SV Roter Turm Halle II – Reideburger SV 1990 II
Klarer Sieg mit drei jungen Wilden
Spielbericht zum 1. Spieltag am 07.09.2025 von Christian Reinsch
Voller Vorfreude und Heißhunger erwarteten wir, die II. vom RTSV, den Spielstart in die neue Saison der BOL. Mit neuer Aufstellung, massiver Verstärkung, einem neuen Mannschaftsleiter (ich) und einer Vision im Handgepäck (dazu irgendwann mehr) wollten wir die Karten der BOL-Saison neu mischen.
Es ist der noch junge September, die schachlahme Sommerpause ist vorbei, und die hungrigen
Spieler, jung wie alt, wollten endlich wieder zeigen, dass sie nicht nur Figuren setzen, sondern, in Caissas Namen, auch Schach spielen können.
Eine Aufstellung zum Saison-Debut war schnell gefunden, lästige Fahr- und Fähr-Planungen waren nicht nötig. Wir mussten in heimischen Gefilden ran und wollten Reideburgs II. zeigen, wo der Turm die Zacken hat.
Pünktlich, 7 nach Neun konnte es dann, nach Anrichten des Spiel-Saals (danke nochmal an alle Helfer), anfänglichen Unstimmigkeiten zur Bretter-Orientierung, Aufstellung und Uhren-Bedienung auch losgehen.
Brett 1: Stefan Gröger vs Frank Zeiss (1:0)
Herzlich Willkommen, Stefan. Unser starker Neuzugang (+2000 DWZ) hat gleich gezeigt, was wir mit „stabiler Spitze“ meinen. Nach Sizillianischer Eröffnung stand es lange Zeit ausgeglichen (75min) und erst nach 2h war ein erster, aber stabiler Stellungsvorteil zu erkennen. Stefan erschien ruhig und stabil, mit deutlich mehr Zeit auf der Uhr als sein Gegner. Ab Zug 25 stand ein Bauer mehr auf der Haben-Seite den er konsequent und vehement verteidigte. Ein besseres Damen-Turm-Zusammenspiel übermannte dann den Gegner und nach fast 4h war der erste Sieg für Stefan, hier in der BOL, in der Tasche.
Brett 2: Julian Brückner vs Thomas Wernitz (0:1)
Unser Stärkster unter den jungen Wilden, Julian B., zog mit Weiß 1. e4 an und es wurde vom, noch unbekannten und neuen Spieler von Reideburg, Thomas Wernitz (ohne DWZ), mit Sizillianisch erwidert. Man entwickelte sich schleichend hin und bis zur 70. Minute sah alles noch sehr ausgeglichen aus. Man tauschte brav die Damen, einen Springer und den Läufer. Die Stellung erinnerte mich sehr an den Stellungskrieg entlang der Maginot-Linie und die verzahnte Bauernstruktur erlaubte nur wenig Durchlässigkeit. Julian eroberte zwar einen Bauern mehr, nach ca. 3h /43. Zug doch blieb ohne weiteres Momentum und einen passenden Durchstoß. War auf der Königsseite kein Durchkommen, konzentrierte man sich auf den Damenflügel. Julian, erfahren genug, bietet im 56. Zug ein Remis an, welches der Gegner aber ablehnte. Offensichtlich sah er bereits seine Chance. Ein starker Freibauer und geschicktes Zusammenspiel aus Turm und Läufer erlaubte Thomas Wernitz dann das Durchstoßen auf des Gegners Grundlinie und Materialgewinn im Anschluss. Julian
gab am Ende einer langen Partie (>4h) auf. Vom Spieler ohne DWZ darf man noch viel erwarten.
Brett 3: Julian Swoboda vs Detlef Mädel (0.5:0.5)
Machen wir es kurz, wie das Spiel: Julian und Detlef einigten sich nach weniger als 10min Spielzeit auf Remis. Ein Gewinn für beide, denke ich. Zur Vollständigkeit sei noch die Eröffnung genannt: Londoner System. Somit blieb mehr Zeit für mich, mit meinem alten Mannschaftleiter Detlef ein paar Worte zu wechseln.
Brett 4: Emrah Sen vs Frank Böckelmann (1:0)
Kleiner Spoiler: Was für ein Ritt über wilde Felder! Diese Partie ist zur öffentlichen und gemeinsamen Analyse empfohlen. Man eröffnet Sizillianisch (mal was Neues) und drückt fleißig die Uhr, bis beide feststellen: die Uhr funktioniert nicht. Uhr auf Reset gestellt, Play-Taste gedrückt, drei, vier Überprüfungen der Tasten bis die Uhr bei 1h:32min stand und dann konnte es auch offiziell auf der Uhr losgehen. Mehr Zeit für beide, aber wir wissen alle, dass Emrah und Frank nicht dafür bekannt sind, ihre volle Zeit zu nutzen. Leidenschaft, statt langes Nachdenken! Ruck-zuck, nach 18 Zügen hat Emrah einen Bauern mehr. Kurze Zeit später, ich verließ nur kurz den Reporter-Sessel, sah man eine sehr offene Partie. Emrah mit Turm und 2 Bauern mehr gegen Springer und Läufer. Natürlich gab es noch Damen, Türme und Bauern. Um den 30. Zug gab es ein Gemetzel mit Damentausch, je 1x Leichtfigur und weiterer Bauerngewinn für Emrah. Es war spannend und mit Materialvorteil für Emrah. Aber Frank weiß es, zu kämpfen und holt sich im 44. Zug Material zurück. Emrah unter Druck, um einen weit vorangeschrittenen Freibauern von Frank zu kontrollieren. Springer und Läufer von Frank spielen gegen Turm gut zusammen. Emrah, schau dir mal 42. Td3 an anstelle von Kg3 … dieser Zug hätte vielleicht Druck vom Kessel genommen. Aber auch Emrah wusste zu kämpfen. 3 Freibauern auf dem Königsflügel sind eine Macht, die Emrah nutze. Er schiebt Stück für Stück die Bauern nach vorn und in eine gefährliche Position für den Gegner. Emrah hatte einen Plan und Druck … der Angriff von Frank zur Verwertung seines Freibauerns
verblasste. Ohne zwingende Gefahr erreichte Emrah mit seinen Bauern die 5. / 6. Und 7. Reihe. Ab 54. Zug war klar: der Emrah holt den nächsten Sieg nach Hause. Frank gibt im 58. Zug auf, kurz vor Matt oder Umwandlung des g-Bauern.
