauern auf e6. Ihre Gegnerin, Teodora Georgieva, fand überhaupt keine Lösungen für das Problem, stellte im 30. Zug dazu noch einen Turm ein. Für den Freibauer, auf e8 angekommen, musste sie eine Figur für den Bauern geben und mit zwei Figuren mehr gewann Sariana diese wichtige Partie nach 51 Zügen. Die Mannschaft führte jetzt gegen den Favoriten 2:1. Flora versuchte alles, doch nach rund 4 Stunden kam sie, etwas enttäuscht, mit der Niederlage nach 76 Zügen.
Doch das 2:2 gegen die an Nummer 4 gesetzten Berliner ist natürlich ein Superergebnis!
Gespannt warteten wir auf die Siegerehrung, die draußen stattfand. Es begann mit der u16w. Am Ende wurde wir hier Sechster von 14 Mannschaften. Die DVM findet in Baden-Württemberg statt. „Die Plätze 5-7 können einen Freiplatz beantragen mit guten Chancen…“, informierte mich Gavin Güldenpfennig. Gewonnen hat die SchVgg Blankenese, die Schachzwerge Magdeburg schafften als Vierter die Qualifikation.
Die Spannung stieg bei der u12w. „Ab Platz 5 qualifizieren sich die Mannschaften für die DVM, die in Magdeburg stattfindet“, verkündete die Schiedsrichterin aus Hamburg und dann wurde unsere Mannschaft aufgerufen als eine von vier Teams mit 7:3 Mannschaftspunkten. Nur der verdiente Sieger, SC Borussia Lichtenberg, blieb ohne Niederlage, für eine Medaille fehlen uns lediglich 25 Buchholzpunkte. Ich bin trotzdem sehr stolz auf diese Mannschaft und natürlich auch auf die Großen.
Nicht dabei waren wir bei der Ehrung der Brettbesten. Trotzdem muss ich hier Greta erwähnen, die am ersten Brett 4 aus 5 erkämpfte. Damit belegt sie in der Wertung Brett 1 den zweiten Platz! Glückwunsch für ein tolles Turnier. Einen weiteren Höhepunkt gab es in den 4 Wertungen des Ersatzspielerturniers. In der u16w gab es „Doppelgold“ für den Roten Turm! Frieda und Sariana gewannen die Teamwertung und Frieda das Einzelturnier. In der u12w gab es noch einen 3. Platz in der Teamwertung für Mathilda und Lor.
Damit ging ein tolles Turnier.
Auch mein Dank geht an die fleißigen Organisatoren, an das KIEZ, die Eltern aus Hettstedt und Halle und an die Mädchen und die, die sogar ein Armband mit den Buchstaben ROTER TURM für mich gebastelt haben.









