Traditionell ist diese Meisterschaft der Abschluss der Saison 2025/2026. Unser Verein ist seit langem wieder mal mit zwei Mannschaften dabei. Allerdings nur als Außenseiter, wie die Setzliste zeigt. Das Turnier
fand wieder in den Räumen der Uni Magdeburg statt und so gilt es, nach Bronze in der Bezirksliga Halle vor allem weiter Erfahrung zu sammeln. Aber vielleicht überraschen unsere 9 Kinder auch.
Zunächst schafften es erstmal alle superpünktlich nach Magdeburg um zu erfahren, dass die am Vorabend voreilig veröffentlichten Ansetzungen nicht stimmten. Unsere erste Mannschaft sollte eigentlich gegen die SG 1871 Löberitz I spielen. Der erste Gegner der Ersten hieß dann aber SF Hettstedt I, an Nummer 3 gesetzt. Es kamen sofort Gedanken an das furchtbare 0:4 in der Bezirksliga. Aber hier saß eine andere Mannschaft und so war nach einer halben Stunde alles ausgeglichen. Doch dann unterschätzte Davyd Neustroiev einen verspäteten Angriff auf f7 und unterlag im 18. Zug, nach 50 Minuten durch drei ungenaue Züge, Lino Heidenreich. 20 Minuten später nahm Maximilien Heimbach am 2. Brett, plötzlich und ohne Luisa zu fragen ein Remisangebot von Clemens Krumbein an. Er hatte im Endspiel Läufer gegen Springer (Max) praktisch zwei verbundene Freibauern und in der Analyse stellte ich fest: es war eine gute Partie von ihm und für uns gewonnen (+3,96 für Maximilian). So konnte ich mich über den gleichzeitigen ersten Sieg von Thorin Fischer in der 2. Mannschaft nicht so recht freuen und die nicht freundlichen Blicke von Luisa sprachen Bände. Luisa bot wenige Minuten später, mit Blick auf das 4. Brett, gegen Arne Stange, selbst Remis an. Dort spielte Paul Wittchen. Paul gewann bei einem Abtausch im 20. Zug eine Figur und stand danach mit 6,3 im Plus, vergab den großen Vorteil aber gegen einen aktiven schwarzen Turm, Sein Gegner ging mit zwei Mehrbauern ins Endspiel. Im 93. Zug war es allerdings mal dreifache Zugwiederholung = Remis. Am Ende musste Paul seinen Turm für einen Freibauern geben. Dann verlor er das anschließende Turmendspiel. Also zum Auftakt eine unverdiente 1:3 Niederlage für die erste Mannschaft.
Mit dem gleichen Ergebnis unterlag die zweite Mannschaft der SG 187 Löberitz I, trotz des Auftaktsieges von Thorin gegen Mark Reinhard, der nach Turmverlust aufgeben musste. Allerdings spielte die zweite Mannschaft in dieser Runde sogar etwas länger als die erste.
Mihail Priebe, mit Turm weniger, Till Bleuel und Mark Neustroiev hielten gegen den Favoriten (an Nummer 4 gesetzt!) lange dagegen, unterlagen aber am Ende deutlich. Die beiden 1:3- Niederlagen zum Auftakt warfen unsere Mannschaften an die letzten beiden Tische zurück. Und von dort startete die „Rakete mit 9 Kindern SV Roter Turm Halle“ neu! Mit zwei 4:0- Siegen und einer deutlichen Steigerung aller! Ich hatte mich entschieden, etwas durchzumischen und Maximilian Heimbach pausieren zu lassen. Plötzlich rutschte Mihail an Brett 4 in Mannschaft 1 und Alexander Heimbach (Brett 4) ins Team und auch der Sieger aus Runde 1, Thorin, durfte nochmal ran.
Die erste Mannschaft traf auf die SG Einheit Staßfurt II. Luisa gewann, bereits im 11. Zug, die Dame und nach 24 Zügen die Partie. Auch Paul, jetzt am 3. Brett, bekam, wie Luisa „Skandinavisch“, reagierte aber im 2. Zug mit Sc3. Mit guten Plänen und vielen Ideen, die er in der Analyse begründete, spielte auch er total überlegen und nutzte jede gegnerische Schwäche und gewann zunächst beide Türme und fand dann auch das Matt in 3. Überlegen spielte auch Mihail. Mit drei Figuren mehr fand noch ein originelles Matt in 2 mit Turm und drei Leichtfiguren. Es stand 3:0. Auch Davyd spielte ab dem 14. Zug mit zwei Leichtfiguren mehr, vor allem durch aggressive Bauern. Für das Matt opferte er noch einen Läufer. Ein deutliches 4:0.
