Der erste Tag, 03. Januar 2026
Was wäre die Schachwelt ohne Traditionen? Die BJEM in Heldrungen ist so eine. Seit genau 10 Jahren findet dieses Turnier nun schon, zum Jahresbeginn, auf der Wasserburg Heldrungen statt. Teilnahmegebühr 2016 war übrigens 64,00 Euro pro Teilnehmer, jetzt ist es mit 132,00 Euro mehr als das doppelte. 61 Teilnehmer waren es damals, hier trafen sich 2026 nun insgesamt 73 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Jahresauftakt.
Organisatorisch hat es das Team um Aaron Gröbel und Dirk Michael routinemäßig alles voll im Griff. Es gab nur wenig Verzögerung und mit 13.50 Uhr eine relativ zügigen Beginn. Zuvor wurden die AK u8m und die AK u10m zusammengelegt und das Mädchenturnier „getrennt“ in die „Großen“ (u14w-u18w) und die „Kleinen“ (u10w-u12w), ein u8w Titel wird 2026 nicht vergeben. Übrigens, den u8w-Titel vor 10 Jahren gewann Annabelle Fiedler in einem gemeinsamen Turnier mit den u8- Jungs.
Genug mit dem nostalgischen Rückblick. Schauen wir auf den insgesamt positiven Auftakt für unseren Verein und beginnen wir mit der AK u8m. Dort gibt es einen Vertreter vom SV Roter Turm Halle und das ist Mihail Priebe. Er startete mit zwei Niederlagen. Typisches Problem für diese AK ist das viel zu schnelle Spiel. In Runde 1 gegen Mats Dolezichs (SF Hettstedt) eröffnete er mit Weiß: 1. e4 e5 2. Dh5 und war dann mit Bauergewinnen erfolgreich. Einzügig eingestellte Figuren, vor allem durch nachlassende Konzentration, führten zur Niederlage. Auch in der 2. Partie gegen Leon Bergt (SV Saalespringer Halle), spielte er ab dem 17. Zug mit Figur mehr und droht Matt in 1. Beim Mattangriff stellte er aber auf g2 die Dame ein: „Ich habe den Turm nicht gesehen!“ Beim Südharzcup in Merseburg hatte er noch gegen ihn gewonnen.
Ganz anders verlief der Auftakt für Maximilian Heimbach. Gegen Franz Seidel vom Naumburger SV 1951 spielte er am längsten in dieser AK, über eine Stunde, mit vielen starken Zügen und Ideen. Mit dem Matt setzen tat er sich etwas schwer, doch am Ende stand der Erfolg nach 47 Zügen. In der 2. Runde gegen Tom Hebestadt (Klostermansfelder SC), immerhin Sieger des ersten Südharzcups, AK u9, spielte er fehlerfrei, gewann bereits im 8. Zug eine Figur. Sein Gegner gab, etwas überraschend, im 20. Zug auf. Sehr stark heute und damit morgen am Spitzenbrett!
Theo Zeuner hat in der AK u12m einen schweren Stand. Dann hatte er auch noch etwas Lospech und traf in Runde 1 auf einen der Favoriten, Darius Rümpler (SF Hettstedt). Schon in der Eröffnung geriet er mit 3. …f6? und 4. …Sh6? in Nachteil. Als ich das zweite Mal, 30 Minuten nach Rundenbeginn, in den Spielsaal kam, war das Brett fast leer. Theo befand sich in einem verlorenen Bauernendspiel mit 3 gegen 5 und war dann absolut chancenlos. Auch sein zweiter Gegner kam, mit Ryan Nette, aus Hettstedt, übrigens hinter ihm gesetzt. Aber auch hier stand, nach einer Stunde, nach zu vielen groben Fehlern, eine Niederlage.
Von Knut Meurer in der AK u14m habe ich weder den Notationszettel noch was von der Partie gesehen. „Ich habe verloren und nicht gut gespielt“, meinte er danach. Okay, sein Gegner Piero Heidenreich (SF Hettstedt), ist klarer Favorit dieser AK hier.
Souverän hingegen unsere beiden in der zusammengelegten AK u16m/u18m zum Auftakt. Ali Jamalli gegen Colin Oksas (SF Hettstedt) war mehr als deutlich überlegen und wunderte sich nur, dass sein Gegner nicht viel früher aufgegeben hatte, gab aber auch zu, etwas zu schnell gespielt zu haben (40 Züge in 70 Minuten).
Frederik Fiedler spielte am längsten an diesem ersten Tag, war aber ebenso klar überlegen wie Ali gegen Oleksandr Bakal (SV Eintracht 1990 Bad Dürrenberg).
Und nun zu weiteren schönen Dingen, nämlich zu unseren Mädchen. Das Mädchen-Open wurde ja geteilt. Bei den „kleinen Mädchen in der AK u10w/u12w traf Luisa Winkler, die selbst der Vati von Julian Brückner etwas beobachtet (sie hat der DVM „gut performt“ und hat sich „gut entwickelt“!) gleich auf Greta Müller (AK u12w). Und sie spielte eine starke Partie, ärgerte Greta manchmal und sah alle Drohungen der amtierenden Vizelandesmeisterin u10w, so besonders eine Mattdrohung im 37. Zug. Mit einer von ihr eingeleiteten dreifachen Zugwiederholung erkämpfte sie ein Remis und war zurecht stolz über diesen Bigpoint. In Runde zwei durfte sie, mit Farbwechsel, gegen eine u10- Gegnerin spielen. Sarah Scharf (SV Eintracht 1990 Bad Dürrenberg) stellte schon im 4. Zug mit dem Dauerfehler Sg5 eine Figur ein und wurde nach 19 Zügen Matt gesetzt. Guter Auftakt im Rundensystem. Ein u12- Mädchen haben wir, durch den Rückzug von Mathilda Ganssmüller und Lor Rached und die Augen-OP von Marie Franke (übrigens gute Besserung von hier!) leider nicht.
Bei den „großen Mädchen“ gab es die durchaus reizvolle Partie zwischen Flora Greither und Noe Meurer. Noe begann stark, hatte zwei Bauern mehr und wenn Flora nicht analysieren will, ist sie meist nicht zufrieden. Nach 46 Zügen setzte sich die Favoritin trotzdem durch. Es war eine Runde der reizvollen, ausgeglichenen Begegnungen, die meist durch grobe Fehler entschieden wurden. Sariana Hesse hatte gegen Nele Christoph (SV Merseburg) einen Geistesblitz nach 19. …Sc5?? und drohte nach 20. Dg4 Matt und Damegewinn. Nele gab sofort auf. Sehr ausgeglichen verlief die Partie Frieda Behr gegen Julia Kolditz (SF Hettstedt) Frieda, nach 20 Zügen mit +1,8 sogar im Vorteil, hatte im 24. Zug, in besserer Stellung, Remis angeboten und war dann aber mit 31. Txc5 zu gierig und wurde Grundreihenmatt gesetzt. Malak Jamalli hingegen gewann, relativ souverän, nach 54 Zügen, gegen Alevtyna Yatsuk (SV Eintracht 1990 Bad Dürrenberg) durch Aufgabe.
So lautet die Bilanz des ersten Tages für unseren Verein: 8,5 von 13, ganz gut!

