Der 28. Dezember 2025, die Runden 3 und 4
Ein sonniger, aber kalter Tag in Neumünster.
Die Aufgabe gegen die Berliner Weisse Dame war eine interessante und reizvolle zugleich. Es war wieder so ein Wettkampf zwischen 4:0 und 0:4 ist alles möglich, eine wegweisende Begegnung.
Und auch Lor bekam, im Ersatzspielerturnier, eine interessant Gegnerin zugelost: Vaishnevi Sharma vom Düsseldorfer SK.
Aber zurück zur Mannschaft: am 1. Brett ging es, wieder etwas zu schnell, gleich richtig zur Sache. Flora traf auf Katharina Andreeva, immerhin 16. der DEM 2025, AK u10w. Flora ärgerte ihre Gegnerin mit dem gefesselten e- Bauern und verhinderte die weiße Rochade, sehr früh wurden die Damen getauscht, so dass auch Flora nicht mehr rochieren konnte. Auch am 2. Brett ging es recht zügig. Luisa traf auf die Gastspielerin, Sanaa Maria Bathmann vom SC Caissa Falkensee und hatte einen Superangriff auf die schwarze Königsstellung. Hier war viel mehr drin. Schwarz kam erst spät zur langen Rochade, doch im weiteren Verlauf verlor Luisa einen Bauern. Dann spielte sie mit zwei verbundenen Freibauern sehr aktiv. Kira hatte vielleicht die schwerste Aufgabe, traf auf Frieda Helbig, 7. der DEM 2025, u10w.
Mathilda begann eigentlich gut, stellte aber dann, leicht unkonzentriert, einen Turm ein.
Doch nach 90 Minuten ging es dann alles sehr schnell. Luisa wurde, im 69. Zug sogar Matt gesetzt und war sehr enttäuscht. Wenig später gab Kira, mit Turm und zwei Bauern weniger, auf. Hier hatte es, im 23. Zug von Schwarz, ein „Berührt-geführt“ Problem gegeben. Kira berührte den Turm auf d8 und die Gegnerin forderte den Turmzug mit der Folge, dass zwei Figuren verlorengingen. Das entschied diese Partie sofort und wir lagen 0:2 zurück. Auch Mathilda kam wenig später mit einer Niederlage. Auch sie musste, nach 39 Zügen gegen zwei Türme aufgeben. Lichtblick in dieser Runde war Flora. Mir hat sehr gefallen, mit welcher Leichtigkeit und überlegt sie ihre Partie spielte. Im Endspiel waren hier jeweils zwei Türme auf dem Brett, doch Flora hatte die besseren und gewann dann einen der beiden weißen Türme. Ihre Gegnerin gab faktisch auf und Flora setzte, nach 51 Zügen, ohne große Gegenwehr, Matt. Also dieses Mal eine (relativ schnelle) 1:3 Niederlage gegen die Berliner, allerdings natürlich in völlig anderer Besetzung.
Diese 3. Runde dauerte insgesamt sehr lange, weil die Spitzenpartie bei der Schachzwergen gegen Plauen (4:0) fast fünfeinhalb Stunden dauerte.
So stand unser nächster Gegner erst gegen 14.00 Uhr fest: die SG Leipzig. Für Vorbereitung war wenig Zeit und schon ging es pünktlich in die Runde.
