Starkes Turnier unserer Jüngsten ohne die Krönung!
Nach den Norddeutschen Vereinsmeisterschaften folgte nun in diesem „verrückten September“ die verspätete LMM u10, die eigentlich noch in die alte Saison (Mai oder Juni) gehört. Aber egal, die Organisation und die Teilnahme an solchen Veranstaltungen auf Landesebene wird, aus meiner Sicht, für die Vereine immer schwerer. Nicht nur das herrschende Verkehrschaos in und zwischen Halle und Magdeburg, sondern auch die weiter steigenden Kosten waren Stressfaktoren. Nach dem Scheitern meiner Bemühungen um eine 2. Mannschaft hatte ich mich entschlossen, mit 5 Kindern nach Magdeburg zu fahren. Mit dem „Auffüller“ USC Magdeburg III waren es immerhin stolze 20 Mannschaften (2023 in Magdeburg waren es 14, 2024 in Halle 16). Allerdings täuscht diese Rekordzahl etwas, weil die Zahl der Vereine 2025: 10, faktisch stagniert.
Sei es, wie es sei, ich war erstmal heilfroh, dass wir pünktlich in der Landeshauptstadt angekommen waren, das gelang nicht allen. Aber nachdem auch unsere Schachfreunde aus Bad Dürrenberg die Magdeburger Baustellen bewältigt hatten, ging es mit 20 Minuten Verspätung los.
Unser erster Gegner waren gleich die Schachzwerge Magdeburg, allerdings die 2. Mannschaft. Und es sah, nach einer Dreiviertelstunde eigentlich ganz gut aus, nur Theo Zeuner, am 3. Brett, hatte schnell zwei Figuren weniger. Auch Luisa daneben verlor zu Beginn eine Figur gegen Yven MuQing Zhou, hatte aber einen schönen Mattplan. Schon stand es 1:0. Florian spielte eigentlich stark gegen Daria Litvinchuk, hatte eine Figur mehr. Doch beim gegnerischen Mattangriff am Königsflügel reichte ein kleiner Fehler und seine Gegnerin fand das Matt in 3.
Sascha Sen, das einzige Mal an Brett 4, spielte ruhig und konzentriert und beherrschte die Partie, hatte aber jetzt die Verantwortung für die Mannschaft. Und nach langen 90 Minuten kam das Matt im Endspiel König + Dame gegen König zum 2:2.
In der 2. Runde ging es etwas schneller. Der Gegner hieß SV Eintracht Tangerhütte II und Florian startete aktiv, gewann schnell Material und die Partie. Überraschend dann das Remis am 3. Brett durch Sascha. Er hatte wohl in der Eröffnung einen Springer verloren und spielte sofort auf Dauerschach mit Läufer und Dame (f7, e6) Ich wollte eigentlich etwas mit ihm schimpfen, aber strategisch war es sogar schlau. Sascha hatte auf Luisas Brett geschaut. Unser starkes 2. Brett hatte früh, durch ein Abzugsschach im 14. Zug, die Dame gewonnen und spielte gegen Hanna Lippok einfach stark. Nach einer Stunde führte unsere Mannschaft mit 2,5:0,5. Aber Neuling Maximilian Heimbach war noch längst nicht fertig, sondern steigerte sich von Zug zu Zug mit vielen interessanten Plänen gegen Hanna Meier, immerhin Dritte der LEM u8. Er gewann seine Partie, nach 90 Minuten!! durch ein Matt mit Dame und Läufer. Also 3,5:0,5, der erste Sieg.
