Niederlag und Sieg – trotzdem sehr gut
Die Auslosung für den 3. Spieltag war lange bekannt und unser Gegner hieß SV Saalespringer Halle. Unser Verein war auf dem Papier der klare Außenseiter im Stadtderby. Ich hatte zunächst Martha Börner nachnominiert (4. Brett) und so ging es, in Merseburg, hinein in diese schwere Aufgabe. Nach einer Stunde war so gut wie gar nichts passiert. Das meiste war an Brett 3 los. Dort traf Luisa auf Akyl Tilenbaev, der von Gedeon Hartge trainiert wird und eine DWZ von immerhin 1482 besitzt. Akyl begann sehr aggressiv und beide verzichteten auf die Rochaden. Zeitweise stand Luisa mit 7,8 im Minus. Doch sie kämpfte sich zurück, ging aber mit zwei Bauern weniger ins Endspiel. Ungleichfarbige Läufer waren auf dem Brett.
Dann richtete sich der Blick zu den Jungs. Hier hatte Sascha Sen wohl die schwerste Aufgabe gegen den neuen u12- Landesmeister, Lyonel Jensch. In Osterburg hatte Sascha, nach nur 20 Zügen, klar verloren. Zunächst setzte er meine Hinweise, vor allem langsam zu spielen, um.
Der Betreuer der Saalespringer, Dieter Dorsch, sprach von einem „harten Kampf“, zu recht.
Spannend wurde es plötzlich auch an Brett 2. Florial Bleuel spielte eine gute Partie gegen Bella Sander und erhielt nach 80 Minuten ein überraschendes Remisangebot. Er ging fragen, doch Sascha überließ ihm die Entscheidung, eine knifflige Sache. Er lehnte ab, hätte aber wohl lieber annehmen sollen. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer. Ein schnellerer Freibauer entschied die Partie und nach Saschas Aufgabe im 33. Zug, nach übersehener Springergabel mit Figurenverlust, lagen wir 0:2 zurück.
Doch unsere beiden Mädchen, die als letzte der Runde spielten, hielten noch dagegen. Luisa stand plötzlich nur noch mit 0,9 im Minus und schien mit ihrem weißfeldrigen Läufer, König und einem rückständigem Bauer alles in Griff zu haben. Doch Akyl hatte eine Superidee die aber wohl nicht aufgegangen wäre, wenn Luisa im 49. Zug nicht en passant geschlagen hätte. Ansonsten war da auf einmal ein nicht stoppbarer Freibauer und zehn Züge später setzte Akyl Matt. Ich fand es lustig und bemerkenswert, dass sich Dirk Michael (Betreuer Hettstedt) und Uwe Kurth (Staffelleiter) sofort auf die Stellung stürzten und analysierten und diskutierten, ob das Remis möglich wäre. Beide gaben zu, dass viele Züge „schwer zu finden wären“, sahen kleine Remischancen, lobten aber auch Akyls starken Idee.
Kurz und gut, es stand 0:3. Aber was machte nun unser neues Mannschaftsmitglied, Martha Börner gegen Mikhail Bryzgalov? Zunächst war es am 4. Brett stinknormal langweilig. Martha tauschte mal schnell Turm gegen Läufer um endlich Spiel zu bekommen, bekam die Qualität später tatsächlich zurück und ging ein Bauernendspiel und je einem Turm mit Mehrbauern. Sie wollte schon Remis anbieten. Bin zwar mädchenfreundlich, aber das musste ich untersagen und siehe da: mit starkem Endspiel fand sie starke Lösungen und setzte im 74. Zug, nach zwei Stunden und 45 Minuten Matt. Die 1:3- Niederlagen tut, bei diesen guten Leistungen aller, nicht so weh, wobei speziell die Mädchenpartien unbedingt der Analyse bedürfen.
Gegner Nummer 4 waren unsere Freunde von den Schachfreunden Hettstedt. Normalerweise waren die Favoritenrollen klar verteilt. Also die Hettstedter mit Greta Müller und Darius Rümpler mit Vorteilen an Brett 1 und 2 und unsere Mädchen als leichte Favoriten an den Brettern 3 und 4.
Doch es kam ganz anders. Speziell die Jungs hatten etwas dagegen. Und es ging an den Spitzenbrettern schneller als in der vorherigen Runde.
Sascha präsentierte nach 40 Minuten ein Remis gegen Greta. Hier wurden früh die Damen getauscht und beim Remisangebot gab es leichte Vorteile für unsere Gastspielerin. Vielleicht hätte Greta auch noch etwas weiterspielen müssen, weil nun am 2. Brett die Post abging. Florian bot eine starke Partie gegen Darius Rümpler, ging mit einem Mehrbauern ins Endspiel, erzwang den Turmtausch, kam zur neuen Dame und gewann, nach 90 Zügen. Auch an den Brettern der Mädchen sah es gut aus, beide mit Mehrfigur. Martha zeigte sich stark im Endspiel mit starker Dame und guten Plänen. Fürs Matt setzen entschied sie sich lieber für Dame und Turm, aber Heinrich Gorgas war völlig ohne Chance und der dritte Mannschaftssieg war perfekt. Und was für eine Premiere von Martha mit zwei Siegen! Luisa, besonders mit starkem Läuferpaar, war voll im Angriffsmodus und ihr verzweifelter Gegner, Ricki Kühne, konnte einem schon leid tun. Luisa opferte einen Läufer um einen Bauern zu verwandeln und mit Dame und Turm ging es dann wie von selbst. Ein deutlicher 3,5:0,5 Sieg und die Gratulation von Dirk Michael. Was will man mehr. Ein erneut starker schachlicher Auftritt und die Erkenntnis: „Ganz ohne Mädchen geht die Chose nicht“, wie es in einem bekannten (Berliner?) Gassenhauer heißt!