Es wurde eine unglaubliche Runde und nichts für schwache Nerven. Und es zeichnete sich erneut ein harter Kampf ab. Schnell waren komplizierte Stellungen auf den Brettern entstanden. Bei Lor, jetzt an Brett 4, hatte gegen Clara Baumgärtel gut begonnen: „Ich bin mit 1. d4 d5 gut zurechtgekommen…“. Trotzdem hatten die beiden die Stellung total „zugebaut“. Es gab keine offenen und halboffenen Linien. Lor startete trotzdem einen durchdachten Angriff, gewann sogar einen Turm, hätte in zwei Zügen Matt setzen können, stellte aber im 36. Zug einzügig die Dame ein. Jetzt hieß das Spiel: zwei schwarze Türme von Lor gegen eine unglaublich aktive weiße Dame. Lor zog in entscheidenden Situationen viel zu schnell, verlor Bauer um Bauer ohne aktiveres Gegenspiel. Sie wollte schon aufgeben. Doch so nach 90 Minuten zog der „Geist von Prora“ in die gesamte Mannschaft, es ging ein wie ein Ruck durch das Quartett. Man spürte es beim Zuschauen und konnte eigentlich nicht mehr hinsehen. Es war ein völlig anderes Team als am Vormittag. Lor begann plötzlich zu kämpfen, das Zusammenspiel mit den beiden Türmen und einem Springer gegen Dame und Springer war fast perfekt. Auf einmal drohte sie selber Treppenmatt. Doch zuvor hatte sich der a- Bauer von Weiß in eine zweite Dame verwandelt. Doch durch die Mattdrohung von Lor musste Weiß die eine Dame gegen einen Turm tauschen. Was blieb war das perfekte Zusammenspiel zwischen Springer und Turm gegen die Dame und zahlreiche weiße Bauern. Lor stellte ständig neue Abzugsdrohungen auf, gewann damit Bauern und im 84. Zug (Td7+) die Dame! Die Partie kippte nun völlig und am Ende setzte Lor selber, nach über 3 Stunden, mit zwei schwarzen Damen Matt! Ich werde diese Partie, mit 106 Zügen nie vergessen und musste Lor, nach der Partie für ihren großen Kampfgeist, mal kurz drücken!
Kurz gedrückt hatte ich kurz zuvor auch Luisa. Sie hatte ein schwieriges Endspiel mit jeweils Dame und Turm und allen 8 Bauern gewonnen. Ich hatte während der Partie große Bedenken. Ich weiß ja, man soll seinen Mädchen vertrauen. Ihre Gegnerin, Malina Rita Rose, spielte eigentlich stark, hatte nach 50 Zügen einen Bauern mehr, doch Luisa mit ihrem Willen zum Sieg war stärker! Sie gewann im 56. ,57. und 60. Zug drei wichtige Bauern zurück und spielte dann das Turmendspiel stark zu Ende.
Was für Luisa an diesem Abend galt, galt im Besonderen auch für Flora gegen Klara Bacakova (34. der DEM 2025, AK u12w). Floras Stellung war über die gesamte Partie remisähnlich und ähnelte der von Luisa. Remis hätte ja für den Mannschaftssieg gereicht. Doch Flora wollte auch gewinnen! Auf dem Brett waren je ein Turm und ein Freibauer. Flora machte das sehr gut, war ein Tempo schneller. Weiße Dame auf a8, weißer König auf c8, schwarzer König auf e2 und Bauer auf der vorletzte Reihe (f2). Auch das noch! Vor vier Wochen im Donnerstagstraining geübt, wohl auch bei Aaron im Georg-Cantor-Gymnasium, wie Flora mir nach der Partie sagte. Ein Schluss fürs Lehrbuch über 16 Züge, auch mit schwarzen Fehlern, endete mit der Aufgabe der Leipzigerin! Flora brauchte übrigens „nur“ 105 Züge, einen weniger als Lor!
Blieb noch Kira, mit Turm mehr. Auch sie kämpfte toll, unterschätzte aber den schwarzen Gegenangriff und verlor dabei ihren Mehrturm, tauschte dann den zweiten ab. Es blieben 3 Mehrbauern und die stärkere Leichtfigur gegen sie. Kiras mutiger Springer wurde zum Schluss sogar gegen eine Dame getauscht, trotzdem setzte ihre Gegnerin, Mira Dennhardt, mit etwas Mühe, mit zwei Damen, nach über 4 Stunden, schließlich Matt. Ich gratulierte Kiras Gegnerin und beendete damit eine denkwürdige 4. Runde.
Übrigens: die Schachzwerge Magdeburg unterlagen, überraschend hoch, mit 0:4 gegen SK Bad Homburg.
Wir rücken morgen wieder einen Tisch nach vorn und treffen auf die SF Brackel.

