Der dritte Tag, 05. Januar 2026
Der Finalspieltag der BEM ist immer ein besonderer. Hier muss man organisatorisch alles im Griff haben, weil man neben den entscheidenden Runden für die Spielerinnen und Spieler, die zwei Runden zu spielen hatten, auch bis 12.00 Uhr die Zimmer räumen musste, auch mein „geliebtes“ Zimmer 304, indem ich hier schon seit drei Jahren „wohne“.
Wie gewohnt beginne ich mit der AK u8m. Hier lag ja Mihail überraschend, nach 5 Runden, vorn. Er wird noch nicht etwa…?
Doch er wird! Er traf in der 6. Runde ausgerechnet auf Mika Lou Alfiado (SF Hettstedt) und der legte los, wie die Feuerwehr und griff an. Doch vielleicht hatte der Hettstedter die Aufgabe gegen unseren Jüngsten etwas unterschätzt, denn plötzlich hatte er zwei Figuren weniger: „Springer oder Dame?“ fragte Mika nach seiner Bauergabel (18. g4??). „Ich habe die Dame genommen…“, kommentierte Mihail in der Analyse, übrigens bei fehlerfreier Notation! Seine Schwerfiguren sammelten noch zwei Leichtfiguren und einige Bauern und dann gewann mit schönem Matt in 1, eine ganz tolle, fehlerfreie Partie. Und dann spielte die Konkurrenz auch noch mit. In einer reinen u8- Partie zwischen den beiden Hettstedtern Oskar Achtert (mit Turm) gegen Timo Flieger (Dame und Läufer) schaffte Timo nur ein Remis und wir hatten 10.23 Uhr den zweiten vorzeitigen Bezirksmeister! Wieder mal ein u8- Titel! Wie schön! In der letzten Runde unterlag er dann Lino Heidenreich (SF Hettstedt).
Eine entscheidende Partie gab es auch für Maximilian Heimbach in der AK u10m gegen Eneas Nagel (SV Eintracht 1990 Bad Dürrenberg) am Spitzenbrett, im Kampf sogar um den Titel. Doch der Druck auf Maximilian war wohl zu groß. Ich hatte ihn noch kurz vorbereitet, aber sein Gegner war in dieser Partie einfach deutlich zu stark. Gleich am Anfang, im 9. Zug, verlor Maximilian eine Figur, im 18. Zug eine zweite, weil er einfach, vielleicht in der Aufregung, falsch rechnete. Das Ende war dann wieder ein Grundreihenmatt. Ich finde es aber toll, wie er, nach dieser schmerzlichen Niederlage, in der letzten Runde, noch einem alles gegeben hat. In einer denkwürdigen Partie traf er mit Weiß auf Gustav Reinhardt (SV Eintracht 1990 Bad Dürrenberg), gewann im 11. Zug den Läufer auf c5. Sein Gegner griff auf der offenen h- Linie mit Dame und Turm an, stand aber immer im Minus. Maximilian schien das gar nicht zu stressen, er baute an seiner Königsfestung. Insgesamt 5 Figuren und drei Bauern verteidigten den König, inzwischen sammelte Maximilian auf c6 die nächste Leichtfigur ein. Ich habe schon viel gesehen, aber so einen weißen Aufbau noch nicht! Gustav wickelte dann nicht gut ab und wurde dann, witzigerweise, mit Läufer und Turm, im 41. Zug, auch noch Grundreihenmatt gesetzt. Und nicht nur wegen diesem Schluss hat mich Maximilian bei diesem Turnier absolut positiv überrascht, auch wenn ihm eine Winzigkeit an der Medaille fehlte.
Diese war in der u12m für Theo Zeuner nicht das Ziel. Ich hoffe, dass er in einem großen Rucksack viel Erfahrung mit nach Hause genommen hat. Nach der Niederlage gegen Aik Klemens Ziegner (SF Hettstedt) traf er, in Runde 7, auf Valentin Koch (SV Eintracht 1990 Bad Dürrenberg) mit dem Ziel, doch noch einen Sieg zu erkämpfen. Und diese Partie war typisch für dieses Turnier. Er begann gut, gewann einen Bauern. Dann wurde er immer schneller, traf wichtige Entscheidungen falsch und unterlag, nach nur 22 Zügen, durch Grundreihenmatt! Die Erkenntnis ist: wenn er sich konzentriert und langsamer spielt, kann er immer mithalten.
So etwas ähnliches gilt auch für Knut Meurer. Im Gespräch mit mir in Heldrungen hat er seinen Leistungsstand sehr realistisch eingeschätzt. Er traf am letzten Tag auf zwei Spieler vom SV Saalespringer Halle. In der vorletzten Runde gab es, in 65 Minuten für 63 Züge, keine Probleme gegen Leif Sunderkötter und den zweiten Sieg. In der Schlussrunde war aber der spätere Vizebezirksmeister, Johannes Richter, viel zu stark und so blieb, mit Platz 7, nur ein Platz im Mittelfeld, im Rahmen der Erwartungen.
