Erste Niederlage der Dritten
Draußen herrschte kaltes Wetter, doch in unserem Spiellokal in der Johannesgemeinde entstand eine gemütliche und warme Atmosphäre. Unsere zweite Mannschaft hatte an diesem Wochenende spielfrei, sodass wir den Raum ganz für uns nutzen konnten. Unser Gegner war die 2. Mannschaft SV Eintracht Bad Dürrenberg, die Begegnung des Ersten gegen Zweiter und damit das Spitzenspiel. Am Morgen hatte sich Philip überraschend krankgemeldet, weshalb ich kurzfristig eingesprungen bin.
Dadurch rückte Marek an Brett 2 auf, Malak spielte an Brett 3 und ich selbst übernahm Brett 4.
Brett 1 – Kevin
Am ersten Brett entwickelte sich eine gemächliche Partie. Kevin ließ sich viel Zeit und dachte angestrengt nach, während sein Gegner sehr zügig spielte und ein geschlossenes Stellungsspiel bevorzugte. Im Mittelspiel gelang es Kevin, seinen Läufer vorteilhaft gegen den gegnerischen Springer zu tauschen, was ihm zunächst eine angenehmere Position einbrachte. Doch trotz der vielen Bedenkzeit, die er investierte, übersah er später einen entscheidenden Abzug: Durch den Vorstoß eines gegnerischen Bauern mit Angriff auf Kevins Springer, wurde gleichzeitig Schach durch die Dame geboten. Dabei ging Kevins Springer verloren und in dieser unvorteilhaften Stellung gab er schnell auf.
Brett 2 – Marek
Am zweiten Brett spielte Marek die längste Partie des Tages und wählte einen klassischen, ruhigen Aufbau. Allerdings stellte er seine Dame früh in eine passive Ecke, was dem Gegner die Möglichkeit gab, zwei Leichtfiguren abzutauschen und Mareks König offenzulegen. Trotz dieses Vorteils nutzte der Gegner die Stellung nicht sofort aus, sondern baute seine Figuren langsam auf. Mareks Türme waren in dieser Phase nicht verbunden, und in dem Versuch, sie zu koordinieren, verlor er wertvolles Tempo. Zwar gelang es ihm, seine Bauernstruktur zu stabilisieren, doch sein Gegner behielt dennoch einen klaren Stellungsvorteil. In einer taktisch heiklen Situation bot Marek seinen Läufer an. Der Gegner durfte diesen eigentlich nicht nehmen, da sonst seine Dame vor dem König durch einen Turmzug gefesselt worden wäre. Allerdings bot diese Stellung eine Taktik, womit Mareks Läufer verloren gehen würde. Sein Gegenspieler übersah diese Möglichkeit, behielt aber trotzdem eine massiv vorteilhafte Stellung. Als Marek schließlich einen Damentausch anbot, reagierte sein Gegner überraschend und bot in dieser komplett gewonnenen Stellung Remis an. Marek nahm natürlich an und sicherte sich so einen äußerst glücklichen halben Punkt.
Brett 3 – Malak
Malak wählte einen normalen, soliden Aufbau, bei dem früh einige Bauern getauscht wurden. Doch ihr Springer rückte ungeschützt zu weit vor, was ihrem Gegner die Möglichkeit gab, mit der Dame einen Doppelangriff auf Bauer und Springer durchzuführen und anschließend auf b7 zu schlagen. Dadurch verhinderte er Malaks Rochade und gewann zwei Bauern. Um den Druck zu entschärfen, entschied sich Malak für einen Damentausch, doch ihr Gegner stand weiterhin deutlich besser, konnte selbst rochieren und verfügte über einen gefährlichen Freibauern. Im weiteren Verlauf tauschte Malak einen Turm, doch die Chancen, die Stellung noch auszugleichen, sanken mit jeder getauschten Figur. Der Gegner gewann weitere Bauern hinzu, forcierte den Abtausch weiterer Figuren und brachte Malak schließlich in eine ausweglose Lage. Sie musste sich geschlagen geben. Trotz der Niederlage kämpfte Malak tapfer am dritten Brett.
Brett 4 – Hannes
Am vierten Brett wurde ich mit einer mir vertrauten Eröffnung konfrontiert. Wir rochierten auf unterschiedlichen Seiten des Brettes, wodurch sich ein dynamisches Stellungsspiel entwickelte. Im Mittelspiel opferte ich meinen C-Bauern, was am Brett sehr gut aussah, um eine halboffene Linie gegen den gegnerischen König zu erhalten. Laut späterer Analyse handelte es sich dabei zwar um einen kleinen Fehler, doch dieses Opfer sicherte mir die Initiative. Mein Gegner verteidigte jedoch präzise und stand leicht besser, ehe er schließlich mit seinem Springer die Verbindung zwischen seiner Dame und seinem Turm unterbrach. Jetzt war die Stellung wieder ausglichen. Ich griff die Bauern vor dem gegnerischen König mit meinem Turm, auf der offenen C-Linie an und zog meinen Läufer mit Tempo hinzu. In dieser kritischen Position verpasste mein Gegner den einzigen rettenden Zug und schlug stattdessen einen Bauern. Dadurch konnte mein Turm mit Schach in die gegnerische Bauernstruktur eindringen, und durch einen forcierten Abzug gewann ich die seine Dame, ohne etwas dafür geben zu müssen. Danach war das Ende der Partie nur noch Formsache und ich konnte den Punkt sicher einfahren.
Fazit
Am Ende mussten wir uns mit 1,5 zu 2,5 geschlagen geben. Unsere Spieler waren an diesem Tag nicht in Topform, doch der Mannschaftskampf verlief fair und in guter Atmosphäre. Durch die kurzfristigen Verschiebungen in der Aufstellung fiel für einige von uns auch ein Teil der Vorbereitung weg, weil wir plötzlich mit einer anderen Farbe spielen mussten. Für die Rückrunde bleiben wir dennoch optimistisch, wollen wir den Spieß umdrehen und den Sieg holen.
Hannes Haußmann