Die zweite Mannschaft hatte den USC Magdeburg III als Gegner. Ich hatte mir etwas Sorgen um Till gemacht. Kann er zweites Brett spielen? Kann er! Er war, nach 9 Zügen und 23 Minuten der erste Sieger. Er gewann zunächst eine Figur und setzte mit der ersten Drohung Springer und Dame auf h7 Matt. Wenig später erhöhte Alexander Heimbach auf 2:0 und auch Mark konnte sich über seinen Matt nach 26 Zügen freuen.
Zum Schluss spielte wieder Thorin gegen Azin Khalaf. Erneut viele schöne Idee, Damegewinn durch Gabel schon im 10. Zug. Mich hat auch beeindruckt, wie konsequent er den Königszug (11. Kg2) gefordert hat als seine Gegnerin, im Schach, zweimal einen Turm ziehen wollte. Der Springer gewann noch zwei weitere Figuren. Mit vier Figuren mehr, hatte er den weißen König auf der ersten Reihe eingesperrt. Einfach wäre ein Matt mit dem 2. Turm gewesen. Aber Thorin ließ erstmal noch zwei Bauern bis auf die dritte Reihe marschieren. „Er muss sie ja nicht quälen…“ meinte ein Vati. Das muss Thorin wohl gehört haben. Trotzdem fand er, auch mit zentralen Läufer und dem 2. Turm ein schönes Matt. Ein überraschend klares 4:0 der Zweiten.
In der 3. Runde am Nachmittag traf unsere 1. Mannschaft auf die Schachzwerge Magdeburg II. Und es begann wieder nicht gut. Maximilian unterlag in Rekordzeit und nur 18 Zügen gegen Hordii Pylypenko (3. der LEM u8 2026). Er fand keine Verteidigungszüge gegen das aggressive Spiel seines Gegners. Nach 35 Minuten glich Davyd aus. Er hatte, nach 14 Zügen, beide Türme gewonnen, war deutlichen überlegen und fand ein schnelles Matt. Luisa gewann schnell einen Springer und spielte dann gegen Oskar Horn stark zu Ende.
Beim Stand von 2:1 kämpfte Paul um den Sieg gegen Martha Makrushina. Er hatte bis zum 22. Zug zwei Leichtfiguren verloren und stand eigentlich auf Verlust. Er startete dann mit dem h- Bauer zu einer neuen Dame. Doch der Bauer hätte, gegen Läufer und Turm, niemals durchkommen dürfen. Im 59. Zug hatte Paul dann seine neue Dame und dieses Endspiel Turm gegen Dame (Paul), fehlerfrei gespielt, wurde zum Höhepunkt. Paul sicherte mit seinem Matt nach 72 Zügen den 3:1- Mannschaftssieg.
Und die Zweite? Sie hatte mit der SG Einheit Staßfurt I einen genau so starken Gegner. Für Mihail war das kein Problem. Nach 10 Minuten hatte er einzügig die Dame gewonnen und wenig später setzte er, nach nur 12 Zügen, gegen Emilia Murzyn Matt. Mark hatte, durch eine Springergabel einen Turm gewonnen und spielte dann stark mit dem Turm und gewann durch Treppenmatt mit neuer Dame. Etwas unglücklich verlief die Partie von Till gegen Jan Murzyn. Till spielte sehr aktiv, trotzdem verlief die Partie eigentlich ausgeglichen. Bei Tills Blättchenfall stand er sogar leicht im Plus. Es stand 2:1, doch der Höhepunkt folgte noch. Am 4. Brett hieß die Paarung; Fiona Beck gegen Thorin Fischer. Eine reizvolle Paarung. Schnell hatte unser Jüngster drei Bauern mehr und spielte erneut stark. Im Endspiel verpasste er dann einige Chancen, doch seine Freibauern marschierten los. Wieder war es das letzte Pärchen im Saal. Fiona begann, in arger Zeitnot, plötzlich zu kämpfen und bei Thorin ließ, nach rund 4 Stunden Schach die Konzentration deutlich nach. Durch ein Schachgebot stellte er seinen Turm ein. Damit verbunden war auch noch ein regelwidriger Zug, den Fiona sauber reklamierte (der zweite verliert). Und Fiona begann, mit ihrem Turm, die Bauern einzusammeln, bis auf einen. Thorin begann mit zu blitzen, doch dann fiel ihr Blättchen und sie wies fair darauf hin. Thorins Sieg war damit letztlich etwas glücklich, aber es war eine tolle Partie!
