Norddeutsche Vereinsmeisterschaft 2021 in Magdeburg (19.9.)

Der 2, Tag, 17.09.2021

Der swiss-chess-Computer meint es auch weiterhin nicht gut mit uns. Nach der unglücklichen Niederlage gegen den an Nummer drei gesetzten, ewigen Konkurrenten aus der Landeshauptstadt ergab die Auslosung nun das Duell gegen die Nummer 1: Hamburger SK von 1830. Und hier muss man einfach mal auf dem Boden bleiben: eigentlich eine unlösbare Aufgabe. Ein wenig Vorbereitung und dann ging es in Runde 3. Bisher waren die Spiele gegen die Hamburger meist spannend. In diesem Turnier allerdings nicht. Unser Quartett hatte neben der Spielstärke der Gegner ein zusätzliches Problem und das war die Zeit.
Das galt allerdings nicht für Nelly. Doch Arthur Krüger erwies sich, mit starkem Angriffsplan, als zu stark. In kurzer Zeit hatte Nelly eine völlig offene Königsstellung, zudem opferte der Hamburger auch noch korrekt zwei Figuren und rochierte lang um den zweiten Turm in den Angriff auf der offenen g- Linie einzubeziehen. Der Druck wuchs von Zug zu Zug, das konnte nicht gut gehen. Wir analysierten noch lange, ob es Auswege gegeben hätte, aber die Partie endete, nach 25 Zügen, im Matt.
Nach frühem Dametausch war Georg am 4. Brett, gegen Luca Bandstrup, in ausgeglichener Stellung, in Zeitnot geraten. Eigentlich verpasste er die Zeitkontrolle, denn als seine Uhr 0.00 anzeigte und umschaltete hatte Georg nur 39 Züge und eigentlich nach Zeit verloren. Doch sein Gegner meinte, er müsse 40 Züge haben, dann würde die Partie weitergehen. So ging es am 4. Brett in die „Overtime“, doch Georg hatte dann zwei Bauern weniger und immer noch wenig Zeit. Zwar fragte er Anton, ob er Remis anbieten dürfe, doch als die neue gegnerische Dame kam, gab er schließlich auf.

Anton

Anton

Noch krasser war die Situation an Brett 1, stellungsmäßig zwar ausgeglichen. Doch Anton hatte, glaube ich, für 17 Züge noch 40 Sekunden und sein Gegner Banne Fuhrmann wies ihn lässig auf die Zeitüberschreitung nach über drei Stunden hin. Der Wettkampf war entschieden. Doch ähnlich wie gestern gegen die Schachzwerge kämpfte Jaron vor allem gegen die Uhr. Er war recht gut gestartet, stand mit Weiß aktiv und deutlich im Plus, doch Matti und ich fanden selbst im Analyseraum keine sinnvollen Fortsetzungen. Die Partie kippte kurz vor der Zeitkontrolle und am Ende hatte Jaron noch 4 Minuten für 8 Züge. Dennoch kam er in die Zeitkontrolle. Die Folge des etwas schnelleren Spiels war, wie gestern, die Verschlechterung der sicheren Remisstellung. Sein Gegner Zion Malchereck war allerdings im Endspiel mit Läufer, Springer und Turm klar besser. Jaron überlegte über 18 Minuten am 42. Zug. Ich riet zur Aufgabe und nach über 4 Stunden gab Jaron seinem Gegner das Zeichen zur Aufgabe und ich gratulierte den Hamburgern zu einem verdienten 4:0 Erfolg.
Trotz der erneuten Niederlage gab es nun das seit über 21 Monaten versprochene Eis für Platz 3 in der DVM u12 2019 für alle. Ja, das gibt es eben auch nur beim Roten Turm: Belobigungen für Niederlagen.