Trotz oder gerade wegen der hohen Temperaturen im Spielsaal: unsere Mannschaft war jetzt warm gespielt. So entschloss ich mich, ein „winning Team“ nicht zu verändern, wie es in einem alten Trainerspruch heißt, und freute mich auf die SG 1871 Löberitz. Ein Traditionsverein, der sich für lange Zeit aus den Jugendlandesligen- oder Meisterschaften verabschiedet hatte. Und auch die Löberitzer kamen mit „Prominenz“. Am 2. Brett spielte Lukass Schütze, immer Landesvizemeister in der LEM u8. Bei der LMM u10 ein „Fall“ für Luisa. Um es vorwegzunehmen, nicht nur durch das spätere 4:0 war es eine großartige Mannschaftsleistung! Zum Beispiel mit starken Spitzenbrettern. Luisa spielte nicht nur gegen Lukass Schütze, sondern auch mit ihm. Zu viele Fehler des Löberitzer Talents gegen eine fehlerfreie Luisa, die hier ihre ganze Erfahrung von Prora einbrachte. Auch Florian, wieder sehr aktiv und angriffsstark mit seiner besten Partie hier gegen Fynn Mederake (4. der LEM u8, übrigens knapp vor seinen Bruder Till). Und die schnelle 2:0- Führung und ein überlegen spielender Sascha zum zwischenzeitlichen 3:0 nach 50 Minuten. Am längsten spielte erneut Maximilian, immer konzentriert in einem etwas komischen Endspiel mit allen Leichtfiguren bei Weiß und Schwarz. Aber auch das meisterte Maximilian und da war er: der erste (und einzige) 4:0 Sieg zum Abschluss des ersten Tages. Eines langen ersten Tages, weil die chaotischen Zustände zur Mittagspause (mit anstehen!) hatten den Ablauf erheblich verzögert.
Neuer Tag, neues Glück, heißt es. Ich setze mal dazu: mit sehr starken Gegnern. Dazu kam am Morgen noch ein Rückschlag. Florian ging es nicht gut, er konnte nicht spielen (und war wohl sehr traurig). Kurzfristige musste Maximilian, den ich am zweiten Tag gar nicht einsetzen wollte, „aktiviert“ werden und so waren es zu Beginn der 4. Runde wieder vier „Rote Türmer“, die gegen den USC Magdeburg I am Brett saßen. Luisa wurde kurzerhand zur Kapitänin gemacht (sie wollte das!) und es ging los. Und diese (neue) Mannschaft zeigte unglaublichen Charakter, das Fehlen unseres stärksten Spielers war in keiner Phase zu spüren. Ich gebe allerdings zu, dass die Rolle von Theo am 2. Brett eine sehr undankbare war (dazu nochmal später). Die Gegner, die er bekam waren für Theo nicht zu schaffen. Aber auch er erfüllte seine Aufgabe vorbildlich. Seine Gegnerin in dieser 4. Runde war Alona Dobrynina (DWZ: 1036 und DEM-Teilnehmerin) und er kämpfte rund eine Stunde, leider vergeblich, nach kleinen Fehlern. Doch da sind ja noch drei andere und nach einer Stunde standen wir an den anderen Brettern zum Teil deutlich besser. Speziell Luisa steigerte sich am Spitzenbrett gegen Fabio Hahn. Dieser hatte in der 3. Runde immerhin Johannes Rössling (Schachzwerge Magdeburg) am Spitzenbrett besiegt. Und dann kam eine strahlende Luisa. Das passiert gar nicht so häufig, weil sie oft „neutral“ guckt, auch wenn sie gewinnt. Doch der klare und deutliche Sieg mit Läufer und Turm hat Glanz nach 90 Minuten und brachte uns das 1:1. Ich fühlte mich zu dieser Zeit wieder zurück in Prora, mit dem Stolz, was unserer Kinder hier leisten!
Wenig später brachte uns ein total überlegen spielender Sascha mit Treppenmatt in Führung.
Maximilian, wieder an Brett 4, stand deutlich auf Gewinn mit Schwarz. Seine Gegnerin, Alina Dobrynina, immerhin aktuelle Landesmeisterin u8 und ebenfalls Teilnehmerin an der Deutschen Einzelmeisterschaft 2025, dazu mit 200 DWZ-Punkten mehr ausgestattet, beschränkte sich darauf Maximilian mit Schachs zu ärgern. Es wurde ein Nervenspiel. Auf dem Brett waren zwischenzeitlich: K + D + T und zwei starke schwarze Freibauern auf der 2. und 3. Reihe gegen K + T + L + drei Bauern. Es war die letzte Partie der gesamten Runde und es unglaublich spannend. Um das 4. Brett, was sich auch noch am Gang befand, standen zeitweise 8 Zuschauer, auch eine neue Erfahrung für unseren Neuling. Für einen Bauerngewinn stellt er zunächst einen Turm ein. Doch selbst dann war die Partie noch gewonnen, mindestens Remis. Alina nervte weiter mit Schachs mit Läufer und Turm, doch auch Maximilian hatte vorher zweimal Matt gedroht. Nach über 90 Minuten stellte er leider, weil viel zu vorsichtig, einzügig die Dame ein. Der Rest war dann natürlich Formsache, obwohl er noch zehn Minuten vorbildlich weitergekämpft hat. Er wurde mit neuer weißer Dame und König Matt gesetzt. Ich kann ihm gar keinen Vorwurf machen, obwohl es natürlich bittere Tränen nach diesem schachlichen Drama gab. Er hat sich um den Lohn einer tollen Partie gebracht, aber so ist es manchmal im Schach. Interessant wäre auch die Frage gewesen, was die Magdeburgerin bei einem Remisangebot von Maximilian getan hätte.