Und auch unsere Zweite gewann damit 3:1. Was für Abschluss des ersten Tages!
Am Abend kamen die Ansetzungen der 4. Runde, die überraschten. Unsere erste Mannschaft bekam die SG Einheit Staßfurt II, die Zweite das Stadtduell mit dem SV Saalespringer Halle.
Für mich waren das überraschende Lose. Schweitzer System eben!
Zudem traten die Staßfurter, krankheitsbedingt, ohne 4. Brett an und Mihail war spielfrei. Und dann gab es einen schnellen und leichten Sieg für Paul gegen Kimberly Rogge nach 25 Minuten mit Damegeschenk und starkem Angriff auf die lange schwarze Rochade. Bei Davyd war es ein wirres Spiel. Er setzte auf einen Freibauer am Dameflügel und hatte schnell Erfolg. Mit neuer Dame setzte er Matt und bereits nach 35 Minuten stand es 3:0.
Und nach einer Stunde machte Luisa, total überlegen, nach 36 Zügen, das 4:0 perfekt!
Deutlich schwerer hatte es natürlich unsere 2. Mannschaft. Ich hatte vor allem zu langsamen Spiel gemahnt, doch Alexander unterlag schnell durch Treppenmatt. Zwischendurch gab es schon wieder Lob für unseren Allesgewinner Thorin, der schon wieder zwei Bauern gegen Sofiia Abahamou mehr hatte. Zur gleichen Zeit stellte Till gegen Maximilian Schewalje, im 11. Zug, die Dame ein, dann folgte eine Springergabel mit Turmverlust. Klare Sache an Brett 2. Zufrieden war ich mit der Partie von Mark gegen den klaren Favoriten Akyl Tilenbaev (DWZ: 1732). Er konnte lange mithalten und gab vielleicht sogar, nach 70 Minuten, etwas zu früh auf. Vor allem auch deshalb, weil sein 3. Brett natürlich noch spielte. Dort lief eine wechselvolle und teils chaotische Partie mit Figurengeschenken auf beiden Seiten und sogar mit einem regelwidrigen Springerzug von Thorin im Endspiel. Auf dem Brett waren Dame und zwei Türme (Sofiia) und Dame + Turm + Springer + Läufer (Thorin) und einige Bauern. Die Partie war interessant und natürlich war es wieder die letzte Partie dieser (zu schnellen) Runde. So nach 90 Minuten war Springer + Turm und zwei Bauern (Thorin) und drei Bauern + Turm (Sofiia) auf dem Brett. Spannend wars bis zu dem Punkt wo Thorin den Turm gewann, dann holte er sich schnell die neue Dame und nach genau 100 Minuten war sein vierter Sieg im vierten Spiel und die 1:3 Niederlage perfekt.
Was würde die letzte Runde bringen? Die Schachzwerge für die erste, wie im letzten Jahr (2:2)?
Nein! Es gab tatsächlich den Auslosungsknaller: SV ROTER TURM HALLE I gegen SV ROTER TURM HALLE II! Unglaublich, dieses Schweitzer System und eigentlich gar nicht möglich. Oder doch günstig für die Medaille? Ich war trotzdem unzufrieden, weil diese Auslosung der Manipulation Tür und Tor öffnet. Ich bereitete meine Kinder auf einen fairen Wettkampf vor mit der Meinung: Wenn die 1. Mannschaft eine Medaille will, soll sie gewinnen! Dann entschloss ich mich in beiden Mannschaften mit der (stärksten?) Stammbesetzung zu spielen. Ein entscheidender Fehler meinerseits wie sich später herausstellen sollte. Luisa hatte mich bei der Analyse gebeten, noch einmal in den Aufstellungen der 4. Runde zu spielen. Ich muss mir abgewöhnen, klugen jungen Mädchen, die vielleicht besser Schach spielen können wie ich, zu widersprechen!
