2. Tag
Unser erster Gegner heißt Königsspringer Hamburg, eine Verein gegen den wir bisher (in allen Altersklassen) noch nie gespielt haben. Und mit Weiß an Brett 1. Nach etwa vier Stunden gab es klares 4:0 für die Hamburger.
Unsere Gegner begannen vorbereitet sehr aggressiv, doch chancenlos war das Quartett nicht. Besonders Mark Neustroiev am 3. Brett spielte stark und hatte bis zum 20. Zug Vorteile (+1,6). Dann allerdings übersah er einen Spieß mit Turmverlust und nach einem eingestellten Läufer im 31. Zug musste er leider aufgeben. Bei seinem Bruder Davyd kam der Fehler etwas früher. Durch eine Springergabel auf c7 mit Turmverlust geriet er schon früh ins Hintertreffen und sein Gegner spielte in der Folge mit dem Matt. Davyd musste zur Mattabwehr schließlich Dame und Turm geben und gab dann, im 32. Zug auf. Nach zwei Stunden lag die Mannschaft mit 0:2 im Rückstand. Doch auch Florian Bleuel und Sascha Sen kämpften an den Spitzenbrettern. Florian hatte im Endspiel mit einem starken weißfeldrigen Läufer und einem Turm gegen zwei weiße Türme das Remis im Blick. Doch sein Gegner spielte das mit einem Freibauern stark und aktiv und setzte, mit neuer Dame im 72. Zug, sogar Matt. Fast 4 Stunden kämpfte Sascha Sen. Doch auch er unterlag. Somit also eine deutliche Niederlage zu Beginn. Nicht so toll fand ich auch, dass Tim Weickardt im Ersatzspielerturnier auch noch spielfrei hatte (und somit den einzigen, kampflosen) Punkt holte. Er spielte gegen eine Trainerin, doch so richtig Spaß gemacht dürfte ihm diese Partie mit Weiß nicht gemacht haben.
In der Nachmittagsrunde hieß der Gegner (Hannoverscher Schachklub) HSK Lister Turm. Laut Homepage der größte Schachverein Hannovers. Mal sehen. Es war eine schnellere Runde als die erste, aber was für eine! Als erster kam Mark vom Ersatzspielerturnier: Dame eingestellt, weil mit der falschen Figur geschlagen. Als Zuschauer wurde er gleich zum Ärgernis. Er soll am 3. Brett bei seinem Bruder vorgesagt haben. Schiedsrichter Aaron Gröbel sprach mit uns ernste Worte und Mark durfte dann nicht mehr in den Spielsaal. Kurz vorher hatte Tim verloren. Irgendwie war im Mittelspiel ein Springer verlorengegangen, im Endspiel musste er die starke Dame tauschen und das entstandene Turmendspiel war für Victoria Richter, da liegt der Sieg ja schon im Namen, Formsache. Doch schnell kam der Ausgleich mit einer starken Partie von Sascha. Das Springerendspiel mit je 6 Bauern gegen Elias Waltsgott spielte er perfekt. Sein Vati wusste das schon lange vorher und wartete im Park. Doch er sollte ein grandioses Finale verpassen! Florian und Davyd spielten noch. Florian, ebenfalls mit schwarzem Springer weniger, hatte von Beginn an Probleme und im Endspiel keine Chance. Daneben hatte Davyd eine völlig festgefahrene Stellung im Doppelturmendspiel und frage mich die schwere Frage: „Darf ich Remis anbieten?“ Auch noch ein ungültiges Remisangebot nach dem Drücken der Uhr. Ich musste lange nachdenken, war aber dann doch der Meinung, dass nichts mehr geht und sagte: „Ja“. Doch zu meiner großen Überraschung lehnte der Gegner von Davyd schnell ab. Na dann man los. Was dann aber auf dem Brett abging, übertraf alle meine Erwartungen! Davyd begann plötzlich mit seinem beweglichen Turm etwas zu riskieren. Fast jeder Zug war ein „Treffer“. Es war ungeheuer spannend. Davyd gewann einen wichtigen Freibauern und lief mit einem Randbauern selbst los. Mit einem 2. Bauern kam sein Gegner, Marlon Rieche, doch zur Dame. Schon jubelten die Kinder vom Lister Turm. Doch David gewann mit starken Zügen geschickt die Dame und spielte dann mit zwei schwarzen Freibauern mit seinem Gegner als wenn er den ganzen Tag nichts anderes macht. Bis zum Matt mit neuer Dame nach 76 Zügen und über zwei Stunden. Absolute Gänsehaut, Glücksgefühle und der erste, hart erkämpfte Mannschaftspunkt mit dem 2:2! Nach Analysen und dem Abendessen ging es fast traditionell zur Elbe, die wirklich sehr wenig Wasser hat. Vier Runden Tandem beschlossen den Tag im Analyseraum. Sehr nett fand ich auch die schachlichen Hinweise des Trainers von Königsspringer Hamburg zu den Eröffnungen von Davyd und Mark. Muss man darüber nachdenken und mehr für Eröffnungen tun.
Und dann steht unser nächster Gegner fest: SK Doppelbauer Kiel.