Brett 5: Ali Jamalli vs Volker Rohn (1:0)
Ali, unser 2. Junger Wilder, an Brett 5 gesetzt, mit viel Entwicklungspotential sollte meine Erwartungen nicht enttäuschen. Klasse Ali….und mein Lieblingsspiel an diesem Spieltag.
Zur Abwechslung gab es an diesem Brett mal die Königs-Indische Eröffnung. Nach entspannter Eröffnung nahm die Partie Fahrt auf, als kurzzeitig Ali im 16. Zug mit einem Bauern hinten lag, jedoch im 18. Zug zurückeroberte. Dann überlegte Ali lange für den 19. Zug und zog ….Tb6 an. Hier kann man mal Se4 diskutieren, eine Gabel drohen und die Läuferlinie aufmachen. Volker ahnte was droht und bot im 24. Zug Remis an. Ali lehnte das Angebot berechtigterweise ab. Dies wurde im 37. Zug und nach 3h:15min belohnt mit Materialgewinn. Ali stand auf Gewinn und mit Druck auf dem Damenflügel. 50…. b3! Starker Zug nach 4h und legt den Gang auf die Ziellinie ein. Bei drohendem Matt in 2 Zügen gibt Volker auf wenige Züge später auf. Der Sieg und die Lorbeeren nach einem Marathon auf dem Brett hat sich Ali verdient.
Brett 6: Andreas Miculka vs Jan Ducke (1:0)
Willkommen Andreas in der II., unsere 2. sehr gute Verstärkung im Team. Und Gratulation zum gelungenen Debut. Nach etwas schleppender Entwicklung auf dem Damenflügel bei Andreas sah die Stellung recht ausgeglichen bis zur 70. Minute aus. Hier schimmert schon ein kleiner Stellungsvorteil durch der mit einem straken Angriff auf der Königsseite und gegnerische Rochade im 20. Zug aufleuchtet. Auch hier lohnt die Analyse, ob ein kurzes und schmerzloses Matt auf dem Brett lag. Man könnte hier ein geschicktes Opfer vermuten, auf dem Weg zum Sieg …. aber dies ist nur eine Vermutung eines Laien. Hin und her… Andreas zog sich mit einem Turm mehr aus der Gemenge-Lage und dies ist i.d.R. ein starkes Argument für einen Sieg im Endspiel. Und so kam es…. Jan prüfte Andreas noch einige Zeit im Endspiel mit verzweifelten Springerzügen, aber Andreas blieb bedacht und seiner Materialübermacht gewiss. Hier hatte der Turm noch alle Zacken auf der Zinne und Andreas fuhr den Sieg sicher über die Linie.
Brett 7: Frederik Fiedler vs Akbar Latifi (1:0)
Frederik, der 3. Junge Wilde im Bunde. Und für mich Teil der Idee einer stabilen Phalanx an den hinteren Brettern. Glückwunsch zum Sieg, lieber Frederik. Lange sah das Spiel sehr ausgeglichen aus, 2h lang sortierte man sich auf dem Brett. Bis Frederik einen starken Angriff auf der Königsseite startete und kurzen Prozess machte. Matt im 31. Zug. Zack!
Brett 8: Georg Spinka vs Klaus Röther (1:0)
Auf Georg ist immer Verlass und Teil der starken Phalanx. Wenn auch das Abitur im Laufe der Saison ansteht, freuen wir uns natürlich auf jeden deiner Beiträge. Nach schnellem Remis an Brett 3 war Georg unser 1. Sieg am Spieltag. Georg startete früh einen Gegenschlag am Damenflügel gegen 0-0-0 von Schwarz. Im 25. Zug dann der Durchbruch in der
Schutzburg des schwarzen Königs mit Bauern- und Springergewinn. Nach völliger Unachtsamkeit stellt der Gegner seine Dame im 29. Zug ein und gibt auf!
Zusammenfassung: Dies war ein starker Start in die Saison, mit einem deutlichen Sieg (6.5:1.5) und Zeichen an die Konkurrenz in der Liga. Mindestens bis zum nächsten Spieltag am 28.09. gegen Naumburg führen wir die Tabelle an. Diese verdiente Euphorie kosten wir aus und nehmen wir mit in die Domstadt.