Den Schlusspunkt bei dieser BEM setzten, wie so oft, die „großen Mädchen und Jungs“. In der AK u16m/u18m ging es für unsere beiden noch um einiges, für Ali sogar um den Titel, im „Fernduell“ mit Hendrik Erath (SG 2011 Sennewitz). Doch die „Hürde ins Paradies“ war zu hoch. Johannes Thum (SV Motor Zeitz/ u18), der mich armen 1300er zu einer Partie herausfordern wollte, beherrschte das Feld sicher und auch Ali. Ich konnte mir seine verzweifelten Blicke während der Runde nicht mehr anschauen und nach zwei Stunden gab er den aussichtlosen Kampf auf. Nun musste man für die Gesamtwertung die u16 noch von der u18 trennen und da war plötzlich die allerletzte Partie des Turniers äußerst wichtig. Dort traf Hendrik Ehrath auf Frederik Fiedler. Die meisten Zuschauer prophezeiten ein Remis (Läufer gegen Springer), doch sie hatten, so wie ich, nicht auf Frederiks Uhr geschaut. Die Konstellation: bei einem Sieg von Frederik wäre Ali Bezirksmeister gewesen und Frederik Zweiter. Selbst bei einem Remis wäre Ali Erster gewesen. Doch Hendrik hatte, nach über 3 Stunden, das bessere Ende für sich als das Blättchen von Frederik fiel. Sehr schade, doch Silber und Bronze mit Spartakiademedaillen von Spartakus sind auch sehr erfreulich. Erfreulich ist auch, dass beide in Osterburg neu angreifen wollen. Chancenlos sind sie nicht!
Bleiben wir bei erfreulichen Dingen und kommen wir zu den Mädchenaltersklassen.
Mit Luisa stand ja die u10w Siegerin schon fest. Doch auch sie musste natürlich noch zwei Runden spielen, die Kür sozusagen, und die Frage, wo würde sie im Gesamtturnier landen. Gar nicht so einfach war die Aufgabe gegen Mia Görlich (SV Eintracht 1990 Bad Dürrenberg). 135 Minuten musste Luisa kämpfen (58 Züge). Doch am Ende hatte sie drei Figuren mehr, beachtete noch die Patthürde und gewann sicher. In der letzten Runde gegen Maja Ajana Sultan (SV Saalespringer Halle) fragte die Mutti schon: „Hast du sie nicht zu sehr gequält?“. 36 Züge bis zum 6. Sieg.
In der u10w/u12w waren dann drei Mädchen in allen Wertungen punktgleich. Blitzpartien mussten die Entscheidung bringen. Ich bin immer noch der Meinung, dass auch Luisa mit um den u12w Titel hätte blitzen müssen. Aber gut, die Turnierleitung hat anders entschieden und so mussten interessanter Weise Greta Müller und Kira Polivets in die Entscheidung. Greta gewann die beiden Partien (2:0) und Kira konnte die verständlichen Tränen bei der Siegerehrung nicht verbergen. Vielleicht hätte man auch zwei Pokale vergeben können?! Na, ja.
Das Turnier in der AK u14w dauerte bei den Mädchen am längsten. Der Kampf um die Medaillen endete erst 30 Minuten vor dem Ende der AK u16m/u18m. Doch zunächst löste die Vorjahresgesamtsiegerin ihre letzten Aufgaben souverän. Flora Greither gewann, nach 49 Zügen, durch Aufgabe, das Vereinsduell, gegen Sariana Hesse. In der letzten Runde kam die vielleicht viel schwierigere Aufgabe gegen ihre Freundin Mona Römmisch (SF Hettstedt), die zuvor die wichtige Partie gegen Nele Christoph (SV Merseburg) durch großen Kampf gedreht hatte. Doch Flora hatte, während der Partie kein Mitleid und gewann auch das 5. Spiel und wurde Bezirksmeisterin u14w. Das Rechnen um die Medaillen begann, vier Mädchen waren im Spiel. Malak hatte sich, in weiteren Vereinsduellen, gegen Frieda Behr, den dritten Sieg erkämpft, in der letzten Runde ein Remis gegen Sariana erreicht und richtig gerechnet: 3,5 Punkte reichten erneut zu Platz 2. Aber ich glaube, ganz zufrieden war Malak nicht. Aber darf sie denn überhaupt besser als ihr Bruder sein? Dieser wurde auch Zweiter. Ich finde das gerecht.
Großen Jubel gab es dann bei der Dritten in der AK u14w, Mona Römmisch. Drei Punkte in der zweiten Wertung entschieden für eine überglückliche junge Dame von den Schachfreunden, die ihren dritten Platz vom Vorjahr verteidigte.
Nicht so dramatisch und weniger problematisch war die AK u16w, weil es da nur unsere gab. Mit ziemlich großem Abstand zur Gesamtsiegerin (wieder 2 Punkte), hatte Sariana Hesse am Ende nur einen halben Punkt Vorsprung vor der Zweiten, Frieda Behr, die in der Schlussrunde, im Vereinsduell, Lea Franke deutlich besiegte. Lea selbst hatte in Runde 4 gegen Aikümüsch Sultan (SV Saalespringer Halle) gewonnen und wurde mit zwei Punkten Dritte.
Und dann gab es zur Siegerehrung noch einen 4. Mädchenpokal für den Roten Turm. Aber eigentlich auch nicht. Weil Herr Michael zwei Pokale zu wenig hatte, erhielt Noe Meurer, als u18w Siegerin, nur ein kleines Pokalschildchen, eine Urkunde und eine Goldmedaille von heute.
Bei der getrennten Siegerehrung wurden nämlich Medaillen aus der DDR-Spartakiadezeit (1983??) vergeben, von Spartakus, die Dirk Michael während seiner Jugendzeit gewonnen hatte. Komischerweise waren nur Silber- und Bronzemedaillen dabei. Hat den so einer starker Schachspieler, wie Dirk in seiner Jugend nicht auch mal gewonnen? Haben die Medaillen mit dem empfindlichen Aufhänger denn wirklich Sammlerwert? War die Siegerehrung DDR-Nostalgie? Gibt es bei der nächsten BEM Medaillen aus der Kaiserzeit? War nicht alles schlecht? Fragen über Fragen. Dennoch eine gelungene BEM und ich danke zunächst den Organisatoren und Helfern! Dann meinen Eltern, die mich toll unterstützt haben.
Man sieht sich!