An den Nebentischen liefen die wichtigen Spitzenpaarungen zwischen den SF Hettstedt I und der SG 1871 Löberitz I (2:2) und das Stadtduell USC Magdeburg I – Schachzwerge Magdeburg I (1,5:2,5). Aber schauen wir erstmal auf das ungeliebte Vereinsduell. Wie würde das Ende dieses wirklich guten Turniers für unseren Verein aussehen? Beim genaueren Hinschauen konnte man schon erahnen, dass das für unsere Erste gar nicht so einfach werden würde, wie es vielleicht aussah. Und so nahm die Tragik der Schlussrunde seinen Lauf.
Und warum sollte Thorin nicht auch sein fünftes Spiel gewinnen? Natürlich! Nach 25 Minuten gewann Thorin das 4. Brett gegen Paul und die zweite ging erstmal in Führung. Paul schenkte ihm mit dem unüberlegten, weil ungedeckten Schach 17. Dxg7 die Dame und unser Champion machte es dann nicht unter einem Dameopfer zum Matt im 27. Zug. Es ist eine unglaubliche, auch später leider nicht gewürdigte, Bilanz von Thorin: 5 aus 5 mit 6 Jahren bei einer LMM u10. Nach einer weiteren Viertelstunde stand es 1:1. Davyd hatte, übrigens auch nach 27. Zügen, gegen Till gewonnen. Davyd schloss das Turnier mit tollen 4 aus 5. Und kurz danach gab Mihail auf gegen Luisa; „Ich hatte fast eine Dame weniger…“ Die starke Partie von Luisa (auch mit starken 4,5 aus 5 am 1. Brett!) wurde durch eine Abtauschkombination im Mittelspiel entschieden und die Erste führte 2:1. Noch ein halber Punkt zur sicheren Medaille und Blick auf Brett 2. Aber der war problematisch, weil Maximilian, nach einer ersten kleinen Unkonzentriertheit im 18. Zug einfach die Dame eingestellt hatte. 11 Züge war das 2. Brett für Mark klar gewonnen und Maximilian kämpfte, vor allem, mit Läufer und Turm, weiter. Mark, vielleicht etwas zu sorglos übersah im 29. Zug einen Spieß mit dem Läufer und verlor ebenfalls seine Dame. Die Notation von Maximilian wurde besser und er hatte nur noch einen Bauern weniger (-0,8). Es war ein reines Nervenspiel zu mindestens für alle Beteiligten vom Roten Turm, ging es doch um viel. Ich konnte gar nicht mehr hinschauen und schaute auch nicht mehr hin. Ein weiterer Fehler des Trainers in diesem Krimi!
Als ich nach einer Stunde im Spielsaal war liefen nur noch wichtige vier Partien.
Unsere beiden zogen minutenlang ihre Türme. Maximilian gab Schach, hatte aber verstanden, dass er die Türme nicht tauschen durfte. Im 41. Zug bot er deshalb Remis. Das folgende wurde mir berichtet: Maximilian fragte Luisa vorher, Mark fragte Mihail und dieser lehnte ab. Drei Züge später war es dann kein Remis mehr. Mit einer weiteren Unkonzentriertheit schlug Maximilian schnell einen gedeckten Bauern mit seinem Turm und dieses Mal nutzte Mark die Siegeschance, gewann den Turm und verwandelte später einen Zentrumsbauer zur neuen Dame. Drei Züge vor dem Matt erlöste Luisa den verzweifelten Maximilian, nach 55 Zügen, von „der Quälerei“ wie sie sagte. Die letzte Partie des Turniers, „die über die Medaillenvergabe entschied“ (Martina Dannies) war vorbei und wir hatten die Medaille wegen einem Mannschafts- oder Brettpunkt verspielt. Einige sagten: „Du tust mir fast leid…“ (Dirk Michael) oder „Du müsstest einen Fairnesspreis bekommen.“ Nur den gab es ebenso wenig wie die Ehrung der Brettbesten. Enttäuscht? Nein! Unsere Kinder waren Spitze, nur nicht bronzene Spitze! Nach dem unglücklichen 4. Platz im Vorjahr wäre eine Medaille für Luisa, Davyd, Maximilian, Mihail und Paul ein schöner „Lohn“ gewesen.