Nur eine Viertelstunde Pause. Als man dann in den Spielsaal kam, wussten wir noch nicht mal, gegen wenn wir spielen. Es waren die Schachzwerge Magdeburg I an Tisch 1. Und auch hier nehme ich vorweg: die Mannschaft bot noch einmal einen großen Kampf gegen die Superfavoriten, übrigens verstärkt mit Jonas Schulze (Vizelandesmeister u10, bis Juni 2025 bei der SG Klötze-Süd), gewechselt wahrscheinlich bis zum 15. Juli. Ach, deswegen spielen wir die Landesmannschaftsmeisterschaft u10 nicht in der alten Saison, sondern erst im September der neuen, damit man sich nochmal kräftig verstärken und wechseln kann? Im Fußball heißt das glaube ich, ablösefrei wechseln?
Na, ja, an den ersten beiden Brettern also Landesmeister und Vizelandesmeister u10 von 2025 und das dritte Brett der Schachzwerge wurde ja auch nur Fünfter besagter LEM in Osterburg. Ein Problem für unsere tolle Mannschaft? Jein! An den Spitzenbrettern schon. Immerhin hatte der wirklich bedauernswerte Theo nur die halbe DWZ von seinem Gegner und für Luisa kommt Johannes Rössling vielleicht etwas zu früh!
Dann kam Gavin Güldenpfennig: „Deine Bretter 3 und 4 stehen auf Gewinn!“ und tatsächlich unsere Mannschaft hielt dagegen! Theo musste nach 35 Minuten kapitulieren.
Maximilian, mit zwei Figuren mehr, Sascha deutlich überlegen gegen Carl Funke gewann das 3. Brett wieder mal mit Treppenmatt und beendete diese Meisterschaft mit 4,5/aus 5. Großartig!
Es liefen noch drei Partien.
Im Mittepunkt stand zunächst wieder Maximilian. Seine Leistung, seine Partien, hier in Magdeburg haben mich beeindruckt, er spielte weit über den Erwartungen. Allerdings setzte sich eine weitere „schlechte Tradition“ fort. Wieder stellte er (kurz unkonzentriert) einen Turm ein. Doch dann gewann er die weiße Dame durch ein Schach mit der Dame, verwandelte einen Bauern in einen Turm und setzte ebenfalls Treppenmatt und plötzlich führte der Rote Turm sogar mit 2:1 und Luisa spielte zum Schluss. Allerdings geriet sie gegen Johannes Rössling (rund 500 DWZ-Punkte mehr) unter Druck. Und irgendwann stand, mit dem 2:2, der neue und alte Landesmeister und auch der Vizelandesmeister fest.
In der letzten Partie (Fabio Hahn gegen Greta Müller) ging es nur noch um Platz 3, um den letzten Qualifikationsplatz und natürlich um Bronze. Drei Mannschaften waren im Spiel: der SV Rote Turm Halle, der USC Magdeburg und die SF Hettstedt, vor dieser 5. Runde auf Platz 2. Der USC Magdeburg führt mit 2:1. Und das große Rechnen begann. Greta musste gewinnen und lehnte deshalb Remisangebote ab. Doch am Ende, nach fast zwei Stunden, setzte sie sich durch und unserem Verein fehlte ein Brettpunkt an der Medaille. Ich gratulierte Dirk Michael. Für die Hettstedter quasi ausgleichende Gerechtigkeit war man doch im letzten Jahr, ebenfalls mit 7:3 Punkten, wegen einem fehlenden Brettpunkt am USV Halle I gescheitert und nur Vierter geworden. Für uns ein etwas unglückliches Ende. Aber ich bin stolz auf dieses Quintett, das den 9. Platz vom letzten Jahr deutlich verbessert hat.
Herr Heimbach gratulierte mit noch im Bahnhof für ein „erfolgreiches Turnier“. Dem ist nichts hinzuzufügen!


