Norddeutsche Vereinsmeisterschaft 2021 in Magdeburg (19.9.)

Der 1, Tag, 16.09.2021

Früher begann der Tag bei so einer Mannschaftsmeisterschaft mit Aufstehen-Frühstück-Schach. In Zeiten von Corona beginnt der Tag mit Selbsttests-Maske suchen-Listen abgeben.
Tatjana Melamed sah das zwar weitaus optimistischer und tatsächlich ist es ja gut, dass es diese Meisterschaft gibt und es endlich wieder beginnt.

Georg

Georg

Der Wettkampf gegen den Vertreter Brandenburgs, SV Hellas Nauen, begann sehr gut. Nach knapp einer Stunde hieß es: Solide-ideenreich-Georg! Georg Spinka spielte zunächst sehr solide und theoretisch in der Eröffnung, dann sehr aktiv, nutzte aber einen möglichen Figurengewinn nicht. Doch sein Gegner, Ersatzspieler Gianluca Vogt, verspekulierte sich dann zweimal und gab, nach 24 Zügen, auf. Unser Quartett lag in Führung. Knapp drei Stunden später waren auch die drei anderen Partien beendet. Zunächst hatte Nelly, mit zwei Mehrbauern, ihr Endspiel gegen Lui Wahl, nach 57 Zügen, sicher gewonnen. Sie behauptete zwar, dass sie nicht wüsste, wie man gegen Damengambit spielt. Doch damit hatte sie ein wenig geflunkert, denn schon nach 15 Zügen stand sie eindeutig besser. Das war bei Jaron an Brett 3 nicht so. Lange Zeit blockierten sich vor allem die Bauernketten und es ging wenig. Erst als sein Gegner im 33. Zug seine beste Figur einstellte (Jaron konnte einen Läufer fangen), waren wir auch hier klar auf der Siegerstraße. Zwar warnte Martina Dannies, dass Jaron aufpassen müsse. Doch am Ende hatte er zwei Springer mehr und brauchte fast genauso viele Züge wie Nelly um den Mannschaftssieg zu sichern. Anton war zunächst im Schwerfigurenendspiel, dann im Bauernendspiel gegen Silas Sinka. Er machte sich etwas Vorwürfe, dass es für ihn gewonnen wäre und lehnte auch ein Remisangebot ab. Doch am Ende nahm er es, wohl zurecht an und der 3,5:0,5 Sieg stand fest. „Ein guter Auftakt“ meinte Matti und er hatte recht.

Die Folge eines solchen Auftaktes ist immer ein starker Gegner. Die Auslosung kam sehr spät, 13 Minuten blieben für die Vorbereitung auf das Landesduell mit den Schachzwergen Magdeburg. Eine Mannschaft mit drei Teilnehmern an der DEM 2021 und einer Deutschen Vizemeisterin in dieser Altersklasse. Der Auftakt ganz gut, mit vier verschiedenen Eröffnungen.

Nelly

Nelly

Mannschaftskämpfe gegen die Schachzwerge waren in den letzten Jahren immer hochklassig und vor allem sehr spannend. So war es auch dieses Mal. Nach zwei Stunden war gar nichts entschieden und alles sehr ausgeglichen. Nelly stand, bis zum 30. Zug, sogar besser gegen Arne Herter (zeitweise mit fast +1,0). Zeitprobleme gab es aber zunehmend an den Brettern 3 und 4. Deshalb durfte Georg, der bis zum 30. Zug immer im Plus gestanden hatte, mit nur noch drei Minuten auf der und 6 Zügen vor der Zeitkontrolle Remis anbieten, was angenommen wurde. Nach dreieinhalb Stunden endete auch das Spitzenbrett zwischen Anton und Saskia Pohle Remis (am Ende +0,01 für Saskia). Es waren ungleichfarbige Läufer auf dem Brett und jeweils vier Bauern. Tatjana Melamed, die mit Saskia schnell ausgewertet hatte, meinte Anton hätte sogar eine Falle mit eigenem Figurengewinn übersehen. Es stand also 1:1 und das große Zittern, Hoffen und Bangen um die Bretter 2 und 3 begann. Immer wieder kamen die unterschiedlichsten Meldungen, mal standen Nelly und Jaron besser, mal schlechter, mal war es überall Remis. Um Nelly hatte ich etwas Angst, dass die tolle, weil fehlerfreie Partie gegen den aktuellen u14- Landesmeister doch noch kippen könnte. Doch Nelly löste ihre Aufgabe clever und meine Angst war unbegründet, muss ich mir endlich mal merken! Kurzzeitig war ein Doppelturmendspiel entstanden, mit jeweils 4 Bauern. Am Ende blieben jeweils zwei verbundene Bauern am Königsflügel, der Computer zeigte: 0.00 und Anton ließ Nelly Remis anbieten, was auch angenommen wurde. Doch der Kampf war noch nicht zu Ende. Jaron hatte noch rund 6 Minuten für 16 Züge bis zur Zeitkontrolle in besserer Stellung (+1,5). Bis zum 28. Zug war mindestens ein Remis und damit das verdiente Mannschaftsunentschieden sehr nahe.

Doch im erzwungen schnellen Spiel verlor er eine Figur und wohl praktisch auch die Partie (zur Zeitkontrolle im 40. Zug: -3,2). Auch der Turmtausch, so ergab die spätere Analyse, hätte daran wenig geändert, nur hätte diese Vereinfachung (vier verbundene Bauern gegen drei Bauern und Läufer am Königsflügel) den Gewinnweg erschwert. Auf Hinweis von Anton bot Jaron zweimal Remis, was lautstark abgelehnt wurde. Für Jakob Nönnig sprach vor allem die Zeit und Jaron musste ja auch noch schreiben. Jarons Gegner zog meist dann recht schnell. Für den 61. Zug (Ta7) benötigte Jaron fast drei Minuten und ich musste erleben, wie seine Uhr gnadenlos herunterlief. Einen Zug vor dem Blättchenfall tauschte er den Turm, doch da war es längst zu spät. Es war der 68. Zug (den er gar nicht mehr notiert hat) und noch eine Sekunde. Er berührte und setzte den Bauern auf e5 dann musste ihn der Schiedsrichter auf die Uhrenanzeige verweisen: 0.00. Heute fällt ja keine Blättchen mehr, doch diese 1,5:2,5 Niederlage tat schon weh, auch weil sie so und so unglücklich zustanden kam und nach fast 5 Stunden auch unnötig war. Doch die Mannschaft stand auch in der Stunde der Niederlage fest zusammen, während man den letzten Schachzwerg, der für den Mannschaftssieg gesorgt hatte, ganz allein gelassen hatte.

Nach dem späten Abendessen ging das Team dann ins Kino, mit Sondergenehmigung vom Trainer. Na ja, muss ja auch mal sein.

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