Über den Gegner für Runde 4 weiß man allerdings nicht, ob man sich freuen oder unzufrieden sein sollte: es kam zum Landes- oder Stadtduell mit dem USV Halle, übrigens wieder vor uns gesetzt. Ich hatte richtig prophezeit und bekomme einen Extrapunkt!
Ähnlich wie gegen die Schachzwerge wurde es ein spannender und enger Wettkampf. Das Stadtduell war in den letzten Jahren immer heiß umkämpft. Leider ließen die immer strenger werdenden Schiedsrichter keinen Betreuer an die vorderen Brettern, so dass Matti und ich von den Brettern 1-3 zunächst nur wenig gesehen haben.
Viel Gutes sah man allerdings zu Beginn von Georg, der sich gegen Carlo Patzschke, mit Weiß, eine Gewinnstellung mit vielen Chancen erarbeitet hatte. Doch wenn man die Chancen nicht nutzt und ohne rechte Ideen von Beginn an viel Zeit verbraucht, darf man sich nicht wundern. Auch der letzte Versuch in einer klaren Remisstellung Remis zu bieten scheiterte. Georg hätte in 4 Minuten 18 Züge machen müssen. Am Ende fehlten unglaubliche 12 Züge für die Zeitkontrolle. Sehr ärgerlich!
Doch zuvor beendete Nelly ihre Glanzpartie gegen Gustav Polzin. Der u10- Kaderspieler und ein wirklich großes Talent in unserem Bundesland, Landesmeister u10 2021 hatte gegen den unglaublichen Druck von Nellys weißen Figuren überhaupt keine Chance und wurde nach 48. Zügen einfach Matt gesetzt. Nelly hat diese Partie großen Spaß gemacht. Weniger Spaß gab es für uns in der Folge. Zwar meinte Helmar Liebscher zu mir: „Na, das werdet ihr wohl heute gewinnen“, doch ich blieb skeptisch.

Jaron

Jaron

Bei Jaron war es jedenfalls dieses Mal nicht die Zeit. Matti lobte ihn später über einige gute taktische Züge. Er stand fast immer im Plus, nach 25 Zügen war es eigentlich gewonnen (+2,4). Die Folge waren zwei Mehrbauern im Endspiel. Doch Marten Lischka gab sich nie auf und kämpfte gegen die drohende Niederlage. Jaron versuchte selbst eine Mattdrohung mit Springer und Turm, doch Marten fand eine Art Dauerschach ebenfalls mit Springer und Turm, also Remis. Jaron ärgerte sich über diese nicht gesehene Falle, doch die Hoffnung blieb. Nach vier Stunden stand es 1,5:1,5.
Anton war gegen Anastasia Voigt gut gestartet und stand nach dem 20. Zug fast durchgehend im Plus (31. Zug Td1 mit +2,3). Doch wieder war das Problem die Zeit in komplizierter Stellung, vor allem durch Abtausche. Mit wenig Zeit auf der Uhr gab Anton hier den Sieg aus der Hand, kam aber knapp in die Zeitkontrolle. Entstanden war ein Endspiel Springer + 6 Bauern (Anton) gegen Turm + 5 Bauern (Anastasia) mit ganz leichten Vorteilen für die Landesmeisterin u14. Also eigentlich Remis. Doch wenn man kein Glück hat kommt auch noch Pech dazu. Im Kampf wenigstens um das verdiente Remis und Mannschaftsunentschieden gab es zu viele Ungenauigkeiten gleich nach der Zeitkontrolle und das nutzte die aktuelle Landesmeisterin u14 meisterhaft aus. Starkes Spiel Turm gegen Springer, Turmopfer im richtigem Moment und ein perfektes Bauernendspiel zwangen Anton nach 59 Zügen zur Aufgabe. Davor ziehe ich, auch als Trainer des SV Roter Turm meinen Hut! Dennoch: auch diese Niederlage ist sehr unglücklich, es soll offensichtlich nicht sein.
Doch es gab noch einen zweiten Glanzpunkt, also neben Nellys vierter Partie: Frederik ist da und löste Georg ab.
Er kann sich morgen über eine lösbare Aufgabe am 4. Brett freuen: gegen SV Werder Bremen.

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